Beim Hosker Hindernislauf verlangten die Organisatoren den Startern Einiges ab. Gleich zu Beginn schickten sie die Läufer durch eine tiefe Schlammgrube.
Beim Hosker Hindernislauf verlangten die Organisatoren den Startern einiges ab. Gleich zu Beginn schickten sie die Läufer durch eine tiefe Schlammgrube. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

09.09.2019 | 17:44 Uhr "Black Bird Run" - Schmutzige Tortur in der Oberlausitz

Beim vierten "Black Bird Run" in Hoske bei Wittichenau gingen Starter und Organisatoren des Lausitzer Hindernislaufs am Sonntag ans Limit.

Beim Hosker Hindernislauf verlangten die Organisatoren den Startern Einiges ab. Gleich zu Beginn schickten sie die Läufer durch eine tiefe Schlammgrube.
Beim Hosker Hindernislauf verlangten die Organisatoren den Startern einiges ab. Gleich zu Beginn schickten sie die Läufer durch eine tiefe Schlammgrube. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Schon der Auftakt hat es in sich. Gerade noch sind die Läufer durch bis zu oberschenkeltiefes Wasser der Schwarzen Elster gewatet. In triefend nassen Hosen und Schuhen gilt es nun, gebückt eine flache Betonbrücke zu unterqueren. Darin steht stinkend fauliger Morast. Nur mühsam setzen die Starter einen Fuß vor den anderen. Es schmatzt vernehmlich. Wer unter der Brücke wieder auftaucht, steht vor einem schwarzen Schlammloch. Einige Wagemutige versuchen es mitten hindurch und versinken bis zum Becken im Morast. Nur mit Hilfe der Teamkameraden schaffen sie es wieder hinaus.

Beim vierten "Black Bird Run" im Wittichenauer Ortsteil Hoske kommt man allein nicht weit. Deshalb haben sich viele der knapp 400 Starter gemeinsam mit Freunden oder Sportkameraden zu dem Hindernislauf angemeldet. "Eigentlich spielen wir Fußball. Aber wir haben heute spielfrei und denken, wir müssen trotzdem Sport machen. Weil wir noch bisschen was auf dem Kessel haben", so erklärt Tobias Berthold, warum er sich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag diese Tortur antut. Der 23-Jährige aus Demitz-Thumitz ist zum ersten Mal beim "Black Bird Run" dabei. "Ich schau jetzt, dass ich alles meistere und wieder heil ins Ziel komme. Wichtig ist für mich das Team, das zusammen rennt. Dass es jeder schafft." Zu siebt ging sein "Team Kommando Pimperle" an den Start. Zu siebt wollen sie nach zweimal sechs Kilometern Laufstrecke auch das Ziel erreichen.

Sich als Mannschaft beweisen

Wie Tobias Berthold sehen auch viele andere Läufer den "Black Bird Run" als Gemeinschaftserlebnis. Anne Mark aus Bautzen will sich mit ihren Freundinnen ebenfalls zum ersten Mal auf dem Hindernislauf ausprobieren. Sie gehörten mal zur selben Berufsschulklasse. "Wir wollen danach weiterhin Kontakt halten", erzählt die 23-Jährige. Den Lauf sehen sie als gute Möglichkeit, zusammen etwas zu unternehmen. "Ich erwarte, an meine Grenzen zu kommen. Mal schauen, wie weit ich es schaffe", blickt Mark voraus. "Ich hoffe, dass ich ganz durchkomme."

Jetzt heißt es für ihre Mädels aber erst einmal: Sandsäcke über hügeliges Terrain schleppen. Wenig später müssen sie durch einen langen finsteren Folienschlauch kriechen. Insgesamt 15 Hindernisse haben sie auf der Runde zwischen Hoske und Rachlau zu bewältigen. Deren Namen lassen erahnen, was den Starterinnen noch bevorsteht: "Die sieben Berge", "Grill den Henssler" und "Das Labyrinth" haben die Erbauer ihre Malträtier-Einrichtungen getauft.

Ausschnitte aus einem verrückten Hindernislauf

Knapp 400 Starter aus ganz Ostsachsen kamen nach Hoske, um sich schmutzig zu machen.

