Covid-19 "Ach du Schande! Was machen wir jetzt?" – Eine Großfamilie in Quarantäne

Covid-19 ist eine Krankheit, die sehr unterschiedlich verläuft: Manche haben nur eine Erkältung oder gar keine Symptome, andere trifft es schwer. Auf MDR SACHSEN berichten Menschen aus der Region von ihren Erfahrungen mit der Krankheit und den damit verbundenen Einschränkungen. Aus dem Alltag in Corona-Isolation berichtet eine Mutter aus Haselbachtal. Ihr 13 Jahre alter Sohn bekam Covid-19. In der Folge musste die gesamte sechsköpfige Familie eine zweiwöchige Quarantäne antreten.

Die Eltern mit ihren drei Söhnen und der jüngsten Tochter bei der Einschulungsfeier.
Familie Förster bei der Einschulung in diesem Sommer. Bildrechte: Familie Förster

Am Freitag, dem 13. November, erfährt Peggy Förster, dass ihr ältester Sohn Covid-19 hat. Einen Tag zuvor war sie mit dem 13-Jährigen beim Hausarzt. "Ihm ging es nicht gut, er war kränklich". Weil bei der Untersuchung der Rachen auffällig war, wurde ein Abstrich gemacht. Die Bestätigung der Covid-19-Erkrankung des Teenagers bedeutete für die gesamte sechsköpfige Familie: Quarantäne.

"Ach du Schande! Was machen wir jetzt?", war Peggy Försters erster Gedanke. Dann rief sie bei der Schule an, damit die mittleren Jungs nach Hause kommen, und holte ihre zweijährige Tochter aus der Kita ab. Auch ihr Mann musste heimkommen. Sie als Mechatronikerin und er als Maschinen- und Anlagenführer -  da sei Homeoffice keine Alternative, erklärt die 31-Jährige.

Zwei Wochen nur in der Wohnung

Zum Glück hatten sich die Geschwister nicht bei ihrem Bruder angesteckt. Diese Möglichkeit trieb die Mutter in den ersten Tagen um. Als dann die anderen Coronatests negativ ausfielen, atmete die Haselbachtalerin auf. Und auch ihr Großer zeigte nur leichte Erkältungssymptome. "Er hat nicht flach gelegen." Den für Covid-19 typischen Geschmacks- und Geruchsverlust habe er aber immer noch, sagt die Mutter.

Die große Herausforderung war und ist jedoch die vom Gesundheitsamt angeordnete Quarantäne. Die Großfamilie darf zwei Wochen lang das Zuhause nicht verlassen. Das ist eine Vier-Zimmer-Wohnung mit kleinem Balkon. Zunächst stellte sich Peggy Förster die Frage, wie sie jetzt an die grundlegenden Dinge - wie genug zu Essen - für ihre Familie kommt. Für einen Sechs-Personen-Haushalt muss einiges eingekauft werden und auch der Müll lässt sich nicht einfach zwei Wochen lang mal locker in der Küche stapeln.

Wenn man eine gute Familie und Nachbarschaft hat, dann klappt das schon.

Peggy Förster Mutter von vier Kindern

Hier sind die Schwiegereltern eingesprungen. Sie haben die Einkäufe gemacht, vor die Tür gestellt und den Müll gleich mitgenommen. Auch ein Cousin und die Nachbarn halfen aus. "Das haben wir alles schnell organisiert bekommen", sagt Peggy Förster. Gerade erst habe sie einen Abholservice beim Supermarkt entdeckt. Sie wählt die Produkte im Internet aus und diese stehen dann abholfertig an der Kasse. "Das spart den Weg durch die Ladengänge."

Spielen und basteln gegen den Lagerkoller

Am schlimmsten an der ganzen Situation sei, die Wohnung nicht verlassen zu dürfen. Die Bewegung an der frischen Luft fehle der ganzen Familie, sagt Peggy Förster. "Wir haben es Lagerkoller getauft." Um diesem zu begegnen, wurde viel gespielt, gebastelt, und auch mal Filme geguckt. Die Jungs mussten natürlich weiter ihre Schulsachen machen. "Wir haben auch mal Fußball im Flur gespielt", verrät die Mutter. Selbstverständlich wurde auch viel telefoniert. "Wir genießen die Zeit mit den Kindern. Die hat man ja nicht so, wenn man arbeiten geht." Aber einfach sei die Isolierung nicht, sagt die Haselbachtalerin mit Nachdruck. Was am meisten nervt, ist, dass man nicht rauskommt.

Deshalb freuen sich jetzt allesamt auf dieses Wochenende. Denn dann ist die 14-tägige Quarantäne für die Försters ausgelaufen und es geht endlich wieder raus ins Freie.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.11.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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