Kühltürme eines Braunkohlekraftwerkes
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Wandel in der Lausitz Kraftwerk Jänschwalde geht teilweise vom Netz

Im südbrandenburgischen Kraftwerk Jänschwalde ist am Sonntag ein erster Block vom Netz gegangen. Damit treten Teile des Energiewirtschaftsgesetzes in Kraft. Es geht um Klimaschutz durch weniger Kohlendioxid-Ausstoß. Braunkohlekumpel fürchten unterdessen um ihre Jobs. Der Strukturwandel und das Ende der Braunkohle werden greifbar.

Kühltürme eines Braunkohlekraftwerkes
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Das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs hat am frühen Abend einen seiner sechs Blöcke dauerhaft vom Netz genommen. Block F wird zunächst nur noch in Reserve gehalten und soll in vier Jahren endgültig stillgelegt werden. Es ist das erste Mal, dass das Lausitzer Revier von der Regelung im Energiewirtschaftsgesetz betroffen ist.

Menschen rund um Tagebau und Kraftwerk fürchten um Jobs

Das Gesetz versucht den Spagat zwischen Energiesicherheit im Notfall und zugleich Klimaschutz durch weniger Kohlendioxidausstoß. In einem Jahr soll Block E in Jänschwalde folgen. Damit werden die Energiewende und der anstehende Strukturwandel in Lausitz greifbar.

Die Bergleute sehen die Abschaltung skeptisch und haben Angst um ihre Jobs und um die Zukunft ihrer Familien in der strukturschwachen Lausitz. Vor der Netztrennung des ersten Blocks haben sie am Sonntagnachmittag gemeinsam mit Kraftwerksmitarbeitern in Cottbus vor der Stadthalle protestieren. Nach Gewerkschaftsangaben fallen Hunderte Jobs weg. Auch Politiker waren nach Cottbus gekommen, darunter Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke. Vorab sprach SPD-Politiker Woidke von einem "Tag, der sehr schmerzt". Der Bund gibt den Kraftwerksbetreibern Ausgleichszahlungen für die Abschaltungen von Kraftwerksblöcken.

600 Energiearbeiter protestieren in Cottbus gegen die Abschaltung eines Blocks im Kraftwerk Jänschwalde
600 Energiearbeiter protestierten in Cottbus stellvertretend für den Wegfall von 600 Arbeitsplätzen im Kraftwerk. Bildrechte: MDR/Rico Herkner

Die Bezirksleiterin Cottbus der Industriegewerkschaft IGBCE, Ute Liebsch, betonte: "Dieser direkte Eingriff der Bundespolitik in ein funktionierendes Energieversorgungssystem wird allein bei der Leag 600 Arbeitsplätze im Kraftwerks- und Tagebaubereich kosten." Die Region verliere darüber hinaus etwa 900 weitere Jobs bei mittelständischen Betrieben, die als Zulieferer, Instandhalter und Service-Partner für das Energieunternehmen arbeiten. Betroffen sind auch Mitarbeiter aus Sachsen.

Klimaschützer fordern Komplettabschaltung

Die Klima-Allianz Deutschland und die Grüna Liga fordern gemeinsam die Komplettabschaltung des Kraftwerkes Jänschwalde. In einer Presseerklärung heißt es, ein Weiterbetrieb bedrohe etwa die Zukunft des Dorfes Proschim. Die Leag plane weiterhin massive Kohlelieferungen aus dem Tagebau Welzow-Süd ins Kraftwerk. Zugleich kritisierten die Klimaschützer die vergütete Sicherheitsreserve wie jetzt bei den Blöcken E und F. Die Gelder des Bundes seien jedoch kein geeignetes Konzept für den weiteren Kohleausstieg. Steuermillionen gehörten nicht in die Taschen der Kraftwerksbetreiber, sondern müssten in die Strukturentwicklung investiert werden, hieß es.

Bundesweit mehrere Kohlekraftwerke betroffen

Bis zu 12,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid sollen durch die Netztrennung von Kraftwerksblöcken bis zum Jahr 2020 in Deutschland eingespart werden. Zum 1. Oktober gehen auch zwei Kraftwerksblöcke in Nordrhein-Westfalen in die Reserve. Bereits in der Sicherheitsbereitschaft sind das Kraftwerk Buschhaus in Niedersachsen sowie zwei Blöcke des RWE-Kraftwerks Frimmersdorf bei Mönchengladbach.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.09.2018 | 09:00 Uhr in den landesweiten Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL| 30.09.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 30. September 2018, 19:51 Uhr

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13 Kommentare

02.10.2018 18:25 Eulenspiegel 13

Hallo Egon
Wenn sie sich mit den Dingen die ich oben nur angedeutet habe auseinandergesetzt haben dann sollten sie eigentlich begriffen haben das wir z.Z. in einer Übergangsphase sind. Die Stromerzeugung durch Kohle ist ein Auslaufmodell. Wir sind dabei unsere Energieerzeugung total neu zu organisieren. Nicht nur in Deutschland oder in Europa nein auf der ganzen Erde. Als Beweis dafür: Weltweit wird nur allein in der Windenergie deutlich mehr Investiert als in Kohle und Kernenergie zusammen. Und die Windenergie ist nur einer der 4 Pfeiler der regenerativen Energie.

