Quartierbüro Bautzen
Ahmad Farra (v.li.), Firas Al Habbal, Raphael Schwaderer und Claudia Scheibe sind vier von insgesamt fünf Mitarbeitern im Quartierbüro von Bautzen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Hilfe für Flüchtlinge Quartierbüro in Bautzen bleibt weiter Anlaufstelle

Es ist ein Ort, an dem Geflüchtete bei alltäglichen Problemen Hilfe finden. Seit mehr als einem Jahr gibt es das Quartierbüro in der Bautzener Innenstadt. Jetzt ist dessen Finanzierung für 2019 gesichert.

von Martin Kliemank

Quartierbüro Bautzen
Ahmad Farra (v.li.), Firas Al Habbal, Raphael Schwaderer und Claudia Scheibe sind vier von insgesamt fünf Mitarbeitern im Quartierbüro von Bautzen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Eine junge Frau setzt sich zu Claudia Scheibe. Auf Arabisch berichtet sie der Mitarbeiterin im Quartierbüro, dass ihre Familie nach Dresden umziehen möchte. Die Familie kann in die neue Wohnung jedoch erst einige Tage nach Auflösung der alten einziehen. Claudia Scheibe greift zum Telefonhörer. Sie fragt bei der Wohnungsbaugesellschaft, ob die Familie ein paar Tage länger in Bautzen wohnen bleiben darf. Noch ist wenig los im Büro in der Bautzener Altstadt. Claudia Scheibe kann in Ruhe helfen. "Es gibt aber auch Tage – meist die Behördentage Dienstag und Donnerstag – da ist hier die Hölle los", erzählt Scheibe, "da sind alle Sitzplätze belegt und Leute stehen Schlange". An solchen Tagen komme sie an ihre Grenzen.

Mehr als 3.000 Einzelfälle in einem Jahr

Quartierbüro Bautzen
Das schwarze Brett im Quartierbüro. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Im letzten Jahr haben die fünf Mitarbeiter im Quartierbüro 3.200 Einzelfälle bearbeitet. Der Verein "Willkommen in Bautzen" hat die Anlaufstelle Anfang 2018 einrichten lassen. Kurz davor war ein Quartierbüro mit der Asylunterkunft im Spreehotel geschlossen worden. "Wir mussten nicht großartig Werbung machen", berichtet Scheibe von dem Ortswechsel. "Die Leute sind durch unsere Sprachmittler von alleine gekommen." Die Dolmetscher Ahmed Farra, Mukhtar Hesari und Firas Al Habbal sind unter den Flüchtlingen in Bautzen gut vernetzt. Hesari erzählt von einer Whatsapp-Gruppe unter seinen afghanischen Landsleuten. Dort habe er geschrieben, dass sie nun so ein Büro hätten und Geflüchteten dort geholfen werde. "Seitdem kommen die Leute einfach her."

Amtsdeutsch erklären

Die Anliegen sind sehr unterschiedlich. Das reiche von "Ich habe einen Brief bekommen und verstehe ihn nicht. Könnt ihr ihn mir mal erklären?" über Anträge ans Jobcenter bis zu Geldproblemen, Stromschulden oder die Vereinbarung von Arztterminen. "Im Großen und Ganzen packen wir eigentlich alles an", sagt Claudia Scheibe. "Bis auf Rechtsberatung – da sind wir raus und vermitteln an Anwälte." Eben ist eine Jugendliche hereingekommen. Auf einem USB-Stick hat sie eine Präsentation für die Schule dabei. In fließendem Deutsch bittet sie Raphael Schwaderer, sich die mal anzusehen. Sie braucht ein paar Tipps zur Formatierung. Doch Quartierbüro-Mitarbeiter Schwaderer kann das Mädchen nur beglückwünschen: "Ich hätte das nicht besser machen können." Dann erklärt er ihr noch, wo sie die Hausaufgabe farbig ausdrucken lassen kann.

