Der mehrfache Deutsche Meister im Dumperfahren gibt Gas: Mit der Bestzeit von 2:07:92 min holt sich Filip Krahl den Sieg in Storcha.
Der mehrfache Deutsche Meister im Dumperfahren gibt Gas: Mit der Bestzeit von 2:07:92 min holt sich Filip Krahl den Sieg in Storcha. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

14.07.2019 | 18:48 Uhr Meisterschaft im Dumperfahren: Titelverteidiger baut Vorsprung aus

In Storcha gingen am Wochenende wieder knapp 30 Rennfahrer auf getunten Baumaschinen ins Rennen. Aufgeweichter Boden und eine anspruchsvolle Streckenführung sorgten für Herausforderungen. Letztlich aber wurde der Meister der Vorjahre seiner Favoritenrolle gerecht.

Der mehrfache Deutsche Meister im Dumperfahren gibt Gas: Mit der Bestzeit von 2:07:92 min holt sich Filip Krahl den Sieg in Storcha.
Der mehrfache Deutsche Meister im Dumperfahren gibt Gas: Mit der Bestzeit von 2:07:92 min holt sich Filip Krahl den Sieg in Storcha. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Schon von Weitem ist das laute Knattern zu hören. An der Dorfstraße parken unzählige Autos. Dunkle Abgaswolken wehen über den letzten Hof des Ortes. Im Oberlausitzer Dorf Storcha war am Sonnabend wieder Dumperrennen. Die Rennmaschinen, die von Motorsport-Enthusiasten dabei über die Piste gejagt werden, haben zu DDR-Zeiten auf vielen Baustellen als Muldenkipper gedient. Für den dritten Wertungslauf zur Deutschen Meisterschaft hat Familie Donat auf ihrem Hof eine Rennstrecke präpariert. "Dieses Jahr haben wir noch mehr Schikanen reingebaut, damit es für die Zuschauer noch ansehnlicher und die Fahrer noch anstrengender wird", sagt Markus Donat und lächelt spitzbübisch. Zwei Steilkurven sollen für zusätzlichen Schauwert sorgen. Außerdem bietet ein Reifenstapel, den die Rennfahrer eng umkreisen müssen, neue Herausforderungen. "Der Kreisel ist sehr speziell", räumt Donat ein. "Das habe ich beim Fahren auch gemerkt, dass ich da hängen geblieben bin."

Ein Wettbewerb geboren aus einer Schnapsidee

Zum siebten Mal schon richten Markus und Thomas Donat ein Dumperrennen auf ihrem Hof aus. "Wir haben das Rennen aus Koselitz übernommen", erzählt Markus Donat. Dort hatte einst alles mit einer Schnapsidee begonnen. Mit einer Dumper-Wettfahrt wollten die Koselitzer ihr Heimatfest bereichern. 1995 fuhren dort die ersten Dumper um die Wette. Bald wurde eine Rennserie daraus. In fünf Wettbewerben fahren inzwischen Dumperlenker aus ganz Ostdeutschland um die Deutsche Meisterschaft.

29 Starter sind am Wochenende in Storcha dabei. In einem Qualifying ermitteln sie am Sonnabendmittag zunächst die Startreihenfolge fürs Rennen. Wer beim Qualifikationslauf die beste Zeit fährt, startet als letzter ins Rennen. Je mehr Fahrer über die Piste aus Erde, Schotter und Betonplatten donnern, umso mehr wird der Untergrund zerpflügt. Im Kreisel bilden sich tiefe Furchen. Der Schotter liegt lose in der Spitzkehre. Das macht es für die letzten Fahrer anspruchsvoller. "Das wird immer spektakulärer. Das wird immer schneller", schildert Markus Donat. Und er bekommt das selbst zu spüren. Im Qualifying war der 28-Jährige noch die zweitbeste Zeit gefahren. Im Rennen wird ihm der Kreisel zum Verhängnis: "Da hat es mir das Hinterrad ein bisschen weggezogen. Da war es vorbei", berichtet Donat.

