12.02.2020 | 12:25 Uhr Staatsschutz ermittelt nach Attacke auf sorbische Jugendliche in Schönau

Zwei Polizeifahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht stehen schräg versetzt an einer Einsatzstelle.
(Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Schönau im Landkreis Bautzen hat es am Wochenende offenbar einen Angriff auf sorbische Jugendliche gegeben. Die Polizeidirektion Görlitz teilte mit, es lägen von drei Personen im Alter von 20 und 21 Jahren Anzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung sowie Sachschaden vor. Ob es sich bei den Opfern um Sorben handelt, bestätigte die Behörde nicht. Der Dachverband der Sorben Domowina sprach in einer Mitteilung von "antisorbischen Attacken auf Jugendliche in Schönau". Der Vorfall hat sich nach Polizeiangaben am Sonnabend nach einem Diskobesuch ereignet.

Staatsschutz ermittelt

Ein rassistischer und sorbenfeindlicher Hintergrund kann laut Polizei nicht ausgeschlossen werden. Der Staatsschutz ermittle in alle Richtungen, hieß es. Im polizeilichen Fokus stehen dabei den Angaben zufolge zwei junge Männer, ein Deutscher und ein Libanese.

Die Personen, die Anzeige erstatteten, seien leicht verletzt worden. Der Schaden an einem Auto betrage etwa 100 Euro. Die Domowina verurteilte die Taten aufs Schärfste und erwartet konsequente Strafverfolgung. Offenbar gebe es einen "harten Kern antisorbisch eingestellter Jugendlicher, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, um ihren Hass in krimineller Weise zum Ausdruck zu bringen", erklärte der Vorsitzende der Domowina, Dawid Statnik.

Domowina erwartet Gerichtsurteile mit abschreckender Wirkung

Schon mehrfach waren in den vergangenen Jahren sorbische Jugendliche in Ostsachsen angefeindet und angegriffen worden. Das Muster und die Orte seien immer die gleichen, erklärte Statnik. Die Polizei gehe "zunehmend sensibler mit dieser Problematik um". Der Dachverband erwarte "Gerichtsurteile, die ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen".

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.02.2020 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 12:24 Uhr

28 Kommentare

Uwezi vor 4 Tagen

Vielleicht wird ja heutzutage auch vieles, was in früheren Zeiten völlig normales präpupertäres Protzgehabe unter Jugendlichen war, überbewertet. Wir haben uns so vor 40 Jahren auch gegenseitig Begriffe an den Kopf geworfen, die man heutzutage nicht mal mehr öffentlich erwähnen darf. Und nach Diskos gab es öfter Rangeleien, sozusagen Revierkämpfe. Da wäre niemandem überhaupt der Gedanke einer Anzeige gekommen. Was aber an der Konstellation interessant ist dürften die Auswirkungen auf die Psyche der AfD sein. 3 sorbische Jugendliche gegen einen Deutschen und einen Libanasen. Da verfällt die AfD in tiefe Depressionen weil sie den Ansatzpunkt nicht findet. ;))

Ekkehard Kohfeld vor 4 Tagen

"*Anita L* wird wahrscheinlich auch nicht dabei gewesen sein, behauptet das ja auch gar nicht, aber er weist darauf hin, dass jemand, der nicht vor Ort war, nicht mal eben unbewiesene Dinge behaupten solle, während die Ermittlungen anderes ergeben haben."

Wie wahr das doch gleich,halten sie sich selber auch mal an ihre Vorgaben.😳😳😳

Anita L. vor 4 Tagen

Bei allem Respekt, aber Schulstreiche sollten vielleicht nicht zu ernst genommen werden. An meinen Schulen gab es keine Sorben, trotzdem fanden die Kinder genügend Möglichkeiten, sich gegenseitig verbal zu beschimpfen. Wenn es danach ginge, müsste ich ein heftiges Misstrauen gegenüber Deutschen aufgebaut haben. Als später die Aussiedler aus Russland hinzukamen, ergab sich ein sehr fantasievolles Gemisch aus deutschen und russischen Schimpfwörtern.

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