Eine Frau in einem Zimmer.
Maxi Hoke hat für die Sorgen und Ideen der Anwohner immer ein offenes Ohr. Regelmäßige Sprechzeiten bietet sie am Dienstagnachmittag und Donnerstagvormittag an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zu viel Geld für soziale Aufbauarbeit im Gesundbrunnen Warum Bautzen Mühe hat, die EU-Million auszugeben

Knapp eine Million Euro kann Bautzen aus einem Europafonds für Sozialprojekte für den Stadtteil Gesundbrunnen ausgeben. Die Freude war groß, als vor zwei Jahren Sachsens damaliger Innenminister dem Oberbürgermeister den Fördermittelbescheid aus einem neuen EU-Programm für nachhaltige soziale Stadtentwicklung überreichte. Seitdem ist wenig passiert. Was ist schiefgelaufen?

von Madeleine Arndt

Eine Frau in einem Zimmer.
Maxi Hoke hat für die Sorgen und Ideen der Anwohner immer ein offenes Ohr. Regelmäßige Sprechzeiten bietet sie am Dienstagnachmittag und Donnerstagvormittag an. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Bautzens Gesundbrunnen hat soziale Aufbauarbeit nötig. Das Neubauviertel ist ein Schmelztiegel verschiedener Bevölkerungsschichten. Mittelstand und Hartz-IV, Migranten und Urbautzener, Rechte und Linke, Familien und Singles leben hier Tür an Tür. Das schafft Probleme. Soziale Projekt könnten hier helfen.

Klebezettel an einer Wand.
Kommunikation ist der erste Schritt: Maxi Hoke fragte Einwohner, was sie an ihrem Viertel stört. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Und doch ist es bereits zwei Jahre her, dass Bautzen den symbolischen Scheck über 896.074 Euro EU-Mittel und damit grünes Licht für geförderte Sozialprojekte bekam. "Das mutet auf den ersten Blick unheimlich lang an", gibt Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens zu.

Er zählt eine ganze Reihe von Hürden bei der Umsetzung des Europaprogrammes auf: etwa seine bereits ausgelasteten Verwaltungsmitarbeiter, das Abklären von Zuständigkeiten, die Koordination mit Vereinen und allgemeine Startschwierigkeiten, mit denen man bei neuen Förderprogrammen oft zu kämpfen habe. Eines betont der OB: "Es läuft nicht so falsch, dass wir es sein lassen sollten."

Eine Frauen- und eine Tanzgruppe etabliert

In Bautzens größtem Wohngebiet Gesundbrunnen gibt es jetzt eine feste Adresse für die Sorgen und Wünsche der rund 7.000 Anwohner. Maxi Hoke hat im September ihren Arbeitsplatz im sogenannten "Schiefen Haus" eingerichtet. Die 27 Jahre alte Frau, selbst in einem der vielen Neubaublocks aufgewachsen, will das Zusammenleben im Viertel in Schwung bringen, die Lebensqualität vor Ort verbessern.

Wohnblock
Im Neubaugebiet Gesundbrunnen von Bautzen leben über 7.000 Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Kulturen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"Aufbau Bewohnerselbstorganisation" heißt etwas trocken das erste in der Spreestadt umgesetzte ESF-Programm - zu 95 Prozent aus Mitteln der Europäischen Union finanziert während einer Laufzeit von 2014 bis 2020. Eigentlich sollte seit Oktober auch noch ein Quartiersmanager Maxi Hoke zur Seite stehen, doch der Schreibtisch ist leer. Es gibt Probleme im Ausschreibungsverfahren.

In Sachen Motivation der Anwohner kann Maxi Hoke bereits eine kleine Bilanz ziehen. Dank ihrer Unterstützung haben sich eine Frauengruppe und eine Tanzgruppe etabliert. Auch wurden kleinere Stadtteilfeste auf die Beine gestellt.

Nicht weit vom "Schiefen Haus" befindet sich das Domizil von Leuchtturm-Majak. Der Verein gründete sich einst als Anlaufpunkt für Spätaussiedler, ist inzwischen aber breit aufgestellt. Hier läuft jetzt das ESF-Programm "Lebenslanges Lernen" für Bautzener mit und ohne Migrationshintergrund. Angeboten werden Info-Veranstaltungen und Workshops, beispielsweise über Rechte und Pflichten in Arbeitsverträgen. Die Projektidee dazu lag schon vor zwei Jahren in der Schublade. Der Europafonds sei nicht so einfach, es gebe viel Bürokratie, sagt die Vereinschefin Natalia Deis. Da habe es ein bisschen gedauert.

Alexander Ahrens ist zuversichtlich, dass mit diesen ersten sichtbaren Projekten das Interesse weiterer Anwohner und örtlicher Vereine an den EU-Mitteln steigt. Letztlich aber die gesamten fast 900.000 Euro im Rahmen der Förderperiode auszugeben, bezeichnet der Oberbürgermeister als "in der Tat sehr ambitioniert".

30 Millionen für Sachsen

In Sachsen laufen in 33 Städten ESF-Programme zur sozialen Stadtentwicklung. 30 Millionen Euro von der Europäischen Union stehen dafür zur Verfügung.

Auch in anderen Kommunen brauchte es einigen Vorlauf. Lange knobelte beispielsweise Zittau an der Umsetzung. "Zittau hat keinen Brennpunkt. In einer Kleinstadt vermischt sich alles, da war es schwer, ein Gebiet festzulegen", erklärt Birgit Kaiser, Chefin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft. Auch habe man ewig gebraucht, eine Stelle zu besetzen. Es sei schwer, an gute Sozialpädagogen zu kommen, so Kaiser. Inzwischen ist das erste Projekt gestartet - ein offener Treff für sozial Benachteiligte. Zwei weitere Projekte sollen 2019 kommen. Kaiser hofft dabei, hier auf die von der EU angekündigte zweijährige Verlängerung der Förderperiode bis zum Jahr 2022 profitieren zu können.

Reibungsloser Ablauf in Bernsdorf

Richtig fix ging es hingegen in Bernsdorf. Hier profitiert das Sozialbüro Kube 42 - eine Anlaufstelle unter anderem für Langzeitarbeitslose - seit Oktober 2016 von den EU-Fördermitteln. Dass alles so reibungslos lief, sei auch ein Verdienst der übergeordneten Behörden, lobt Linda Pawlowski, Büroleiterin des Bürgermeisters, die für das ESF-Projekt mit verantwortlich ist. "Wir werden durch die Sächsische Aufbaubank und das Innenministerium sehr gut betreut", sagt sie. Die beiden Mitarbeiter der sozialen Anlaufstelle sind direkt bei der Stadt angestellt. Dass die Projektverantwortung im Vorzimmer des Bürgermeisters liegt, kommt laut Pawlowski nicht von ungefähr: "Der direkte Draht zu den Bürgern war uns wichtig." Bernsdorf stehen 340.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfond zur Verfügung. "Wir versuchen das Geld bis zum Ende der Förderperiode auszuschöpfen", so Pawlowski.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.12.2018 | ab 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 18:30 Uhr

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