Schattenbild zeigt Hände von Leuten, die auf eine Frau mit den Finger zeigen.
Diskriminierung ist für Juden in der Ukraine bis heute Alltag. Bildrechte: Colourbox.de

Projekttag für Demokratie und Toleranz Bautzener Gymnasiasten und das Schicksal der Juden in der Ukraine

Knapp 220.000 Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion kamen seit 1991 nach Deutschland. Für Gymnasiasten aus Bautzen ein unbekanntes Thema, mit dem sie sich im Rahmen eines Projekttages beschäftigt haben. Sie trafen Frauen und Männer, die Diskriminierung und Antisemitismus in der UdSSR und später in der Ukraine erlebt haben. Die Zeitzeugen erzählten von ihrem Schicksal. Sie waren aber auch neugierig auf das Leben der Jugendlichen.

Schattenbild zeigt Hände von Leuten, die auf eine Frau mit den Finger zeigen.
Diskriminierung ist für Juden in der Ukraine bis heute Alltag. Bildrechte: Colourbox.de

Da war Svetlanas Onkel Jankel - Männer der Waffen-SS hatten ihn anstelle eines Pferdes vor einen Wagen gespannt und ließen ihn eine schwere Ladung ziehen. Als ihm die Kraft ausging, schossen sie so lange auf ihn, bis er tot liegenblieb. Svetlana Vinnyk kennt Gräuel-Geschichten wie diese aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nur aus Erzählungen. 1944 in Sibirien geboren und aufgewachsen im südukrainischen Nikolajew ist ihr Diskriminierung aber alles andere als fremd. Auch als die Nazis besiegt waren, wurden Svetlana und ihre Familie angelehnt. Denn sie waren Juden.

Wie sich das anfühlt, wenn Antisemitismus zum Alltag gehört, wenn die Gräber der Vorfahren zerstört werden, weil es jüdische Gräber sind, wenn die Unsicherheit Teil des Lebens ist, das erzählte die Ukrainerin am 12. Februar Schülern in Bautzen. Dort fand ein Projekttag zu Demokratie und Toleranz statt. Rund 600 Schüler haben sich in 30 Projekten mit diesen beiden Themen beschäftigt, wie Schulleiter Karsten Vogt erzählte. Während die einen beispielsweise mit Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens über Kommunalpolitik sprachen, kamen andere mit jüdischen Männern und Frauen wie Svetlana zusammen, die seit den 1990-er Jahren von der Ukraine nach Deutschland übergesiedelt sind.

Juden bekamen keinen Termin beim Arzt

Zwei Frauen, Svetlana Vinnyk (rechts) und Ludmila (links), Jüdinnen aus der Ukraine, sprechen mit einer Schülerin.
Die Jüdin Svetlana Vinnyk aus der Ukraine (rechts) erzählt einer Schülerin ihre Lebensgeschichte. Eine Dolmetscherin übersetzt. Bildrechte: MDR Irmela Hennig

Sieben Zeitzeugen gaben den jungen Leuten Einblick in ihr Leben, das von Antisemitismus bestimmt war. Weder in der Sowjetunion, noch nach der Revolution in der wieder unabhängigen Ukraine ging es den Juden gut. "Sie bekamen keinen Termin beim Arzt, sie wurden im Laden nicht bedient, ihre Kinder durften weiterführende Schulen nicht besuchen", erzählte Elke Preußer-Franke den Gymnasiasten. Die Pädagogin ist Vorsitzende des Jüdischen Frauenvereins Dresden. Der betreut Menschen, die als sogenannte Kontingentflüchtlinge seit den 1990-er Jahren nach Deutschland gekommen sind. Damit gemeint sind knapp 220.000 Juden aus dem Gebiet der ehemaligen UdSSR, denen per Gesetz die Einwanderung in die Bundesrepublik erlaubt wurde. "Diese Menschen haben uns über ihr Schicksal berichtet. Und wir wollen diese Erfahrung an andere weitergeben", sagte Elke Preußer-Franke. Deswegen hat der Verein in einer Ausstellung die Lebensgeschichten von 30 Zeitzeugen in Texten und Bildern aufgearbeitet. Außerdem geht er mit den Betroffenen in Schulen und zu Veranstaltungen. Dort machen die Juden aus der Ukraine deutlich, dass sie auch in Deutschland mitunter abgelehnt werden. "Meine Tochter wurde gemobbt, weil sie in der Schule gesagt hat, dass sie Jüdin ist. Die Lehrer haben ihr nicht geholfen", erzählte Ludmila, die seit 2005 in Dresden lebt. Elke Preußer-Franke geht es bei den Schulbesuchen auch darum, den Jugendlichen klar zu machen: "Demokratie ist kein Naturgesetz, auf das ihr per Geburt ein Anrecht habt. Eine Diktatur wie die von 1933 kann jederzeit wiederkommen."

