07.01.2020 | 14:35 Uhr Keiner will den Kassenbon fürs Brötchen

Ob Lottoladen, Imbiss oder Bäcker - für alle gilt seit dem 1. Januar die Bonpflicht, die bei Händlern und Kunden gleichermaßen unbeliebt ist. Sie bedeutet für die Händler vor allem mehr Müll. Die ersten ziehen schon Konsequenzen.

Seit dem 1. Januar 2020 gilt die Bonpflicht.
Viele Geschäfte haben Sammelkörbe für die nicht benötigten Kassenbons aufgestellt. Bildrechte: MDR/Viola Simank

"Möchten Sie den Kassenbon?" Diese Frage gehört jetzt bei Bäcker Dirk Marx aus Bautzen mit dazu, wenn er Brot und Brötchen verkauft. Die meisten Kunden würden den Bon aber nicht mitnehmen, sagt Marx. Also sammelt er alle Belege, um sie später zu entsorgen. Allein an diesem Vormittag sind schon zwei Plastiktüten zusammengekommen. "Das ist das Ergebnis von einem halben Tag und cirka 700 Kunden", ärgert sich Bäcker Marx über den seiner Meinung nach sinnlosen Abfall.

Handkassen von der Bonpflicht ausgenommen

So wie er sehen das viele seiner Kollegen, aber auch die Kunden. Denn die bekommen nicht nur beim Bäcker einen Kassenbon. Auch am Zeitungskiosk oder beim Mittagsimbiss ist der Kassenzettel jetzt Pflicht. "Ganz großen Quatsch" findet das zum Beispiel ein älterer Herr, der auf dem Bautzener Wochenmarkt unterwegs ist. "Die sollen sich lieber die Steuern bei den Großen holen, und nicht bei den Kleinen", sagt er.

Auch viele Händler auf dem Wochenmarkt finden die neue Bonpflicht "sinnlos". Dabei haben sie noch Glück. Zumindest diejenigen, die keine elektronische Kasse haben. Denn sogenannte "Handkassen" wie auf dem Wochenmarkt sind von der Bonpflicht befreit. Der Händler muss dafür am Ende des Tages seine Einnahmen genau auflisten.

Bonpflicht auch im Lottoladen

Ein Körbchen mit Kassenbons.
Auch im Zeitungsladen werden die Kassenbons gesammelt. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Heidemarie Kunze, die ein paar Straßen weiter einen Lotto- und Zeitungsladen betreibt, sieht das Thema Bonpflicht gelassener. Sicher verbrauche sie jetzt auch mehr Papierrollen als vorher. Während sie früher etwa eine Rolle pro Woche benötigt hat, sind es jetzt sechs bis sieben. Aber sie findet die Bonpflicht trotzdem in Ordnung: "Es gibt ja einen Grund dafür, das ist ja das Schlimme. Und deshalb müssen nun alle drunter leiden." Sie hofft, dass sich die Diskussion um das Thema bald legt.

Für wen gilt die Bonpflicht? Am 1. Januar 2020 ist die sogenannte Kassensicherungsverordnung in Kraft getreten. Sie schreibt vor, dass jeder Händler mit einem elektronischen Kassensystem dem Kunden einen Kassenbon über die gekaufte Ware aushändigt. Damit soll dem Steuerbetrug vorgebeugt werden. Sogenannte "offene Ladenkassen" sind von der Bonpflicht ausgenommen.

In anderen Ländern der EU gilt die Bonpflicht für alle schon länger, wie in Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien und Tschechien. In Italien gibt es die Bonpflicht bereits seit 1987, dort müssen die Kunden sogar ihren Bon mit sich führen.

Höhere Preise beim Bäcker

Ein Mann in einer Bäckerei hält eine Tüte mit Kassenbons in der Hand.
Bäcker Dirk Marx aus Bautzen mit den gesammelten Kassenbons eines Vormittags. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Für Bäcker Dirk Marx bleibt die Bonpflicht aber ein Ärgernis. Denn sie bedeutet nicht nur wegen der zusätzlichen Kassenbonrollen mehr Kosten. Spätestens im September braucht er auch eine neue Kasse, weil sein jetziges Modell nicht mit der dann gesetzlich vorgeschriebenen technischen Sicherheitseinrichtung ausgerüstet werden kann. Diese Sicherheitseinrichtung ist ein Chip, der zusätzlich die Manipulation von elektronischen Kassen verhindern soll. Dabei ist seine Kasse erst zwei Jahre alt. "Dafür habe ich viel Geld investiert und nun muss ich wieder viel Geld in die Hand nehmen", sagt Marx. Deswegen habe er seine Preise angehoben, insgesamt um etwa zwei Prozent. "Irgendwo muss das Geld ja herkommen."   

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm beim MDR MDR UM 4 | 03.01.2020 | 17:00 Uhr

3 Kommentare

Hausfrau vor 47 Wochen

Es tut mir leid, aber ich nehme den Bon regelmäßig mit. Noch schlimmer. Ich führe sogar Buch über meine Ausgaben. Und da sind wir bei @Zeitgeist. Man weiß nicht nur, wo das liebe Geld geblieben ist, sondern wie sich die Preise entwickeln. Das wäre auch eine Empfehlung für Mitbürger, bei denen der Monat immer viel zu lang ist bis zum nächsten Geld. Aber das macht jeder wie er will. Ich kann mich bei diesem Thema (mal) nicht aufregen. Es gibt weitaus größere Probleme. Das sollte auch bei der Planung der erforderlichen Sendezeit für das Thema beachtet werden.

Zeitgeist vor 47 Wochen

Seit 29 Jahren gibt es bei den Bäckern in Sachen Preise nur eine Richtung, nach oben ! Mit Einführung Euro 2002 bis heute wurden die Preise bei Brot und Brötchen verdoppelt. Egal ob die Getreideernte gut oder schlecht war.
Spritpreis hoch oder tief. Die Mitarbeiter wurden jahrelang zum Hungerslohn ausgebeutet. Übrigens, den Bon bekommt man seit Jahren in Tschechien.

Kassen-Narr vor 47 Wochen

Zu den von Herrn Marx bisher genutzten Kasse ist zu sagen, dass er diese bis Ende 2022 auf jeden Fall weiter benutzen darf. Vorausgesetzt, dass sie GOBD-konform sind. Davon ist auszugehen, wenn er sie tatsächlich vor 2 Jahren erst gekauft hat. Ansonsten dürfte er sie seit Anfang 2017 schon gar nicht mehr einsetzen .

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