Beim Aufwärmen vor dem Start hatten die Teilnehmer noch gut lachen.
Beim Aufwärmen vor dem Start hatten die Teilnehmer noch gut lachen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Beim Aufwärmen vor dem Start hatten die Teilnehmer noch gut lachen.
Beim Aufwärmen vor dem Start hatten die Teilnehmer noch gut lachen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Auf dem mehr als sechs Kilometer langen Hindernisparcours galt es für sie dann u.a. über Strohballen zu steigen.
Auf dem mehr als sechs Kilometer langen Hindernisparcours mussten sie dann unter anderem über Strohballen steigen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Auf dem Dorfanger hatten die Starter einen mit Wasser gefüllten Absetzcontainer zu durchschwimmen. Der Abstieg daraus war steil.
Auf dem Dorfanger hatten die Starter einen mit Wasser gefüllten Container zu durchschwimmen. Der Abstieg daraus war steil. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Von den herausfordernden Hindernissen ließen sich Sandra und Doreen nicht entmutigen.
Von den herausfordernden Hindernissen ließen sich Sandra und Doreen nicht entmutigen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Ein kniehoch aufgespanntes, Strom führendes Netz zwang die Läufer durch dreckiges Wasser zu kriechen.
Ein kniehoch aufgespanntes, Strom führendes Netz zwang die Läufer, durch dreckiges Wasser zu kriechen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
In "Takeshi's Castle" auf dem Rachlauer Sportplatz verbarg sich ein Gewirr aus Barrieren.
In "Takeshi's Castle" auf dem Rachlauer Sportplatz verbarg sich ein Gewirr aus Barrieren. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Die Rachlauer bezogen auch ihren Rodelberg in die Streckengestaltung mit ein. Die Läufer hatten ihn auf einer mit Seifenwasser besprengten Folie zu überwinden. Die Kinder aus dem Ort sorgten links und rechts mit Spritzen für Wassernachschub.
Die Rachlauer bezogen auch ihren Rodelberg in die Streckengestaltung mit ein. Die Läufer hatten ihn auf einer mit Seifenwasser besprengten Folie zu überwinden. Die Kinder aus dem Ort sorgten links und rechts mit Spritzen für Wassernachschub. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Glücklich zeigte sich, wer den Ausgang aus diesem Labyrinth fand.
Glücklich zeigte sich, wer den Ausgang aus diesem Labyrinth fand. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
So wie Stefan Kutsche absolvierten einige Läufer den Hindernislauf im Kostüm.
So wie Stefan Kutsche absolvierten einige Läufer den Hindernislauf im Kostüm. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Die Teilnehmer des Hindernislaufs mussten nicht nur durch eiskaltes Flusswasser, auch Hindernisse aus Feuer waren zu überwinden.
Die Teilnehmer des Hindernislaufs mussten nicht nur durch eiskaltes Flusswasser, auch Hindernisse aus Feuer waren zu überwinden. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Angesichts der Strapazen hatte manch eine, eine extra Portion Motivation nötig.
Angesichts der Strapazen hatte manch eine, eine extra Portion Motivation nötig. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Die gefürchtete Wand: kaum ein Läufer schaffte es hier aus eigener Kraft hinüber.
Die gefürchtete Wand: Kaum ein Läufer schaffte es hier aus eigener Kraft hinüber. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Am Zieleinlauf boten die Veranstalter den Zuschauern mit der dichten Aneinanderreihung von Hindernissen besonderen Schauwert.
Am Zieleinlauf boten die Veranstalter den Zuschauern mit der dichten Aneinanderreihung von Hindernissen besonderen Schauwert. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Zähne zusammenbeißen und letzte Kräfte mobilisieren: nach diesem Hindernis lockte das Ziel.
Zähne zusammenbeißen und letzte Kräfte mobilisieren: Nach diesem Hindernis lockte das Ziel. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Erleichterung wenige Meter vor dem Ziel - wer es bis hierhin schaffte, bekam eine Finisher-Medaille umgehängt.
Erleichterung wenige Meter vor dem Ziel. Wer es bis hierhin schaffte, bekam eine Finisher-Medaille umgehängt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Mattes Brähmig (Mitte) aus Dresden kam als Erster ins Ziel. Ihm folgten Nico Kroll (links) auf Platz 2 und Stefan Möller (rechts) auf Platz 3.
Mattes Brähmig (Mitte) aus Dresden kam als Erster ins Ziel. Ihm folgten Nico Kroll (links) auf Platz 2 und Stefan Möller (rechts) auf Platz 3. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
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Auf dem Dorfanger hatten die Starter einen mit Wasser gefüllten Absetzcontainer zu durchschwimmen. Der Abstieg daraus war steil.
Auf dem Dorfanger hatten die Starter einen mit Wasser gefüllten Absetzcontainer zu durchschwimmen. Der Abstieg daraus war steil. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Labyrinth "Takeshi's Castle" als neues Hindernis

"Es hat uns in den Fingern gejuckt", bekennt Organisator Roland Salowsky vom Jugendclub Hoske. "Wenn wir sehen, was jetzt los ist, wissen wir genau, was uns letztes Jahr gefehlt hat." Nach drei Jahren, in denen der Hindernislauf an Anspruch und Teilnehmerzahl kontinuierlich wuchs, hatten dessen Macher im vergangenen Jahr eine Pause eingelegt. "Wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, das für uns ein wenig neu auszurichten und sind jetzt mit neuer Energie zurück", erklärt Salowsky und grinst breit. Über eine Woche haben die Hosker an dem Parcours gebaut. Mancher hat dafür sogar Urlaub genommen.