Gymnasiastin Flora aus Bautzen ist überzeugt, dass sie heute mehr Freiheiten hat als ihre Eltern und Großeltern in der DDR. "Ich denke aber nicht, dass wir in Deutschland schon so weit sind, dass wir um die Demokratie kämpfen müssen", sagte die 16-Jährige. Für sie war das Gespräch mit den Zeitzeugen eine wichtige Sache. Und sie möchte gern mehr über das Schicksal von Juden erfahren. Im Unterricht werde das nur knapp behandelt, wie die Schülerin sagte.
Nicht nur die Gymnasiasten waren interessiert am Schicksal der Ukrainer. Die Gäste aus Dresden wollten auch etwas über das Leben der Jugendlichen wissen: wie sie leben, ob sie reisen, welche Berufswünsche sie haben? Und darüber, ob sie die Freiheit und Demokratie, in der sie leben, zu schätzen wissen?

Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN - Das Sachsenradio MDR | 12.02.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 17:44 Uhr

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3 Kommentare

13.02.2019 15:09 MuellerF 3

@1: Die mediale Erwähnung / Dokumentation von Antisemitismus in diesem oder jenem Land damals oder heute ist doch keine PAUSCHALE Beurteilung der jeweiligen Gesamtbevölkerung dieser Länder als Antisemiten! Dagegen liest sich Ihr Kommentar eher wie eine pauschale Entlastung aller Ukrainer, die einfach so nicht richtig ist, wie die Erlebnisse der Zeitzeugen im Artikel belegen! Antisemitismus war & ist keine Eigenschaft ganzer Völker (das behauptet der Artikel aber auch nicht), sondern immer von Individuen oder von solchen organisierten Gruppen.

13.02.2019 06:42 CDU Wählerin 2

>> die als sogenannte Kontingentflüchtlinge seit den 1990-er Jahren nach Deutschland gekommen sind <<

könnten unsere seit 2015 aufgenommenen mit gleichem Status legalisieren und vor rechtsextremen Fremdenhass schützen

13.02.2019 00:12 Ukrainer 1

Ich komme aus Kiew und ich würde sagen, dass dieser Artikel komplett falsch ist. Totaler Quatsch, der deutsche Vorurteile über Osteuropäer bedienen sollte.

Juden in der Ukraine sowohl in UdSSR als auch jetzt sind sozial sehr gut aufgehoben, denn sie sorgen für gute Schulung ihrer Kinder.

Vielleicht könnte man über die Ausgrenzung irgendwo in Russland sprechen, aber bitte bitte nicht in der Ukraine! Unser Premierminister Groysman ist Jude, viele Kandidaten zur Präsidentenwahl sind auch Juden und werden gewählt (von Zelenski bis Rabinowitsch)!

Gerade Ukraine und Weißrussland waren die Ansiedlungsgebiete von Juden in Russischem Reich. Deshalb waren sie dort ein Teil des Alltages.

Dieser Artikel ist reine Beleidigung des ukrainischen Volkes und Verunglimpfung der Ukrainer als irgendwelche Rassisten, die Juden eine Arztbehandlung verweigern oder im Geschäft nicht bedienen. Was soll das???

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