Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
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22.05.2019 | 14:45 Uhr Abschuss von Wölfen soll erleichtert werden

Sachsen gehört zu den Bundesländern mit den größten Wolfspopulationen. Immer wieder sorgen Wölfe und deren Angriffe auf Tierherden für große Diskussionen. Jetzt will die Bundesregierung die Kriterien für den Abschuss der streng geschützten Tiere lockern. Der Spielraum für die Erlaubnis sogenannter Entnahmen soll größer werden. Nun muss der Bundestag darüber entscheiden.

Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
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Der Abschuss von Wölfen soll in Zukunft erleichert werden. Darauf hat sich die Bundesregierung in einem Gesetzesentwurf zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes geeinigt. Demnach sollen Wölfe künftig schon dann abgeschossen werden können, wenn "ernste Schäden" für Nutztierhalter drohen oder entstehen. Bisher ist ein Abschuss nur erlaubt, wenn die Belastung durch den Wolf "unzumutbar" oder "existenzgefährdend" ist. Den Abschuss muss in jedem Fall die zuständige Landesbehörde genehmigen. Diese soll einen gewissen Ermessensspielraum haben. Ob die geplante Gesetzesänderung umgesetzt wird, muss jetzt der Bundestag entscheiden.

Umweltminister Schmidt: Entwurf geht nicht weit genug

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) gehen die geplanten Änderungen nicht weit genug. "Wenn es notwendig ist, dann muss es auch möglich sein, einzelne Wölfe aus der Natur zu entnehmen, ohne dass diese bereits Nutztiere gerissen haben oder gefährlich für den Menschen geworden sind." Die Möglichkeiten, die die EU-Regelungen böten, würden nicht vollständig ausgenutzt, sagte Schmidt am Mittwoch in Dresden.

Bautzens Landrat Harig sind Hürden immer noch zu hoch

Michael Harig
Michael Harig, Landrat im Landkreis Bautzen Bildrechte: IMAGO

Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen hält die geplanten Änderungen ebenfalls für nicht ausreichend. "Es ist noch nicht das, was ich mir hätte vorstellen können oder wollen, weil die Hürden immer noch sehr hoch sind, den Wolf zu regulieren", erklärte er MDR SACHSEN. "Es geht mir hier nicht gegen den Artenschutz. Ich denke, dass der Artenschutz wichtig ist, auch der des Wolfes."

Es geht darum, den Wolf regulär bejagen zu können, um dann letztlich die Konflikte zwischen Nutztierhaltung und Artenschutz zu minimieren.

Michael Harig Landrat Landkreis Bautzen

Landrat Harig ist selbst Tierhalter. Zusammen mit seiner Frau hält er eine Herde Schafe mit 20 Tieren.

BUND Sachsen kritisiert Vorlage als "Aufweichung des Artenschutzes"

Der BUND Sachsen kritisiert die geplante Gesetzesänderung als "Aufweichung des Artenschutzrechtes". Viel besser sei es, Weidetierhalter schnell und unbürokratisch zu unterstützen.

Sachsen mit hoher Wolfspopulation

Der ehemals ausgerottete Wolf breitet sich in Deutschland seit Jahren wieder aus: Im Jahr 2000 wurden in Sachsen erstmals wieder freilebende Wolfswelpen geboren. Bis heute ist Sachsen ein Bundesland mit einer der größten Wolfspopulationen, ebenso wie Brandenburg und Niedersachsen. Nach Angaben des Lupus-Instituts haben von Mai 2017 bis April 2018 insgesamt 18 Wolfsrudel in Sachsen gelebt.

Mindestens 37 illegale Wolfstötungen

Nach offiziellen Angaben lebten in Deutschland im Monitoringjahr 2017/18 insgesamt 73 Rudel, 30 Paare und drei Einzeltiere. In 56 Rudeln wurden 218 Welpen bestätigt. Da gerade bei den Jungtieren aber die Sterblichkeit hoch ist, wird im Bundesumweltministerium von einer Gesamtzahl von nicht mehr als etwa 400 Tieren ausgegangen. Angaben des Deutschen Jagdverbands, in denen von mehr als tausend Wölfen in Deutschland und einem jährlichen Zuwachs von rund 30 Prozent die Rede ist, hält das Ministerium für weit überhöht. Seit dem Jahr 2000 wurden rund 350 Wölfe tot aufgefunden, die meisten starben bei Verkehrsunfällen. Mindestens 37 Tiere wurden aber auch illegal getötet, wobei Experten hier von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen.

Quelle: MDR/AFP/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.05.2019 | ab 11:00 Uhr in den Nachrichten

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