Weil mitten im Ort die Straßenbrücke über den Fluss Schwarze Elster neu errichtet wird, haben die Organisatoren den bisherigen Streckenverlauf verlegen müssen. "Dadurch sind völlig neue Elemente dazugekommen", sagt Salowsky. "Es ist weniger Wasser und Schlamm dabei – insgesamt aber ähnlich anspruchsvoll wie in den Vorjahren." Erstmals führt die Strecke bis in den Nachbarort Rachlau. Auf dem Sportplatz hat die Dorfjugend "Takeshi's Castle" aufgebaut – eine Art Labyrinth aus Strohballen, Dachlatten und Tarnnetzen. Was die Läufer darin erwartet, verbirgt sich hinter zwei Einschlupflöchern in der Burgmauer. "Deine Mutti wird stolz sein!", geben die Erbauer den Läufern dort auf einem Schild noch mit auf den Weg. "Die waren sehr euphorisch bei der Sache", sagt Roland Salowsky über die Kreativität der Rachlauer. Deshalb wollte er ihnen die Möglichkeit geben, etwas Größeres zu gestalten.

Die Laufstrecke ist deshalb erstmals etwas länger als sechs Kilometer. Bislang sahen die Veranstalter diese Distanz als "Kotzgrenze". Der Lauf soll für die vielen Freizeitsportler attraktiv bleiben, erklärt Salowsky. Darum durfte die Strecke nicht noch länger werden. Auch ein anderes selbst gestecktes Limit haben die Veranstalter mit der vierten Auflage des "Black Bird Runs" erreicht: 400 Starter galten ihnen als Obergrenze. "Das ist das Maximum, was wir auf die Strecke lassen wollten, damit kein zu großer Stau entsteht", sagt Salowsky.

Der Sieg als i-Tüpfelchen eines herausfordernden Tages

Zur Siegerehrung der Männer stiegen Nico Kroll, Mattes Brähmig und Stefan Möller (von links) aufs Podest.
Zur Siegerehrung der Männer stiegen Nico Kroll, Mattes Brähmig und Stefan Möller (von links) aufs Podest. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Ganz vermeiden ließen sich stellenweise Wartezeiten aber nicht. Dafür waren zu viele Engpässe eingebaut. Mattes Brähmig ließ die am schnellsten hinter sich und lief am Ende als Erster durch das Ziel. Nur eine Stunde und 15 Minuten brauchte der hoch gewachsene Dresdner für die zwei Runden über den Hindernisparcours. "Ich wollte hier mein Tempo laufen und Spaß haben. Das stand im Vordergrund: den Lauf genießen. Dass ich ihn jetzt gewonnen habe, ist das i-Tüpfelchen auf diesem Tag", sagt Brähmig glücklich. "Am meisten imponiert hat mir, dass gefühlt der ganze Ort hinter diesem Lauf steht. Dass die Leute an der Strecke waren, angefeuert haben. Dass an den Hindernissen Leute dastanden und die Hindernisse betreut haben, dass die Kinder mit eingebunden sind. Das fand ich ziemlich cool."

26 Minuten nach Brähmig läuft auch die erste Frau durchs Ziel. "Ich hab's gar nicht richtig mitgekriegt, dass ich vorne lag", erzählt Josephin Müller-Pentzig. "Ich hab so Scheuklappen gehabt. Ich bin einfach nur gerannt mit meinem Team", berichtet die Dresdnerin. In ihrer siebenköpfigen Mannschaft war sie die einzige Frau. Kumpel aus Demitz-Thumitz und Bautzen hatten sie eingeladen mitzulaufen. "Ich war froh, dass ich mein Team hatte und dass sich auch alle untereinander so gut geholfen haben", resümiert die 25-Jährige. "Wenn ich's mir einrichten kann, bin ich nächstes Jahr wieder dabei. Es macht super Spaß."

Die gefürchtete Wand: kaum ein Läufer schaffte es hier aus eigener Kraft hinüber. 2 min
Die gefürchtete Wand: kaum ein Läufer schaffte es hier aus eigener Kraft hinüber. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Am 8. September hat der Jugenclub Hoske die Elsterwiesen rund um den Wittichenauer Ortsteil Hoske in eine Wettkampfarena verwandelt.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 09.09.2019 16:44Uhr 02:03 min

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Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.09.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 17:44 Uhr

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