02.10.2018 18:04 Eulenspiegel 12

Gaskraftwerke sind deutlich Umweltfreundlicher und lassen sich wesentlich leichter und unproblematischer steuern. Und die Gaskraftwerke liegen still.
Weiter müsste im nächsten Jahr das Unterseekabel nach Norwegen in Betrieb gehen. Norwegen erzeugt 95 % seines Stromes aus Wasserkraft. Darum steht uns dann mit diesem Unterseekabel eine sehr große Kapazität an Wasserspeicherkraftwerken.
Ja und dann gibt es ja euch noch das Projekt „Power-tot-Gas“
„Der Begriff Power-tot-Gas steht für ein Konzept, bei dem überschüssiger Strom dazu verwendet wird, per Wasserelektrolyse Wasserstoff zu produzieren und bei Bedarf in einem zweiten Schritt unter Verwendung von Kohlenstoffdioxid (CO2) in synthetisches Methan umzuwandeln. Als Speicher für dieses Methan und bis zu einem gewissen Volumenanteil auch des elementaren Wasserstoffs könnte die bestehende Erdgasinfrastruktur, also das Gasnetz mit den angeschlossenen Untertagespeichern, verwendet werden.“

02.10.2018 17:37 Eulenspiegel 11

„Diese waren übrigens vor der EEG-Einführung wesentlich wirtschaftlicher, weil sie planbar nach Bedarf der Abnehmer Strom erzeugt haben und diesen entsprechend bezahlt bekamen.“
Aber sie wissen schon das Kohlestrom und Atomenergie schon immer vom Steuerzahlender subventioniert wurde. Darum ist auch das EEG eine Fehlplanung. Denn Kohlestrom und Kernenergie werden mit Steuermitteln subventioniert während für die erneuerbaren Energieträger vom Verbraucher Extrazahlungen geholt werden.
„Heute müssen(!) sie Lückenbüßer spielen bei gleichen Fixkosten, d.h. weniger Gesamtstromerdzeug, aber mal Volllast mal runter fahren, erhöhter Verschleiß“
Genau da für sind ja Gaskraftwerke viel besser geeignet. Sie sind deutlich Umweltfreundlicher und lassen sich wesentlich leichter und unproblematischer steuern. Und die Gaskraftwerke liegen still.

02.10.2018 14:30 Egon @ Mediator 10

Noch eine Frage an Sie. Welche ist den die Branche der Zukunft, wo die arbeitslosen Braunkohlearbeiter arbeiten können? Sovello, Solar Millenium, Solarworld, Solon, Q-Cells? Wenn das die ökonomische Zukunft ist, warum sind die alle pleite? „Laut Bundeswirtschaftsministeriums hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in der Photovoltaikbranche in Deutschland zwischen 2012 und 2013 von 100.300 auf rund 56.000 halbiert. Die Solarbranche macht dafür überzogene Förderkürzungen verantwortlich.“ D.h. trotz riesiger Fördersummen von (hunderten?) Milliarden € durch das EEG, geht die Solarindustrie den Bach runter. Und z.B. Enercon (Windkraftanlagen) baut auch kräftig Arbeitsplätze ab. Fazit: Das EEG vernichtet die Arbeitsplätze der konventionellen Energieerzeugung, die Arbeitsplätze der Zukunftstechnologien gehen auch wieder flöten und dafür hat sich Strompreis für die Verbraucher verdoppelt. Echt toll!

02.10.2018 14:28 Egon @ Mediator 9

Und die Erzeugerkosten pro kWh der „Erneuerbaren“ sind reichlich unseriös, oder um Ihre Vokabel aufzugreifen, Stammtischsprüche. Denn die Windmüller & Co lassen ganz „selbstlos“ die Kosten für den Lückfüllerstrom in ihrer Rechnung außen vor. Der wirkliche Preis für diesen „regenerativen“ Strom würde/wird erst dann sichtbar, wenn deren Erzeuger, nach Bedarf der Kunden Grundlaststrom liefern würden, 24h/Tag, 365Tage/Jahr. Dann müssen Stromspeicher (die die gleiche Strommenge, notfalls auch über Tage der Flaute, liefern können) oder z.B. Dieselaggregate (mit min. gleicher Leistung) o.ä., eingerechnet werden. Kurz gesagt: „Erneuerbare“ müssen immer noch zweites Kratftwerk zur Seite haben und nutzen, um kontinuierlich Strom liefern zu können und sind deshalb vollkommen unwirtschaftlich.

