Chemiestandort Schwarzheide expandiert Fachkräfte-Jobs in Brandenburg für Sachsen

Nur wenige Kilometer hinter der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze, an der Autobahn Dresden-Berlin, befindet sich einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber für den Raum Dresden: BASF Schwarzheide. Von den knapp 1.750 Beschäftigten ist inzwischen etwa jeder Dritte ein Sachse. Aber auch im Umfeld des Chemieriesen in der brandenburgischen Lausitz hört man immer öfter den sächsischen Dialekt. Denn viele der Arbeitnehmer im Umfeld der BASF pendeln täglich aus Kamenz, Hoyerswerda und dem Raum Dresden ins Brandenburgische.

Inzwischen bietet der Chemiestandort rund 3.400 Menschen Lohn und Brot. Neben hochmodernen Arbeitsplätzen und vielen Karrierechancen wird in Schwarzheide ein im ostdeutschen Vergleich hohes Lohn- und Gehaltsniveau geboten. So bilanziert BASF-Geschäftsführer Karl Heinz Tebel eine Tarifsteigerung von insgesamt rund 15 Prozent seit 2010.

Chemiestandort mit Besonderheiten

Weit ab von großen Meereshäfen und Binnenschifffahrtswegen behauptet sich BASF Schwarzheide im weltweiten Wettbewerb der großen Chemiestandorte - ein Sonderfall. Innerhalb des BASF-Verbundes rangiert das Unternehmen hinter den Produktionsstätten in Ludwigshafen und Antwerpen als Nummer drei in Europa. Der Konzern setzt wegen der fehlenden Wasserwege in der Lausitz bei seinem ostdeutschen Ableger auf Spezialchemie. Keine Massenware - sondern werthaltige Produkte mit relativ wenig Volumen, die über Schiene und Straße transportiert werden können.   

Schwarzheide beliefert Farmer in Kanada, den USA und Südamerika

Zu den wichtigsten Umsatzbringern gehören inzwischen die neuen, sogenannten F500-Anlagen. Darin werden Wirkstoffe für hochwirksame Pflanzenschutzmittel produziert. Sie schützen Soja- und Getreidepflanzen vor dem Pilzbefall. Die Produktion aus Schwarzheide wird hauptsächlich in Amerika abgesetzt. Doch die Produktionspalette in Schwarzheide ist wesentlich größer: Schaumstoffe für die Auto- und Möbelindustrie, Fassaden-Dämmstoffe, umweltfreundliche Wasserbasislacke für Autos und Dispersionen für die Kosmetikindustrie.

Neuste Ansiedlung: Autozulieferer proseat startet im März 2015

Das belgisch-kanadische Unternehmen proseat beliefert fast sämtliche Autokonzerne in Europa, Asien und Amerika mit Zubehörteilen aus Kunststoff: von der Armlehne, den Becherhalter bis zum Sitzgestell. All diese Teile sollen künftig in großem Umfang in Schwarzheide hergestellt werden. Abnehmer werden u.a. Automobilhersteller in Leipzig, Dresden, Eisenach und Zwickau sein. Die Geschäftsführung von proseat entschied sich nach eigenen Angaben für Schwarzheide, weil der Ausgangsstoff für die Formteile in unmittelbarer Nachbarschaft erzeugt wird. Das spart Transportkosten. Außerdem gäbe es am Standort exzellente Fachkräfte, so betont das Unternehmen. In den kommenden Tagen startet die Produktion mit zunächst 25 Mitarbeitern. Doch der Zulieferer will sein Produktionsvolumen noch im laufenden Jahr vervielfachen. Wie BASF-Manager Tebel berichtet, führe sein Unternehmen auch mit vielen anderen Interessenten Gespräche. Viele Investitions-Projekte seien in Verhandlung, aber bislang nicht spruchreif.  

Schweizerischer Chemielogistiker macht aus Schwarzheide Güterknoten für Südbrandenburg und Sachsen

Eine der größten Güterverkehrsterminals in Ostdeutschland entsteht gerade am Rande des BASF-Betriebsgeländes. Die schweizerische Unternehmensgruppe Bertschi investiert in einen zentralen Güterumschlagplatz. Es ist die inzwischen dritte Erweiterung der Anlage. Denn das Geschäft boomt. Die Strategie der Eidgenossen: Südbrandenburg als Knotenpunkt für Verkehre von und nach Rotterdam, Antwerpen, Osteuropa und Fernost.  Abstellflächen für rund 2000 Container sind fast fertiggestellt. Unterstützung bekommen die Schweizer von der Deutschen Bahn. Der Konzern beginnt in Kürze mit der Erweiterung des Bahnhofs Ruhland. Neue Gleise für Güterzüge sollen entstehen - direkt am Schnittpunkt der Bahnmagistralen Leipzig-Horka und Dresden-Cottbus.

Größtes Problem: Fachkräfte-Nachwuchs - aktives Werben an Sachsens Hochschulen

Als zunehmend schwierig schätzt BASF Schwarzheide das Werben um junge Fachkräfte ein. Ein vom Unternehmen finanziertes, gläsernes Chemielabor in Dresden soll helfen, Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften zu begeistern. Außerdem soll so schon früh Aufmerksamkeit  für den Standort geweckt werden. Inzwischen setzt der Konzern auf Kooperationen mit Gymnasien in Dresden, Cottbus, Lauchhammer und Elsterwerda mit dem Ziel, rechtzeitig Talente zu finden und zu entwickeln. Abiturienten sollen durch Betriebspraktika für einen Job in der Chemiebranche begeistert werden. Außerdem pflegt BASF eine immer enger werdende Zusammenarbeit mit den Universitäten und Hochschulen im Umfeld: beispielsweise mit Görlitz/Zittau, Dresden, Freiberg und Cottbus. Das Unternehmen versucht so, Absolventen frühestmöglich an sich zu binden.

Für den Schwarzheider BASF-Chef Tebel ist die Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg fast unerheblich. Er setzt auf die Region - in Sachsen und Brandenburg - ohne Kirchturmdenken. Auch darum engagiert er sich in der länderübergreifenden Wirtschaftsinitiative Lausitz - einem Verbund von Unternehmen, die sich für ein starke Industrie abseits von Dresden und Berlin engagieren. Tebels Erfolge in Schwarzheide gelten dabei als best practice-Beispiel.

BASF Schwarzheide GmbH Umsatz: 1,05 Milliarden Euro
Beschäftigte BASF: 1738
Beschäftigte Standort: 3400
Unternehmen am Standort: 44
BASF-Investitionen seit 1990: 1,6 Milliarden Euro
Ursprungsunternehmen: VEB Synthesewerk Schwarzheide

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