Emotional die Distanz wahren

Schwieriger werde es, wenn Flüchtlinge mit familiären Problemen in das Büro kämen, erzählt Schwaderer. Dann gelte es, sensibel zu vermitteln, insbesondere wenn beide Konfliktparteien gleichzeitig im Büro stehen. "Das ist manchmal emotional anstrengend", sagt der hochgewachsene Mann. "Man muss einen Weg finden, damit umzugehen, die Sachen nicht zu sehr an sich ranzulassen, sonst würde man daran verzweifeln und könnte gar nicht mehr arbeiten."

Quartierbüro Bautzen
Seit einem Jahr gibt es in Bautzen ein Quartierbüro als Anlaufstelle für Geflüchtete. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Dabei hilft auch der Austausch mit anderen Beratungsstellen. Regelmäßig kommen die Quartierbüro-Mitarbeiter mit anderen sozialen Einrichtungen der Stadt zusammen und besprechen einzelne Fälle. Dort hole man sich auch Anregungen, wie andere mit ähnlichen Fällen umgehen, sagt Claudia Scheibe. "Die Abstimmung hier in Bautzen funktioniert sehr gut." Auch mit Mitarbeitern in anderen Quartierbüros in Bernsdorf, Hoyerswerda und Kamenz komme man alle zwei Monate zusammen.

Auch wenn die Zahl der Asylbewerber zurückgeht, sehen die Mitarbeiter im Quartierbüro nicht, dass sie in Zukunft weniger zu tun haben werden. Im Gegenteil: Allein im Januar haben sie 488 Fälle bearbeitet. "Manche wären durchaus in der Lage, einige Sachen auch selber zu lösen", sagt Claudia Scheibe über ihre Besucher. "Man fühlt sich aber doch sicherer, wenn man jemanden hat, den man fragen kann."

Die fünf Mitarbeiter im Quartierbüro werden ihre Arbeit fortsetzen. In diesen Tagen bekamen sie einen vorläufigen Förderbescheid des Ausländeramtes. Freistaat und Landkreis wollen auch Geld geben, so dass Flüchtlinge auch in diesem Jahr in Bautzen eine Anlaufstelle haben.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.02.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2019, 10:00 Uhr

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36 Kommentare

24.02.2019 23:03 Montana 36

Fragt mich nicht nach dem Sinn des Lebens. So etwas muss man nicht verstehen.

24.02.2019 21:35 mare nostrum 35

@ 31

Humanismus bedeutet Menschlichkeit.

"Andere humanistische Angelegenheiten" kann ich nicht nachvollziehen;
entweder man ist menschlich oder man ist es nicht.

24.02.2019 20:09 Liese 34

@ Fakt 12
Schöne einfache Welt, sie sei Ihnen gegönnt.
Prozesskostenhilfe vorschlagen, aber nicht bedenken, diese ist im Falle späteren eventuellen Einkommens wieder zurück zu zahlen ist. Die im Artikel Bedachten müssen weder große Anträge stellen, noch ist wohl eher an eine spätere Rückzahlung zu denken.
Rechtsschutzversicherung ist auch kein Zauberwort. Erstens bezahlt man erst einmal für diese Versicherung, auch würde sie nicht grundsätzlich eintreten!
Fazit: Im Falle von "Recht erkämpfen" sind eben NICHT alle gleich!

24.02.2019 19:08 Liese 33

Eigentlich sollte es inzwischen jeder klar Denkende begriffen haben, Geld kann nur einmal ausgegeben werden.
Die hohen Beträge für die Flüchtlinge sind nicht etwa überschüssig, sondern wurden und werden an anderen Stellen eingespart.
Geht es um die Verbesserung der Situation der einheimischen Bürger, kommt stets: Das ist finanziell nicht machbar, können wir uns nicht leisten.
Und der Spruch, Deutschland sei ein reiches Land, ist ebenfalls nur eine Floskel, denn weshalb gibt es dann doch große Bereiche der Armut?

24.02.2019 18:53 der letzte Yana-Indianer 32

@ Dorfbewohner 31: war denn der Humanismus schon ein Teil des Mittelalters? (Kannten die aus dem Mittelalter denn so etwas wie Humanismus?)

