Ab 2018 keine Geburten in Bischofswerda Frauenklinik soll nach Bautzen gehen - Bürgermeister protestiert

Mutter hält ihr Baby
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Die Oberlausitz-Kliniken wollen die Geburtsstation in Bischofswerda schließen. Stattdessen sollen ab Januar die Ärzte, Hebammen und Kinderkrankenschwestern nach Bautzen wechseln. Doch die Entscheidung der Klinikführung stößt auf Widerstand. Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große fühlt sich überrumpelt und ist sauer.

"Ein absoluter Nackenschlag"

Eine Schließung der Frauenklinik wäre für die Stadt und das Umland ein absoluter Nackenschlag, der auch ganz klar die Menschen in der Region trifft, sagt Bischofswerdas Stadtoberhaupt. Als erste Schritte kündigt Holm Große "intensive und auch fordernde Gespräche" mit dem Klinikchef Reiner Rogowski und dem Landrat Michael Harig an. Letzterer ist Vorsitzender im Aufsichtsrat der Oberlausitz-Kliniken. Darüber hinaus will der Oberbürgermeister gemeinsam mit den Stadträten alle politischen Mittel nutzen, um für die Zukunft der Geburtsstation und des Krankenhauses zu kämpfen.

Die Oberlausitz-Kliniken wollen die Geburtshilfe schon nächstes Jahr am neuen Frauen- und Kinderzentrum in Bautzen bündeln. Der vor zwei Jahren in Betrieb genommene dritte Bauabschnitt am Krankenhaus Bautzen biete "ideale räumliche und strukturelle Voraussetzungen, um die Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin und die beiden Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe unter einem Dach zu vereinen", heißt es in einer Mitteilung.

Ende einer 20-jährigen Tradition

Die Geburtsstationen der Oberlausitz-Kliniken können sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. An beiden Krankenhausstandorten in Bautzen und in Bischofswerda sind die Entbindungszahlen gestiegen. In diesem Jahr rechnet das Klinikum mit insgesamt rund 1.300 Geburten. Der Hauptgrund für die Zusammenlegung liege in der Besetzung des nötigen Personals, sagte Klinik-Geschäftsführer Reiner Rogowski im Gespräch mit MDR SACHSEN. Beispielsweise sei es schwer für beide Standorte Kinderärzte zu finden. Die Zentralisierung nach Bautzen sei außerdem eine wirtschaftliche Entscheidung der Klinikleitung gewesen, so Rogowski. Der Aufsichtsrat und die Krankenhausmitarbeiter wurden über den Schritt informiert.

So endet möglichwerweise bald eine fast 20 Jahre währende Tradition der Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Krankenhaus Bischofswerda. Seit 1998 wurden hier mehr als 7.500 Kinder geboren und ebenfalls mehr als 10.000 Frauen operiert und medizinisch betreut. Weiter fortgeführt werden ambulante gynäkologische Behandlungen im Rahmen einer geplanten Tagesklinik, die geburtsvorbereitenden Kurse und das Babyschwimmen. In die frei werdenden Räume sollen verschiedene Facharztpraxen einziehen.

Umwandlung in ein medizinisches Zentrum

Das Krankenhaus Bischofswerda soll sich zu einem medizinischen Zentrum entwickeln, so Rogowski. Schwerpunkt der medizinischen Versorgung werde neben der Viszeralchirurgie und der Inneren Medizin insbesondere die Orthopädie sein. Ab 2018 ist die stationäre Behandlung von Schmerzpatienten vorgesehen.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.10.2017 | ab 7:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 20:57 Uhr

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1 Kommentar

19.10.2017 21:27 Na so was 1

Die Schließung der Frauenklinik Bischofswerda zu verhindern, wäre doch eine erste große Aufgabe für den "Möchte - gern - Ministerpräsident - von - Sachsen - werdenden Herrn Kretschmer. Da kann er zeigen, wieviel er für den ländlichen Raum übrig hat.