Die Rennstrecke befindet sich auf dem Hof von Familie Donat. Markus und Thomas Donat nutzen die Piste ganzjährig zum Training. Solchen Luxus haben nicht alle Rennfahrer. Etliche Teams haben keine Rennstrecke vor der Haustür. 2 min
Die Rennstrecke befindet sich auf dem Hof von Familie Donat. Markus und Thomas Donat nutzen die Piste ganzjährig zum Training. Solchen Luxus haben nicht alle Rennfahrer. Etliche Teams haben keine Rennstrecke vor der Haustür. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Eine Frau gegen 28 Männer

Vivien Michel ist aus Woffleben bei Nordhausen angereist. Die 23-Jährige ist die einzige Frau im Wettbewerb. Ihr flößen vor Rennbeginn vor allem die Steilkurven auf der Piste Respekt ein. "Die waren dann aber gar nicht so schlimm", berichtet die Thüringerin hinterher. "Ich lege es nicht so sehr auf die Geschwindigkeit an. Ich versuche eher, fehlerfrei durchzukommen", sagt sie zu ihrer Taktik. Denn touchiert die Rennfahrerin mit ihrem Gefährt die Streckenbegrenzung wird von ihrer Rundenzeit eine Strafsekunde abgezogen. Die zwei zu fahrenden Runden ohne Abzug zu schaffen, ist beim Affenzahn, mit dem die Rennteilnehmer durch die engen Kurven düsen, ein Kunststück.

Michel meistert diese Herausforderung gut. Hastig wechselt ihr Fuß zwischen Gas und Bremse. Diese Bewegung fällt auf. Stecken ihre Füße doch in rosa Gummistiefeln. "Es heißt, beim Rennen sind feste Schuhe zu tragen. Als einzige Frau wollte ich da ein Zeichen setzen", erklärt Vivien Michel und lacht. Dann fügt sie hinzu: "Ich will beweisen, dass Frauen das auch können." Mit ihrer Mannschaft "Dumperteam Ost" reisen zwar einige Frauen mit zu den Austragungsorten der Dumpermeisterschaft. Auf die Rennstrecke trauen die sich im Gegensatz zu Vivien Michel aber nicht.

Deutsche Dumpermeisterschaft in Storcha

28 Männer und eine Frau kämpften am Wochenende auf anspruchsvoller Piste um Bestzeiten im Dumperfahren. Am Ende hatte der Titelverteidiger die Nase vorn.