24.02.2019 15:15 Dorfbewohner 31

“mare nostrum 23

Ich wiederhole: Die Bundesrepublik als eines der reichsten Länder der Welt kann es sich durchaus leisten, sich dem Humanismus verpflichtet zu fühlen; auch den Kosten, die das mit sich bringt, zumal das Geld dafür vorhanden…”

Ein Satz eigentlich ohne konkrete Aussage, so als fehle die Hälfte, klingt eher wie ein unüberlegtes Nachäffen einer politischen Parole.
Der Satzteil allerdings, dem “Humanismus verpflichtet” zu sein ist als Aussage selbstverständlich richtig und eigentlich auch jedem gesunden Menschenverstand eigen aber dies mit “durchaus” grenzenlos verallgemeinern zu wollen, ist schier unmöglich.
Gewährter materieller Humanismus hat immer Grenzen, anderes ist Unsinn!

Viele tägliche Nachrichten, wie auch hier beim MDR in letzter Zeit zeigen mir auf, daß wir trotz dem Reichsein und so wie jedes andere entwickelte Land dieser Erde auch, wir hierzulande noch genügend auch andere humanistische Angelegenheiten ausgleichend zu regeln haben!

24.02.2019 15:10 Dieter 30

Fakt:
Die Zahl steht erst noch vor kurzem in den Medien- da hat wohl ein Kieler Kollege jetzt kalte Füsse bekommen.
Nix ist zu stemmen:
Wir kommen aus einer langen Hochkonjunkturphase, viele Schulden (Griechenland, ESM, Targets, Pensionslasten) sind gar nicht eingepreist. Was ist, wenn die Konjunktur runtergeht und die Demontage unserer Wirtschaft (Autoindustrie, Energie) dank der grünen Ökofundies und Klimaretter weitergeht? Wo soll dann das Geld für die Migranten und deren Familien herkommen?
Aus dem Bankautomaten wohl kaum.
Mare nostrum:
Die Aufnahme von Migranten in unsere Sozialsysteme als "Menschen retten" zu bezeichnen halte ich in der Tat für zynisch. Mir geht es darum, dass vermeintlich "Gute" etwas veranlassen und loben, was andere ausbaden und bezahlen müssen. Wer Gutes tun will oder anderen zukommen lassen will, soll dies bitte selbst und mit eigenem Geld tun. Das habe ich gemeint.

24.02.2019 12:21 Fakt 29

>>Dieter, #24:
"Nach einer Analyse des Kieler Wirtschaftsinstituts kosten die Flüchtlinge jährlich insgesamt, alles eingerechnet, etwa 55 Milliarden.W<<
--------
Das ist so nicht richtig!
Bereits m Oktober 2018 hieß es im Deutschlandfunk:

"Aus heutiger Sicht, sagt der Kieler Wirtschaftsprofessor Matthias Lücke, sei diese Zahl „viel zu hoch“: „Das liegt daran, dass wir überlegt haben: Was würde denn passieren, wenn der Zustrom, der 2015 stattgefunden hat, sich 2016, 2017 und 2018 so ähnlich fortsetzen würde? Also haben wir bewusst hochgegriffen bei den Zahlen, um zu schauen: Wäre das denn zu bewältigen? Und die Antwort war: Ja, das wäre mit einer großen Kraftanstrengung zu bewältigen gewesen.“

Und wie Sie sehen, wären selbst die seinerzeit angedachten 55 Milliarden Euro zu stemmen gewesen.

24.02.2019 11:56 Klar Denkender 28

Warum möchte eine Familie nach Dresden umziehen und wird da beraten sind da die Mieten günstiger ? Dann komm ich mit und ich habe auch KEINE Wohnsitzauflage und bezahl meine Miete selbst bitte helfen sie mir .

24.02.2019 11:35 Willy 27

@ 2 3 so ein totaler blödsinn dieser Komment. D. kann sich dies nicht leisten weil wir genügend arme Bürger / Kinder selber haben und D. hat Billionen Schulden also was soll dies ??? überlegen was man von sich gibt ist angesagt !!! andere Bürger in D. gehen für billig Lohn arbeiten oder müssen 2 bis 3 Jobs annehmen.

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