Auktion in Dresden Schirgiswalder "Castel Gandolfo" unterm Hammer

Französische Tapeten, bemalte Decken, barocke Pracht - und doch will niemand das Herrenhaus im Zentrum von Schirgiswalde haben. Seit Jahren versucht das Bautzener Domkapitel, die einstige bischöfliche Sommerresidenz zu verkaufen, bislang ohne Erfolg. Nun gibt es am 5. März den nächsten Anlauf. Auf einer Auktion in Dresden wurde das Haus mit einem Mindestgebot von 150.000 Euro aufgerufen.

Die ehemalige Bischöfliche Sommerresident „Piushaus“ von außen, ein gelb gestrichenes Gebäude steht neben Bäumen.
Sie kommt unter den Hammer - die ehemalige Bischöfliche Sommerresidenz in Schirgiswalde bei Bautzen. Bildrechte: SÄCHSISCHE GRUNDSTÜCKSAUKTIONEN AG

Sie hängen im Empfangsraum des Weißes Hauses in Washington, in europäischen Schlössern und in einem Herrenhaus in Schirgiswalde - bildreiche Tapeten aus der elsässischen Manufaktur Zuber & Cie. Aus dem Jahr 1838 stammt der denkmalgeschützte Wandschmuck von Schirgiswalde. Aber er ist "restaurierungsbedürftig, in Mauerwerk und Tapeten haben sich Risse gebildet", schreibt die Sächsische Grundstücksauktionen AG in ihrem aktuellen Katalog.

Ein Saal mit denkmalgeschützten Tapeten aus 1838.
Im Gebäude befinden sich denkmalgeschützte Tapeten. Bildrechte: SÄCHSISCHE GRUNDSTÜCKSAUKTIONEN AG

Es ist einiges zu tun an der ehemaligen Bischöflichen Sommerresidenz "Piushaus" im Zentrum von Schirgiswalde. Außen bröckelt der Putz, in Bodennähe sind die Mauern feucht, die WC-Anlage muss saniert werden. Und so ist der Verkaufspreis des 10.800 Quadratmeter großen Gebäudes schon deutlich gesunken. 465.000 Euro wollte der Eigentümer, das Bautzener Domkapitel St. Petri, ursprünglich dafür haben. Am 5. März wird das Herrenhaus nun für 150.000 Euro bei einer Auktion in Dresden angeboten. "Die Katholische Kirche hat keine Nutzung mehr dafür", sagt Michael Baudisch, Pressesprecher vom Bistum Dresden-Meißen. Zuletzt ist das Haus ein Kindergarten gewesen, früher auch schon eine Musikschule. Die Kita zog 2006 um in ein anderes Gebäude. Der denkmalgeschützte Bau sei für so eine Einrichtung nicht mehr zeitgemäß gewesen, so Baudisch im Gespräch mit MDR SACHSEN. Und die Kirche versuche nun, das Gebäude "in gute Hände zu geben."

1703 übernahm das damals begüterte Bautzener Domstift das Gut Schirgiswalde. Ende des 18. Jahrhunderts wurde dann das Herrenhaus errichtet. Bis 1945 nutzten es Vikare und Bischöfe als Sommersitz. Der wurde prachtvoll um- und ausgebaut und wird mitunter als sächsisches Castel Gandolfo bezeichnet – in Anlehnung an die italienische Papstresidenz.

Verkaufsbemühungen werden fortgesetzt

Ob es gelingt, das Gebäude mit bemalter Kassettendecke, verzierter Holzeingangstür, Mansardendach und Parkett zu veräußern, ist fraglich. Michael Baudisch bestätigt aber, dass die Bemühungen weitergehen werden, auch wenn die jetzige Auktion kein Ergebnis bringe. Einen ähnlichen Fall wie den in Schirgiswalde gebe es direkt im Domkapitel und beim Bistum kein zweites Mal. Nur einzelne Gemeinden bemühten sich mitunter, denkmalgeschützte Objekte zu verkaufen.

Update: Für die ehemalige Bischöfliche Sommerresidenz "Piushaus" in Schirgiswalde findet sich weiter kein Käufer. Wie das Bistum Dresden-Meißen mitteilte, wurde bei der Auktion am 5. März kein Gebot für die stark sanierungsbedürftige Immobilie aus dem 18. Jahrhundert abgegeben.

Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.03.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 06. März 2019, 10:22 Uhr

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1 Kommentar

04.03.2019 08:39 Baumeister 1

Ok - die häßlichen Gardinen und die Deckenlampe kann man austauschen. Aber was grinst denn da links über dem Fenster so orange? Ist das Hausschwamm? Na dann würde ich den Kasten auch nicht haben wollen.

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