Einbruchsserie aufgeklärt Hoyerswerdaer Kriminalisten werten Spuren aus

Dreieinhalb Monate hat ein Serieneinbrecher viele Einwohner von Hoyerswerda verängstigt. Vor einigen Tagen hat die Polizei ihn bei seinem vorerst letzten Bruch im Stadtgebiet geschnappt.

Einbruchsserie Hoyerswerda
Der Leiter des Polizeireviers Hoyerswerda, Tobias Hilbert, übergibt Hans-Joachim Grothe von der Kirche Apostelamt Jesu Christi eine Bibel. Die hatte der gefasste Einbrecher im November aus einer Vitrine in der Kirche gestohlen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Die Polizei hatte den Kleinkriminellen schon länger im Visier, sagt der Leiter des Polizeireviers Hoyerswerda, Tobias Hilbert. Ihr Gespür zahlte sich am Sonntag, dem 13. Januar, aus. Am frühen Morgen wurden die Beamten durch einen ortsansässigen Wachschutz zum Kino in die Hoyerswerdaer Altstadt gerufen. Beim Wachschutz war ein Alarm aufgelaufen. Vor Ort angekommen, sahen die Polizisten jemanden flüchten. In einem Wassergraben in der Nähe war die Verfolgungsjagd zu Ende. Der Geflüchtete trug einen Rucksack mit Einbruchswerkzeug und eine Taschenlampe bei sich, die er einige Wochen zuvor bei einem Einbruch in eine Arztpraxis gestohlen hatte. Grund genug für die Beamten, den vermutlichen Dieb vorläufig festzunehmen.

Mindestens 23 Fälle können die Kriminalisten nachweisen

Einbruchsserie Hoyerswerda
Der Einbrecher ist vor allem in Arztpraxen, Gartenlokale, Vereingebäude und Firmen eingestiegen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Kurz darauf übernahm der Kriminaldienst die Ermittlungen und schnell stand fest: Die Schutzpolizisten hatten den Seriendieb gefasst, der seit 23. September 2018 Hoyerswerda unsicher machte und viele Einwohner in Angst versetzte. Der 27-Jährige zeigte sich geständig. Mindestens 23 Fälle können die Kriminalisten ihm bisher nachweisen. Noch aber stehen sie am Anfang, müssen noch viele offene Spuren auswerten, sagt der Leiter des Kriminaldienstes, Detlef Stierl. "Der Mensch ist vergesslich. Wir wollen aber alles aufklären, auch die Fälle, an die sich der Beschuldigte nicht mehr erinnert."
Der Täter wohnt in Hoyerswerda, lebt in einer Lebensgemeinschaft, hat ein einjähriges Kind, bezieht Hartz IV und ist spielsüchtig. "Er war immer in Geldnot, deshalb die Einbrüche", beschreibt Stierl das Motiv. Trotz der vielen Einbrüche ist der 27-Jährige auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hat keinen Grund gesehen, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen, erklärt der Leiter des Kriminaldienstes: "Es besteht keine Fluchtgefahr. Wiederholungsgefahr ist nicht gegeben, weil er uns versprochen hat - und wir wollen ihm mal glauben – nicht weiter zu handeln. Wir haben alle Beweismittel soweit gesichert, so dass er jetzt nichts mehr vertuschen oder das Ermittlungsergebnis anderweitig beeinflussen kann."

Dieb stieg über Dächer in Gebäude ein

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Detlef Stierl leitet den Kriminaldienst in Hoyerswerda. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Eingebrochen ist der Hoyerswerdaer vorwiegend in Arztpraxen, Firmen, Vereinsgebäude und Gartenlokale und wählte dabei eine ungewöhnliche Methode: Er seilte sich über die Dächer in die Gebäude ab. "In erster Linie war er natürlich auf Bargeld aus, hat aber auch Werkzeuge, Laptops, eine Bibel und andere technische Geräte mitgenommen", zählt Detlef Stierl auf. Da er immer mit Rucksack und Fahrrad unterwegs war, bewegte er sich nur im Stadtgebiet und konnte auch kein größeres Diebesgut abtransportieren.
In den nächsten Wochen wollen die Polizisten den Beschuldigten weiter vernehmen, um zu erfahren, wie er bei seinen Einbrüchen vorgegangen ist. Außerdem werden noch Geschädigte angehört, um die Schadensaufstellung zu konkretisieren. Nach bisherigen Ermittlungen beläuft sich der Gesamtschaden auf etwa 40.000 Euro. Spätestens im April wollen die Hoyerswerdaer Kriminalisten den Fall abschließen und der Staatsanwaltschaft zur Anklage übergeben, sagt Detlef Stierl.

Weitere Einbruchserie bereitet Polizei Kopfzerbrechen

Während die eine Einbruchserie fast aufgeklärt ist, beschäftigt die Polizei in Hoyerswerda noch eine weitere. Seit August steigen im Stadtgebiet immer wieder Diebe in Kindertagesstätten und kleine Firmen ein. "Da sind wir dran", erklärt der Chef des Kriminaldienstes. Mehr will er zu dem Fall derzeit nicht sagen.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.01.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 15:29 Uhr

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