Bietet den Männern Paroli: Vivien Michel ist die einzige Frau im Wettbewerb.
Bietet den Männern Paroli: Vivien Michel ist die einzige Frau im Wettbewerb. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Bietet den Männern Paroli: Vivien Michel ist die einzige Frau im Wettbewerb.
Bietet den Männern Paroli: Vivien Michel ist die einzige Frau im Wettbewerb. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Die Rennstrecke befindet sich auf dem Hof von Familie Donat. Markus und Thomas Donat nutzen die Piste ganzjährig zum Training. Solchen Luxus haben nicht alle Rennfahrer. Etliche Teams haben keine Rennstrecke vor der Haustür.
Die Rennstrecke befindet sich auf dem Hof von Familie Donat. Markus und Thomas Donat nutzen die Piste ganzjährig zum Training. Solchen Luxus haben nicht alle Rennfahrer. Etliche Teams haben keine Rennstrecke vor der Haustür. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Volle Konzentration vor dem Startsignal: Martin Fuchs vom Dumperclub Lehndorf löst jeden Moment die Handbremse um mit Vollgas auf die Piste zu starten.
Volle Konzentration vor dem Startsignal: Martin Fuchs vom Dumperclub Lehndorf löst jeden Moment die Handbremse um mit Vollgas auf die Piste zu starten. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Dass Thomas Donat die Strecke besser kennt als viele andere Fahrer macht sich am Samstag nicht bezahlt. Der Hausherr fährt auf Platz 20.
Dass Thomas Donat die Strecke besser kennt als viele andere Fahrer macht sich am Samstag nicht bezahlt. Der Hausherr fährt auf Platz 20. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Familie Donat hat auf ihrer Strecke ein paar neue Schikanen eingebaut, so etwa diese Steilkurve.
Familie Donat hat auf ihrer Strecke ein paar neue Schikanen eingebaut, so etwa diese Steilkurve. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
8,5 PS leistet der Dieselmotor im DDR-Muldenkipper. Im Originalzustand hat der Dumper drei Vorwärtsgänge, die ihn auf rund 20 km/h beschleunigen. Die Rennmaschinen nutzen zusätzlich den eigentlich gesperrten vierten Gang und kommen so auf bis zu 40 km/h.
8,5 PS leistet der Dieselmotor im DDR-Muldenkipper. Im Originalzustand hat der Dumper drei Vorwärtsgänge, die ihn auf rund 20 km/h beschleunigen. Die Rennmaschinen nutzen zusätzlich den eigentlich gesperrten vierten Gang und kommen so auf bis zu 40 km/h. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Maik Schurig hat es aus dem Kreisel geworfen. Um seinen Dumper wieder aufzurichten, braucht er Hilfe von Streckenposten. Der Kipper wiegt eine knappe Tonne.
Maik Schurig hat es aus dem Kreisel geworfen. Um seinen Dumper wieder aufzurichten, braucht er Hilfe von Streckenposten. Der Kipper wiegt eine knappe Tonne. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Frank Domsch gehört zu den erfahrensten Fahrern im Feld. Er ist mehrfacher Deutscher Meister. In Storcha fährt er auf Platz 3.
Frank Domsch gehört zu den erfahrensten Fahrern im Feld. Er ist mehrfacher Deutscher Meister. In Storcha fährt er auf Platz 3. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Keine Spur emmissionsarm: Die Dumper produzieren dunkle Abgaswolken und ohrenbetäubenden Lärm.
Keine Spur emmissionsarm: Die Dumper produzieren dunkle Abgaswolken und ohrenbetäubenden Lärm. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Zahlreiche Zuschauer sind nach Storcha gekommen, um den Rennfahrern beim Kampf um die beste Rundenzeit zuzusehen.
Zahlreiche Zuschauer sind nach Storcha gekommen, um den Rennfahrern beim Kampf um die beste Rundenzeit zuzusehen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Im Kreisel beweisen die Fahrer die Wendigkeit des Dumpers. An dieser Stelle wühlen sich die Vorderreifen tief in den Dreck.
Im Kreisel beweisen die Fahrer die Wendigkeit des Dumpers. An dieser Stelle wühlen sich die Vorderreifen tief in den Dreck. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
In der linken Hand das Lenkrad, in der rechten den Schalthebel: Daniel Illhardt aus Hartenstein manövriert seine "Dreikantfeile" mit konzentriertem Blick über den Parcours.
In der linken Hand das Lenkrad, in der rechten den Schalthebel: Daniel Illhardt aus Hartenstein manövriert seine "Dreikantfeile" mit konzentriertem Blick über den Parcours. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Filip Krahl aus Rosenthal lauert auf das Startsignal.
Filip Krahl aus Rosenthal lauert auf das Startsignal. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Lokalmatador Markus Donat will seine Topzeit aus dem Qualifying bestätigen. Doch er bleibt im Kreisel hängen - Rang 6 für den Organisator des Rennens in Storcha.
Lokalmatador Markus Donat will seine Topzeit aus dem Qualifying bestätigen. Doch er bleibt im Kreisel hängen - Rang 6 für den Organisator des Rennens in Storcha. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Der jüngste Starter hat keine Hemmungen das Gaspedal durchzudrücken: Der 16-jährige Paul Domsch fährt auf Platz 2.
Der jüngste Starter hat keine Hemmungen das Gaspedal durchzudrücken: Der 16-jährige Paul Domsch fährt auf Platz 2. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Siegerehrung in der Teamwertung: Der Dumperclub Lehndorf siegt vor dem Dumperteam Ost. Das Rennteam Adelsdorf/Quersa schafft es auf Platz 3. Vivien Michel nimmt die Ehrung für die Rennfahrer aus Südwestsachsen und Thüringen entgegen.
Siegerehrung in der Teamwertung: Der Dumperclub Lehndorf siegt vor dem Dumperteam Ost. Das Rennteam Adelsdorf/Quersa schafft es auf Platz 3. Vivien Michel nimmt die Ehrung für die Rennfahrer aus Südwestsachsen und Thüringen entgegen. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
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Das Manövrieren kostet Kraft

Das liegt wohl auch daran, dass Dumperfahren äußerst anstrengend ist. Der Muldenkipper hat keine Servolenkung. So braucht es einiges an Kraft, das Hinterrad im richtigen Moment einzuschlagen. Die meisten Fahrer haben trotzdem nur eine Hand am Lenkrad. Die andere klammert sich am Sitz fest. "Der Dumper versucht dich permanent abzuwerfen", beschreibt Rennfahrer Filip Krahl aus Rosenthal. Als er über die Strecke brettert, schüttelt es ihn immer wieder so heftig im Sitz, dass man befürchten muss, dass er jeden Moment den Halt verliert.