02.10.2018 14:27 Egon @ Mediator 8

Ihre Einlassungen sind eine reine Milchmädchenrechnung. Strom ist in „D“ ausreichend vorhanden? Durch Wind- und Solarstrom? Ist wohl mal an einem Tag kurz vorgekommen, als zufällig eine gute Wetterlage diese Zufallsstromerzeuger „fütterte“. Aber täglich geht die Sonne wieder unter und der Wind hört auch mal wieder auf. Wo kommt dann Ihr postulierter „ausreichend vorhandener Strom“ her? Aus den Kohle-, Atom- und anderen grundlastfähigen Kraftwerken! Diese waren übrigens vor der EEG-Einführung wesentlich wirtschaftlicher, weil sie planbar nach Bedarf der Abnehmer Strom erzeugt haben und diesen entsprechend bezahlt bekamen. Heute müssen(!) sie Lückenbüßer spielen bei gleichen Fixkosten, d.h. weniger Gesamtstromerzeug, aber mal Volllast mal runter fahren, erhöhter Verschleiß, ergo steigt der Preis pro kWh. Das sind allerdings keine ökonomischen Gründe sondern Politische!

01.10.2018 18:19 Mediator 7

Grundsätzlich kann ich jeden Betroffenen verstehen, der durch eine solche Maßnahme seinen Arbeitsplatz verliert. Dennoch kann man solche Arbeitsplätze nicht bis in alle Zukunft wieder jede ökonomische und ökologische Vernunft halten. Solange ein Betrieb läuft braucht man übrigens auch immer junge Arbeitskräfte, die sich dann ebenfalls eine Zukunft in diesem Betrieb erhoffen.

Ich kann mir einen schlechteren Zeitpunkt vorstellen als Facharbeiter aus einer dem Untergang geweihten Branche in eine Branche mit Zukunft zu wechseln.

Strom ist in Deutschland übrigens ausreichend vorhanden. Seit ungefähr 2002 exportieren wir mehr Strom als wir von unseren Nachbarn beziehen. Seit 2012 ist dieser Export sogar rassant angestiegen. Die Behauptung, dass bei schrittweiser Verringerung der Beaunkohleverstromung bei uns die Lichter ausgehen, ist durch nichts zu belegen.
Stammtischsprüche brechen ja meist beim ersten Faktencheck in sich zusammen.

01.10.2018 14:48 Thomas 6

Ansonsten bin ich dafür, nicht die Konzerne zu entschädigen, sondern deren Beschäftigte und sich dann zu kümmern, dass die mit ihrer Erfahrung gerade im EEE-Sektor unterkommen.

01.10.2018 14:46 Thomas 5

@Rennstsädter

Janeisklar, vor allem weil Frankreich im WInter mit seinem chronisch überlasteten Netz im Winter noch mehr Strom zukaufen und importieren muss als im Sommer dank vieler E-Heizungen in privaten Wohnungen. Wie lange ist das her, als dort trotzdem Strom- und Verbrauchssperren in der kalten Jahreszeit angekündigt wurden? Nach Polen wird fast nur exportiert, von Tschechien wurde bereits Strom bezogen, als das Wort Klimawende manche noch gar nicht buchstabieren konnten.
Die Menge liegt weit unter dem Stromüberschuss, der in D seit Jahren und trotz oder besser genau wegen der Erneuerbaren besteht. Dank derer hat er nämlich sogar zugenommen.

Das ganze Geschiebe mit Import/Export am Strommarkt hat mehr mit CO²-Zertifikaten und dergleichen zu tun als der Notwendigkeit, weil Strom nicht ausreichend vorhanden wäre...

Null Ahnung, aber viel Meinung und wen jucken da schon Fakten bei solcherlei Geschwätz - OMG.

01.10.2018 06:47 Rennstädter 4

Hier wurde gefragt wo wir im Winter und bei Windstille den Strom her? Ist doch ganz einfach von den Atomkraftwerken der Franzosen und von den Kraftwerken der Polen und Tschechen, Hauptsache wir retten das Klima. 1990/91 war ich in der Brikettfabrik Witznitz, diese wurde über die Feiertage zum Jahreswechsel angehalten um die letzte Ausbaustufe der neuen Filteranlage in Betrieb zunehmen. Während des Wiederanfahrens, noch bevor die Filter Betriebstemperatur hatten klingelten zichmal die Telefone — „Eure Fabrik geht schwarz!“. Jedesmal Leute die dafür bekannt waren das sie die Kohlrindustrie am liebsten auf den Mond geschossen hätten. Die Bf Witznitz kann man links von der A72 Ortsausgang Borna sehen, heute Stillgelegt.
Alle die über die Stilllegung des Kraftwerksblockes jubeln sollten mal nachdenken womit die Energienetze gesteuert werden sollen?

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