Bürgerforum Erster Redeversuch in der gespaltenen Stadt Bautzen

Wie können Bürger trotz widerstreitender Interessen ordentlich miteinander umgehen? Darüber sollte am Freitag in Bautzen diskutiert werden. Danach bilanzierte der Oberbürgermeister: Diskutieren muss Bautzen noch üben.

Alle Plätze sind in der Maria-und-Martha-Kirche in Bautzen besetzt. Im Altarraum steht ein Tisch mit mehrerne Stühlen. Dort können Bautzner Bürger miteinander sprechen bei einer diskussionsveranstaltung am 8.2.2019..
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Lange war die Diskussionsrunde für Bautzen angekündigt worden. Am Freitag fand das Bürgerforum "Bautzen - wir müssen reden!" statt, zu dem die Landeszentrale für politische Bildung und die Stadt Bautzen eingeladen hatte. Offenbar hatten Hunderte Bautzner Geprächsbedarf nach dem Brand der Flüchtlingsunterkunft "Husarenhof", den Vorfällen auf dem Kornmarkt und all den Diskussionen zum Image der Stadt. Nachdem die 900 Plätze in der Maria-und-Martha-Kirche schnell besetzt waren, standen nach Angaben der Stadtverwaltung noch 400 Bautzner Schlange, die wieder nach Hause gehen mussten.

Angespannte Stimmung und Buhrufe im Kirchenschiff

Zwei Menschen, die mit ihren Meinungen über und in Bautzen mehrfach angeeckt und mit teils heftiger Kritik und Drohungen überschüttet worden sind, bekamen vor der Diskussion als erste das Wort für Impulsvorträge: Die Botschafterin für Toleranz und Demokratiepreisträgerin und Bloggerin Annalena Schmidt und der Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH, Jörg Drews, dem Kritiker Nähe zu Reichsbürgern vorwerfen. Dagegen wehrte sich Drews am Freitag. Die beiden standen als Personen für die beiden Pole der politischen Debatte in der Region. Danach konnten diejenigen, die ihr Meinung äußern wollten, an einem Tisch Platz nehmen und miteinander sprechen. Moderiert wurde das Ganze vom Historiker Dr. Justus H. Ulbricht.

Kritik an Diskussionskultur

Zwei Stunden lang hatten die Bautzner das Wort. Zuhörer kritisierten im Gespräch mit MDR SACHSEN die Art der Debatte. Für ihren Geschmack sei wenig Konstruktives am Ende des Abends herausgekommen. Zwar seien viele Diskutierende ihre Einzelmeinung los geworden, hätten aber zu viele, teils beleidigende Vorwürfe der Podiumsteilnehmerin und Bloggerin gemacht. Der Moderator musste mehrfach Zwischenrufen und die Zuhörer in den Kirchenbänken nach deren Gelächter und Buhrufen an die Diskussionsspielregeln erinnern. "Wir müssen ernsthaft streiten können, aber einander respektieren. Der Abend hat gezeigt, dass wir das noch etwas üben müssen", sagte denn auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens und stellte weitere Runden dieser Art in Aussicht.

Nach der Veranstaltung zog auch die Polizei Bautzen Bilanz: Der Abend sei ohne Zwischenfälle verlaufen. "Ein polizeiliches Einschreiten war zu keiner Zeit erforderlich", hieß es im Polizeibericht dazu.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2019, 12:19 Uhr

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