Die Streckenführung trägt dazu bei. Eine Steilkurve führt direkt in den Kreisel hinab. Maik Schurig aus dem Rennteam Adelsdorf nimmt aus diesem Abschnitt zuviel Schwung mit. Sein Dumper kippt. Ein Raunen geht durchs Publikum. Schurig kann rechtzeitig abspringen. Allein kann er seinen fast eine Tonne wiegenden Dumper aber nicht wieder aufrichten. Streckenposten kommen ihm zu Hilfe. Doch das bedeutet: Er ist raus. Schurig darf das Rennen nicht fortsetzen und bekommt keine Punkte für die Meisterschaft. In der Gesamtwertung lag Schurig vor dem Lauf noch auf Rang 4.

Volles Risiko oder auf Nummer sicher?

"Es gehört viel Mut dazu", sagt Fahrer Daniel Illhardt. "Manchmal muss man sich auch überwinden, dann doch zu sagen: Ich schalte nochmal in den vierten Gang hoch. Aber es ist auch eine Kraftsache. In der zweiten Runde ist es bei mir zum Beispiel so, da lässt meine Kraft nach und da muss ich wirklich überlegen: Geh’ ich das Risiko jetzt ein, fahre noch schneller, mache dadurch vielleicht Fehler? Oder sage ich: Nein, ich bin erstmal schnell genug. Bleibe in dem Gang und ziehe meine Runde einfach ohne Fehler durch." Illhardt konnte die Konzentration am Sonnabend nicht hoch genug halten. Ein Fehler kostet ihn vier Plätze. Am Ende liegt der Dumperfahrer aus Hartenstein bei Zwickau auf Rang 8.

Ein anderer wird dagegen seiner Favoritenrolle gerecht. Filip Krahl steht am späten Nachmittag als Sieger auf dem Podest. "Ich bin megaglücklich. Nach dem Qualifying heute hab ich nicht damit gerechnet. Es lief besser als erwartet", sagt Filip Krahl nach der Siegerehrung. "Mein Vater hat noch sehr viel Arbeit in die Maschine gesteckt. Das haben wir jetzt endlich hingekriegt, dass das Ding wieder ordentlich läuft." Die beiden hatten den kompletten Motor neu aufbauen müssen. Denn der ist im letzten Jahr kaputt gegangen. "Ich war froh, dass ich die zwei Runden geschafft hab. Der Kreisel war anspruchsvoll und auch die Bodenfeuchtigkeit war nicht zu unterschätzen", resümiert Filip Krahl.

Die Meisterschaft – ein Familienduell?

Ganz wohl war ihm bei dem Rennen auch aus einem anderen Grund nicht. Krahl will in zwei Wochen heiraten. Da hätte er an diesem Sonnabend eigentlich andere Verpflichtungen gehabt. "Die Frau ist schon stinkig, weil ich heute nicht mit zur Beichte war", erzählt Krahl. "Aber das musste sein." Krahl führte schon vor dem Rennen die Gesamtwertung an. Da konnte er den Wettbewerb in Storcha nicht auslassen. Nun baut er seinen Vorsprung aus. Doch der erst 16-jährige Paul Domsch aus dem gleichen Rennteam liegt nur wenige Punkte hinter ihm. "Ich hoffe, dass wir uns bis zum Ende ein gutes Duell liefern", blickt Filip Krahl auf die zwei noch ausstehenden Rennen in Drebkau und Lehndorf voraus. Nach dem, was beide in Storcha auf der Piste gezeigt haben, sieht es in der Meisterschaft tatsächlich nach einem Familienduell aus. Die Cousins könnten den Titel unter sich ausmachen.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 15.07.2019 | ab 5:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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