18.02.2020 | 16:49 Uhr Nach Kaufangebot an Bombardier: Hoffnung und Sorge in Bautzen und Görlitz

Der französische Alstom-Konzern hat am Montag angekündigt, die Transportsparte des wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmens Bombardier übernehmen zu wollen. In den Bombardier-Werken in Görlitz und Bautzen geht unterdessen der Arbeitsalltag wie gewohnt weiter.

Bombardier
Eine Werkhalle von Bombardier in Bautzen. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Von Verunsicherung will Frank Albert, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Werk von Bautzen, nicht sprechen. Die Information zu einem möglichen Verkauf werde so hingenommen. Albert, der selbst erst am Montag von den Alstom-Plänen erfuhr, erwartet nun in den nächsten Wochen weitere Details.

Bei der Gewerkschaft IG Metall nimmt man das Kaufangebot von Alstom als positives Signal auf. Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen berichtet MDR SACHSEN, dass Bombardier die Gespräche zum weiteren Umbau des Unternehmens verschleppt habe. Jetzt sei ihm klar wieso. "Wir haben ja mit Bombardier eine Transformation vereinbart, die sehr unterschiedlich vorangeschritten ist. In Görlitz ist fast nichts davon umgesetzt worden - in Bautzen doch relativ viel", sagt Otto. So wurde erst im vergangenen Dezember in Bautzen öffentlichkeitswirksam ein modernes Testcenter für Schienenfahrzeuge eingeweiht.

Es kann eine große Chance sein, sich auf diesem Marktsegment noch einmal neu aufzustellen.

Jan Otto IG Metall Ostsachsen
Jan Otto IG Metall Ostsachsen
Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nun will die IG Metall von Bombardier und Alstom Klarheit erhalten, was die Übernahme konkret für die Zukunft der Standorte in Bautzen und Görlitz bedeutet. "Ich glaube, es gibt eine Menge Chancen, aber wir werden für unsere Interessen kämpfen müssen", betonte Otto. Vor allem die Formulierung in einer Mitteilung von Alstom, dass man in einzelnen Fabriken "Anpassungen" vornehmen müsse, lässt ihn aufhorchen. "Wenn der Arbeitgeber von Anpassungen redet, dann meint er meistens Stellenabbau", so der Gewerkschaftler.

Bangen um Industriearbeitsplätze in der Oberlausitz

Diese Befürchtung hat auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Bautzener Marko Schiemann: "Ich sehe den Verkauf skeptisch. Sollte die europäische Kartellbehörde dem Verkauf der Zugsparte von Bombardier an Alstom zustimmen, erwarte ich von der Staatsregierung und der Bundesregierung einen maximalen Einsatz für den Erhalt der Arbeitsplätze in Sachsen", fordert Schiemann. Der Verlust weiterer Industriearbeitsplätze sei für die Lausitz nicht hinnehmbar.

Der deutsche Bombardier-Chef Michael Fohrer und der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu bei einer Veranstaltung in Berlin.
Der deutsche Bombardier-Chef Michael Fohrer (l.) und der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu bei einer Veranstaltung in Berlin. Bildrechte: Stadt Görlitz

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) am Rande einer Veranstaltung in Berlin mit Bombardiers Deutschlandchef Michael Fohrer getroffen. Ursu betonte dabei, dass die Arbeitsplätze der Waggonbauer eine zentrale Bedeutung für die Stadt Görlitz haben. Am Dienstag stellte Ursu in einer Mitteilung nochmals klar: "Wichtig für Görlitz ist vor allem der Erhalt des Werksstandortes und der Arbeitsplätze."

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) versucht, wie er sagt, das Positive aus dem Alstom-Angebot zu lesen: "Die Zugsparte von Bombardier war über Jahre hinweg der Geldbringer im Konzern, was der Zusparte einige Probleme gemacht hat, weil sie dann noch mehr Geld bringen sollte. Vielleicht ist die Transportsparte im Rahmen von Alstom noch besser aufgehoben."

Brüssel muss der Fusion zustimmen

Bombardier hat sich hoch verschuldet. Im vergangenen Jahr war der Flugzeug- und Zughersteller auch wegen Problemen im Zuggeschäft tief in die roten Zahlen gerutscht. In Deutschland arbeiten etwa 6.500 Menschen für Bombardier, davon mehr als 2.000 Mitarbeiter an den sächsischen Standorten in Görlitz und Bautzen.

Für rund sechs Milliarden Euro will nun der französische Bahnhersteller Alstom die Eisenbahnsparte von Bombardier übernehmen. Beide Unternehmen haben dazu eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Die für Anfang 2021 geplante Fusion mit Alstom muss nun von der Europäischen Union genehmigt werden. Die EU hatte zuletzt einen Zusammenschluss von Alstom mit der Siemens-Zugsparte wegen kartellrechtlicher Bedenken abgelehnt.

Quelle: MDR/mk/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.02.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2020, 16:49 Uhr

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