Ostmagistrale bald unter Strom? Bahn schreibt Planung für Dresden-Görlitz aus

Die DB Netz AG hat im Amtsblatt der Europäischen Union Architektur- und Ingenieurleistungen zur Elektrifizierung und zum Ausbau der Strecke Dresden-Görlitz ausgeschrieben. Es geht unter anderem um die komplette Elektrifizierung der Ostmagistrale ab Dresden-Klotzsche sowie um den Lückenschluss der Oberleitung an der Grenze zu Polen. Die Hauptstrecke zwischen Dresden und Niederschlesien soll zudem für Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometer ertüchtigt werden.

Freistaat geht in Vorkasse

Eine Regionalbahn aus Wroclaw (Polen) rollt nach umfangreichen Sanierungsarbeiten über den 475 Meter langen und 35 Meter hohen Neiße-Viadukt zum Bahnhof der ostsächsischen Stadt Görlitz (Sachsen).
Die Regionalexpresse Dresden - Breslau bestreiten derzeit den internationalen Verkehr auf der Strecke. Eingesetzt sind Dieseltriebwagen für den Nahverkehr. Bildrechte: dpa

Eine Bahnsprecherin erklärte auf Anfrage, es bestehe ein Planungsvertrag mit dem Freistaat Sachsen zur Vorplanung des Projektes. "Im Rahmen des abgestimmten Terminplans erfolgte die Veröffentlichung im ersten Quartal 2017." Die Planungsleistungen sollen zwischen August 2017 und November 2019 erbracht werden. Ein Sprecher des sächsischen Wirtschaftsministeriums erklärte: "Um das Projekt voranzubringen, geht der Freistaat quasi 'in Vorkasse' und stellt Mittel aus dem Landeshaushalt  für diese Planungsleistungen zur Verfügung." Es handelt sich demnach eine Fortführung der Planungen einer 2015 erfolgten sogenannten Grundlagenermittlung, die nun einen finanziellen Rahmen von rund sieben Millionen Euro umfasst.

Baubeginn weiter unklar

Wann die Arbeiten beginnen, ist noch unklar. Die Bahnsprecherin sagte, Aussagen zu einem Baubeginn seien erst nach Abschluss der Vorplanung Ende 2019 und nach Aufnahme in den "Vordringlichen Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans realistisch. Zurzeit will sich die Bahn auch nicht festlegen lassen, welche Züge künftig auf einer sanierten Trasse fahren sollen. Auf der Strecke Dresden-Görlitz sind derzeit nur Regionalzüge unterwegs, darunter auch grenzüberschreitend nach Wroclaw (Breslau). In der Vergangenheit spielte die Strecke hingegen eine wichtige Rolle im Fernverkehr zwischen Breslau, Görlitz, Dresden, Chemnitz und dem süddeutschen Raum. Das Land Sachsen und polnische Regionalverwaltungen machen sich seit geraumer Zeit für eine Sanierung der Bahnmagistrale stark.

Fernverkehr in der Vergangenheit (Auszug)
Epoche Züge Strecke
Deutsche Reichsbahn der DDR D 466/467 Görlitz - München mit Kurswagen nach Nürnberg und teilweise Stuttgart und Heilbronn
Deutsche Reichsbahn der DDR D-Züge Warschau/Krakau - Dresden - Leipzig (teilsweise weiter bis Frankfurt/Main)
Deutsche Bahn AG Interregio-Züge Zweistündiger Taktverkehr auf den Linien Görlitz - Nürnberg - Karlsruhe und Görlitz - Regensburg - München - Oberstdorf
Deutsche Bahn AG/Polnische Staatsbahn Interregio-Züge bis 2004 Taktverkehr Breslau - Dresden

Der Ausbau und die Elektrifizierung der insgesamt 103 Kilometer langen Bahnstrecke von Dresden über Bautzen nach Görlitz und weiter bis zur deutsch-polnischen Staatsgrenze gehört zu den wichtigsten Schienenverkehrsprojekten im Freistaat. Ausbau und Elektrifizierung wurden im Frühjahr 2013 durch den Freistaat für den Bundesverkehrswegeplan 2030 angemeldet, dort aber zunächst nicht berücksichtigt.

