Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Tödliches Gift: Tausende Forellen sind im Juni 2018 in einer Zuchtanlage in Nedaschütz verendet. Bildrechte: RocciPix

10.11.2019 | 18:45 Uhr Gericht in Bautzen verlangt weitere Ermittlungen zum Fischsterben von Nedaschütz

Blausäure im Schwarzwasser hat vor mehr als einem Jahr zum massenhaften Fischsterben in einer Forellenzuchtanlage in Nedaschütz in der Oberlausitz geführt. Die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Verursacher waren in diesem Frühjahr eigentlich abgeschlossen. Doch nun zieht sich der Fall wieder hin.

Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Tödliches Gift: Tausende Forellen sind im Juni 2018 in einer Zuchtanlage in Nedaschütz verendet. Bildrechte: RocciPix

Der 8. Juni 2018 war eine Katastrophe für die Fischzucht Wehner in Nedaschütz. Binnen Minuten verendeten sämtliche Forellen in der Zuchtanlage des Familienbetriebes. Rund 13 Tonnen Fischkadaver mussten entsorgt werden. Schnell stellte sich heraus, dass hochgiftiger Cyanwasserstoff, auch Blausäure genannt, in das Flüsschen Schwarzwasser gelangt war. Das Umweltamt riet für einige Tage Anwohnern am Schwarzwasser, kein Wasser aus dem Flüsschen zu verwenden. Seither kämpft die Fischzucht um die Aufklärung des Falles, doch die zieht sich weiter hin.

Anklage wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung

Im Frühjahr 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Görlitz die Ermittlungen abgeschlossen und im April Anklage gegen zwei Tatverdächtige wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung erhoben. Seither wird aller Voraussicht nach noch ein Jahr ins Land gehen, bevor sich jemand vor dem Strafgericht in Bautzen für die Blausäurevergiftung verantworten muss. Denn das Bautzener Gericht teilt nicht in allen Punkten die Auffassung der Staatsanwaltschaft. Wie der Direktor des Amtsgerichtes, Markus Kadenbach, mitteilte, hat der Strafrichter inzwischen für den Fall Nachermittlungen angeordnet. Diese dauerten an, so Kadenbach. Mit einer Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens sei im Februar 2020 zu rechnen.

Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Rund 13 Tonnen an Fischkadaver mussten entsorgt werden. Bildrechte: RocciPix

Tatverdächtig sind laut Staatsanwaltschaft Görlitz der Geschäftsführer der Rätze-Mühle in Spittwitz und ein Mitarbeiter einer sächsischen Schädlingsbekämpfungsfirma. Wie die Ermittlungen ergeben haben, ist davon auszugehen, dass "der Eintrag des Cyanids über die nicht abgeklebte und während der Begasungsmaßnahme zur Schädlingsbekämpfung nicht außer Betrieb genommene Spiralturbine in der Alten Mühle erfolgt ist", so Staatsanwalt Christopher Gerhardi. Das belegen unter anderem Gewässerproben im Flussverlauf, die ab der Alten Mühle bis hinunter zu der Forellenzucht eine Verunreinigung mit Blausäure ergaben. In der Mühle am Schwarzwasser werden unter anderem Biomehle aus Roggen und Weizen produziert.

Cyanwasserstoff Cyanwasserstoff auch Hydrogencyanid oder Blausäure genannt, ist eine sehr flüchtige und wasserlösliche Flüssigkeit. Sie ist hochgiftig und wurde früher sehr oft in Schiffen, Mühlen und Vorratsspeichern als Begasungsmittel gegen Ungeziefer verwendet. Heutzutage gibt es alternative Chemikalien, wie etwa Phostoxin oder Sulfurylfluorid. Auch Hitzebehandlungen sind möglich.

Blausäure wurde in der NS-Zeit unter dem Namen Zyklon B in Konzentrationslagern zur Massenvergasung von Menschen eingesetzt.

Während die Entscheidung zur Eröffnung eines Strafprozesses wegen der Verschmutzung des Schwarzwassers noch aussteht, strebt die Fischzüchterei eine Zivilklage an, um in irgendeiner Form eine Entschädigung für ihre Verluste zu erhalten. Dass sich die Ermittlungen so hinziehen, damit hatten die Nedaschützer nicht gerechnet.

Schubert: Umweltsünden werden lasch gehandhabt

Wenige Tage nach der Umweltverschmutzung hatte sich damals auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Franziska Schubert eingeklinkt. Sie stellte im Sächsischen Landtag eine Kleine Anfrage zum Fischsterben und versprach in einer Pressemitteilung, dass sie sich dafür einsetzen werde, dass die Verursacher in die Pflicht genommen werden und Wiedergutmachung leisten müssen.

Ich kann verstehen, wenn Familie Wehner verärgert darüber ist, dass sich die Ermittlungen hinziehen und es immer noch keine juristische Verurteilung dieser Umweltsauerei gibt, die auch eine Gefährdung für die Menschen war.

Franziska Schubert Landtagsabgeordnete Bündnis90/Die Grünen

"Das ist nicht das erste Mal, dass Umweltsünden so lasch gehandhabt werden. Ich habe dafür kein Verständnis" , sagt die Grünen-Politikerin nun ein Jahr danach MDR SACHSEN. Für die Betroffenen tue es ihr sehr leid. Das Vertrauen in Rechtsstaat und Hilfe werde so nicht wirklich befördert. Schubert möchte in ihrer Funktion als Politikerin nun erneut im zuständigen Ministerium nachfragen, warum der Fall bisher noch nicht abgeschlossen ist und außerdem um eine kritische Evaluation der Ermittlungen bitten.

Fischsterben in Nedaschütz im Juni 2018

Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Das Fischsterben in der Forellenzucht Nedaschütz wurde vermutlich durch Blausäure ausgelöst. Bildrechte: RocciPix
Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Das Fischsterben in der Forellenzucht Nedaschütz wurde vermutlich durch Blausäure ausgelöst. Bildrechte: RocciPix
Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Die Kriminalpolizei ermittelte wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung. Bildrechte: RocciPix
Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Nach dem Massensterben mussten die Fischkadaver aus dem Zuchtbetrieb entfernt werden. Bildrechte: RocciPix
Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Der Schaden liegt nach Angaben des Eigentümers bei mehreren zehntausend Euro. Bildrechte: RocciPix
Fischsterben in Forellenzucht in Nedaschütz
Anliegern des Schwarzwassers wurde kurzzeitig empfohlen, kein Wasser aus dem Fluss zu nutzen. Bildrechte: RocciPix
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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 18:45 Uhr

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