Oberlausitz-Kliniken So erleben Soldaten aus Bayern ihren Einsatz im Krankenhaus Bautzen

Mehr als 500 Soldaten sind gerade in Sachsen im Corona-Einsatz. Sie helfen in Krankenhäusern, Heimen und Gesundheitsämtern aus. Seit Freitag gibt es auch in den Oberlausitz-Kliniken Unterstützung von der Bundeswehr. Hier liegen auf drei streng von den anderen Klinikbereichen isolierten Stationen mehr als 60 Patienten mit Covid-19.

Die Haupteingangstür des Bautzener Krankenhauses ist mit vielen Hinweisschildern wegen des Coronavirus versehen.
Am Haupteingang des Bautzener Krankenhauses weisen Schilder auf die Vorsichtsmaßnahmen und Regeln hin. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Fünf große rot-weiß gerahmte Aufkleber nehmen die Glasfläche am Haupteingang des Krankenhauses ein. Sie weisen auf die Sicherheitsvorkehrungen wegen des Coronavirus hin. Auf drei von den anderen Klinikbereichen isolierten Stationen werden derzeit an den Oberlausitzkliniken in Bautzen mehr als 60 Covid-19-Patienten behandelt. Eine Frau schaut zögernd ins Foyer, wo in Tarnfleck zwei Bundeswehrsoldaten hinter einem Tisch mit Desinfektionsspender stehen.

Ein Bundeswehrsoldat steht im Foyer des Krankenhauses in Bautzen.
Stabsunteroffizier Jan Schwarz steht am Empfang und kümmert sich darum, dass jeder, der ins Haus kommt, seine Hände desinfiziert und einen Mund-Nasen-Schutz trägt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"Ich möchte nur...", die Oberlausitzerin setzt neu an, "die Tochter wartet, die will mir was übergeben." "Joa, kein Problem, Sie können ruhig reinkommen, Sie müssen sich nur die Hände desinfizieren und dann können Sie gerne Platz nehmen", sagt Stabsunteroffizier Jan Schwarz.

"Oh. Sie habn nen scheenen Dialekt", freut sich die Frau, während sie auf den Spender drückt und das Desinfektionsmittel in ihren Händen verreibt.

Helfende Hände für das Personal

Aus dem bayrischen Pfreimd sind seit dem 20. November am Bautzener Krankenhaus 17 Soldaten des Versorgungsbataillons 4 eingesetzt. Die Uniform am Empfang bildet jedoch die Ausnahme. Sonst sind die Soldaten in der für Pfleger üblichen weißen Kleidung im Haus unterwegs. Sie sollen als sogenannte helfende Hände das Personal bei den zusätzlichen anfallenden Aufgaben jenseits der medizinischen Pflege entlasten.

Ein Soldat in Pflegerkleidung macht Kaffee für die Patienten.
Stabsunteroffizier Philipp Hartmann unterstützt die Schwestern und Krankenpfleger bei der Frühschicht auf der Geriatrie. Bildrechte: Bundeswehr/LKdoSN

Stabsunteroffizier Philipp Hartmann ist ab 6 Uhr auf der Geriatrie. Wegen der besonderen Hygienemaßnahmen ist der Berg an Arbeit für Personal in der ohnehin hektischen Frühschicht groß. Hier packt der Soldat mit an. Er bringt unter anderem den Senioren das Frühstück, desinfiziert Beistelltische und Handläufe, füllt Verbrauchsmaterialien auf den Zimmern wieder auf. "Man merkt schon, dass die Leute froh sind, dass jemand hier ist und sie unterstützt", sagt der 23-Jährige, für den die Arbeit in den Oberlausitz-Kliniken sein erster ziviler Einsatz ist.

Einsatz auf der Corona-Station

Bevor sein Kamerad Dominik Leuker zur Tat schreiten kann, muss er zwei Schleusen passieren und dabei einen Vollkörperschutz anlegen. Der 29-Jährige ist auf einer Infektionsstation mit Covid-19-Patienten eingesetzt und das Virus darf auf keinen Fall von hier nach außen getragen werden. Auf Station muss bei jedem Patientenwechsel Bett und Zimmer aufwendig gereinigt werden. Zu zweit benötige man für ein Zimmer circa anderthalb Stunden, berichtet der Soldat. "Da wird wirklich alles gemacht: Wände, Böden. Jeder Millimeter muss desinfiziert werden, mit verschiedenen Desinfektionsmitteln."

Der Soldat Dominik Leuker steht vor der Corona-Station im Bautzener Krankenhaus.
Der Bundeswehrsoldat Dominik Leuker arbeitet auf der Corona-Station. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Während der Arbeit wird es in der Schutzkleidung sehr warm, erzählt Leuker. Hinzu komme, dass die Zimmer, in denen geschwächte Covid-19-Patienten liegen, stark beheizt seien. Zu wissen, dass man auf einer kontaminierten Station arbeitet und die Patienten in ihren verschiedenen Zuständen zu sehen, habe bei ihm am Anfang für ein mulmiges Gefühl gesorgt. "Mir war es immer bewusst, Corona ist eine schlimme Sache, aber das, was man hier sieht, ist schon was Eigenes", sagt der Soldat. Mittlerweile hat sich Leuker gut eingearbeitet. Auch sein Bild von der Arbeit im Krankenhaus hat sich verändert. "Was hier geleistet wird, ist der Wahnsinn."

Zehn schwere Covid-19-Verläufe auf der ITS

Nach Einschätzung von Matthias Linke, Chefarzt in der Intensivklinik von Bautzens Krankenhaus, verlaufen nur fünf Prozent aller Coronainfektionen schwer. Doch diese Fälle machen den Kliniken zu schaffen. " Wir kämpfen im Wesentlichen mit den Schäden an lebenswichtigen Organen, die durch das Virus ausgelöst werden, können aber im Moment nicht ausreichend gut das Virus selbst bekämpfen. Das schränkt unsere Therapie-Optionen ein", sagt der Mediziner. Diese Situation sei für die Mitarbeiter auch ziemlich frustrierend, den Patienten in diesem Fall nicht so gut helfen zu können.

Zwei Bundeswehrsoldaten in Pflegerkleidung sprechen sich auf dem Gang einer Krankenhausstation in Bautzen ab.
Aktuell helfen an neun Krankenhäusern in Sachsen Bundeswehrsoldaten aus. Bildrechte: Bundeswehr/LKdoSN

Bautzens zwei Corona-Infektionsstationen sind laut Linke voll. Hinzu kommen zehn Schwerstkranke auf der Intensivstation, die teils im künstlichen Koma liegen und beatmet werden müssen. Inzwischen müssen Patienten auch in andere Kliniken wie nach Dresden verlegt werden.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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