Ein weiterer Bestandteil der nun erfolgten Ausschreibung ist die Elektrifizerung der abzweigenden Nahverkehrsstrecke Arnsdorf-Kamenz. Die Bestellung dieses Abschnittes sei durch den Freistaat erfolgt. Ein Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe sagte, damit würden die Voraussetzungen geschaffen, Kamenz ins Dresdner S-Bahn-Netz einzubinden. In welcher Form sei allerdings ebenfalls noch Zukunfsmusik.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 06.04.2017 | ab 10:00 Uhr in den Nachrichten sowie in den Regionalnachrichten der Studios Bautzen und Dresden

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2017, 13:27 Uhr

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5 Kommentare

07.04.2017 14:57 Kritiker 5

@2Nachdenklicher: Der Kommentar ist völlig daneben. Natürlich fahren zwischen Dresden und Zwickau mehr Fahrgäste. Aber die Fahrgastzahlen zwischen DD und GR reichen aus, um vielfach mit 2 TW-Einheiten und in der Hauptverkehrszeit mit deren 3 zu fahren. Und beim Verstärkerverkehr zwischen BIW und GR müssen trotz 2 TW-Einheiten Reisende noch stehen. Leider hört bei vielen gedanklich in Dresden Deutschland auf.

07.04.2017 09:44 Ostsachse 4

@Nachdenklicher

Wo leben Sie denn??? Ich möchte mal ganz stark behaupten, dass sie noch nie in Görlitz und Umgebung waren! Dort gibt es mehr als nur hindurch zu fahren!
Übrigens, wenn es eine durchgehende Schnellzug(!)verbindung von (Leipzig-) Dresden-Breslau gäbe, so liegt kurz hinter der Grenze eine Großstadt, die genauso viel wie unsere Städte zu bieten hat!

Also schauen Sie bitte über Ihren Tellerrand hinaus!
Ich befürworte das Projekt der Bahn!

07.04.2017 08:44 Gerhard Meier 3

Endlich!

Die parallel verlaufende Autobahn ist voll. Die Bahnverbindung Dresden - Breslau ist heute ein Witz. Die beiden boomenden Zentren sind real bahnmäßig so gut wie nicht verbunden.

Allerdings reicht es nicht, einfach einen Draht über die Strecke zu hängen.
Damit das Projekt überhaupt Sinn macht, muss die Strecke deutlich beschleunigt werden.
160 km/h und abschnittsweise 200 km/h sind mindestens erforderlich, um mit der Autobahn auch nur einigermaßen mithalten zu können.
Ansonsten wird es keinen brauchbaren Fernverkehr auf dieser Strecke geben - außer vielleicht ein paar schwankenden weißen Doppelstockwagen mit Regionalbahnkomfort...
Ohne schnellere Verbindungen wird es bei den heutigen geringen Fahrgastzahlen bleiben.

06.04.2017 21:46 Nachdenklicher 2

Die Frage ist: Wozu? Wegen den 15 Leuten, die nach Görlitz fahren, macht der Aufwand keinen Sinn. Da kann man auch die Strecke nach Zittau ausbauen und elektrifizieren. Dort erreicht man 25 km hinter der Grenze wenigstens eine Großstadt (Liberec). Was kommt nach der Kleinstadt Görlitz? Nichts!
Da doch lieber das Geld in die Hand nehmen und die Strecke nach Chemnitz/Hof ICE-tauglich machen. Dresden-Nürnberg/München ist eine Katastrophe. Dabei ist das eine relevante Strecke. Nach Görlitz fährt wer? Wenn das Licht bei "Bombe" aus ist, kaum jemand.

06.04.2017 13:49 Oberlausitzer 1

Endlich mal eine positive Nachricht. Die Gefahr, dass die Strecke Dresden - Görlitz durch die "Tunnelvision Dresden-Prag" aus der Wahrnehmung wichtiger Verbindungen gerät, ist riesengroß. Übrigens war in der DDR der Abschnitt Bischofswerda - Seitschen bereits für 160km/h zugelassen (für Testfahrten von Neubaufahrzeugen des Waggonbau Bautzen/Görlitz).