19.11.2019 | 12:20 Uhr Bildungsstätte zu Flucht und Vertreibung entsteht in Knappenrode

Im früheren Informationszentrum der Energiefabrik Knappenrode soll eine Bildungsstätte zu den Themen Flucht und Vertreibung entstehen. Die Stiftung "Erinnerung, Begegnung, Integration" will sie einrichten. Das Vorhaben geht auf die Initiative des Verbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen zurück.

Am Montag unterschrieben Frank Hirche,  Vorsitzender des Stiftungsrats, Birgit Weber, Beigeordnete des Landkreises Bautzen und Oliver Brehm, Geschäftsführer des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum den Mietvertrag für das Projekt. "Der Landkreis Bautzen hat hohes Interesse, die Stiftung 'Erinnerung, Begegnung, Integration' in die Energiefabrik einzumieten“, sagte Birgit Weber. "Gerade das Thema Flucht und Vertreibung prägte auch den Ort Knappenrode. Frühere Vertriebene fanden in der Brikettfabrik nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit."

Jens Baumann, Frank Hirche, Birgit Weber und Oliver Brehm am Ort, an dem bis Mitte kommenden Jahres die neue Bildungsstätte entstehen soll.
Jens Baumann, Frank Hirche, Birgit Weber und Oliver Brehm am Ort, an dem bis Mitte kommenden Jahres die neue Bildungsstätte entstehen soll. Bildrechte: MDR/Andreas Kirschke

Zielgruppe: Schüler, Studenten und Tagesgäste

In der nun zum Museum umgewandelten Fabrik soll ein "Transferraum Heimat" eingerichtet werden. Das Konzept dazu kommt vom polnischen Pädagogen Józef Zaprucki. Er ist Lehrer am Riesengebirgskolleg in Jelenia Góra. Die Bildungsstätte soll sich an Schüler, Studenten, Wissenschaftler und Tagesgäste im Bergbaumuseum richten. Anfang Juli kommenden Jahres soll sie fertig sein und zusammen mit der umgestalteten Energiefabrik öffnen. Bezahlt wird das Projekt aus Eigenmitteln der Stiftung "Erinnerung, Begegnung, Integration" sowie aus Fördermitteln des Freistaates Sachsen.

In der Bildungsstätte sollen sich Besucher dann über Ursachen, Folgen und Opfer von Flucht und Vertreibung informieren können. Daneben soll auch die Integration Vertriebener in der DDR, in der BRD und im vereinten Deutschland thematisiert werden, erklärte Jens Baumann, Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler im Sächsischen Innenministerium.

Im einstigen Besucherzentrum der Energiefabrik wird der "Transferraum Heimat" eingerichtet.
Im einstigen Besucherzentrum der Energiefabrik wird der "Transferraum Heimat" eingerichtet. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Schülerinnen und Schüler der 9. und 11. Klassen sollen dabei besonders angesprochen werden. Dort seien Flucht und Vertreibung Themen des Lehrplans. Bei einer Exkursion nach Knappenrode könnten die Jugendlichen ihr Wissen vertiefen.

Ursprünglich sollte die Bildungsstätte Flucht und Vertreibung im Bahnhof Hoyerswerda entstehen. Deren private Eigentümer investierten bereits in die Erneuerung der Anschlüsse für Gas und Elektrik. Sie hofften auf 90 Prozent Förderung für die Bildungsstätte an diesem Ort.

"Leider ist das Projekt im Bahnhof gescheitert, weil es nicht finanzierbar war", sagte Jens Baumann. "Die privaten Eigentümer als Investoren hätten höchstens 50 Prozent Förderung erhalten. So wären mehrere 100.000 Euro Eigenmittel notwendig gewesen. Das war für die Eigentümer nicht zu leisten." Damit bleibt offen, wie der leer stehende Bahnhof künftig genutzt wird.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.11.2019 | ab 6:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 12:20 Uhr

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