Debatte um zivilgesellschaftliches Engagement Grünen-Chef Habeck in Bautzen: "Über Probleme zu reden, nennt man Demokratie"

Mit ihren couragierten Äußerungen in sozialen Medien über Rechtsextreme und Rassismus in Bautzen hat Annalena Schmidt viel Aufsehen erregt. Einige Einheimische beschimpfen die 32-Jährige als Nestbeschmutzerin - und das sind noch die höflichen Zeitgenossen. Rechte und Populisten feinden sie anonym an und schicken Morddrohungen. Dennoch setzt sich Schmidt für Bautzen ein. Am Donnerstag bekam sie Besuch vom Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck. Ihr Thema: Einsatz für die Zivilgesellschaft.

Robert Habeck (l), Bundesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen gestikuliert neben der Bloggerin Annalena Schmidt
Ihm gehe es "super" ohne Twitter und Facebook, sagt Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck nach seinem Rückzug aus den sozialen Medien. Mit der Bloggerin Annalena Schmidt traf er sich ganz analog zum persönlichen Gespräch in Bautzen. Bildrechte: dpa

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, hat in Bautzen für einen offenen Dialog geworben. "Die politische Aufgabe ist im Moment erstmal zu verstehen, was hier politisch los ist, nicht nur in Bautzen und Sachsen. Öffentlich über Probleme zu reden, nennt man Demokratie und demokratischen Diskurs. Das muss möglich sein", sagte Habeck. Seinen Besuch im sächsischen Bautzen nutzte Habeck am Donnerstag, um sich mit der Bloggerin Annalena Schmidt zu treffen. Mit ihr und Grünen-Mitgliedern aus der Region diskutierte er über Rechtsextremismus und zivilgesellschaftliches Engagement. Diskurs bedeute nicht, dass alle gleich einer Meinung sein müssten, meinte Habeck. Es könne auch bedeuten, dass man sich ungerecht behandelt fühle. Die Auseinandersetzung damit könne das Eis des Schweigens brechen.

Die Bloggerin und Historikerin Annalena Schmidt ist bekannt für ihre öffentliche Kritik am gesellschaftlichen Leben in Bautzen und Sachsen. Vor allem auf Twitter kritisiert sie das Schweigen gegenüber Extremismus und Rassismus. Dafür wurde Schmidt heftig angefeindet und erhielt Morddrohungen. Rechte wollten sogar eine Demonstration gegen die junge Frau organisieren.

Schmidt, die 2018 von der Bundesregierung als Botschafterin für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet worden ist, kandidiert im Mai 2019 als Parteilose auf der Liste der Grünen für den Stadtrat in Bautzen. Über ihre Wahlchancen schrieb die Bloggerin am Mittwoch in einem Tweet: "Die Chancen, dass ich in den Stadtrat gewählt werde, schätze ich gering ein! Ich werde damit wohl die bekannteste Nichtstadträtin Deutschlands."

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 21.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 16:35 Uhr

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51 Kommentare

23.03.2019 18:44 D.o.M. 51

@Nie wieder Sachsen48 und Stena 50: Schluss mit diesem Geschwätz! Wir alle sind Deutschland ! Das steht über Sachsen und Bayern und Berlin. Wenn ihr Euch so zofft, dann haben die Besatzungsmächte, die uns getrennt haben, dort wo sie uns hinhaben wollen

23.03.2019 15:39 Stena an Nie wieder Sachsen (48) 50

Sie scheinen ein sehr krudes Demokratieverständnis zu haben.
Glauben Sie erntshaft Demokratie wäre käuflich? Also was soll Ihr " die Kohle wird gern genommen..."? Das kann nur denken, wer aus dem versifften Westen kommt!

Nehmen Sie Ihre Kohle und zischen sie ab!
Dann kann GANZ Ostdeutschland seine EIGENE Demokratie aufmachen!

22.03.2019 19:37 Hans 49

Die jahrelange Verunglimpfung der überwältigenden Mehreit friedlicher Bürger(innen) verbunden mit übelsten pauschalen Beschimpfungen führten zu diesem Zustand.

22.03.2019 17:20 Nie wieder Sachsen 48

Mauer hochziehen, Fördertöpfe weg. Und Alle sind wieder zufrieden! Alle? Nein die Kohle wird gern genommen...

22.03.2019 14:46 Historiker 47

Viele Fragen von Herrn Habeck werden im Buch seiner ehem. Parteifreundin Antje Hermenau, Ansichten aus der Mitte Europas. Wie Sachsen die Welt sehen, Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt 2019, kenntnisreich beantwortet. Gestern gab es in Leipzig auch eine Diskussionsrunde dazu im Rahmen der Buchmesse.

22.03.2019 14:14 Gerald 46

Zu @Go West 38
Komisch! Wer hat denn in Bayern oder in Thüringen die Demokratie angezweifelt? War es nicht der Herr Habeck aus Schleswig Holstein? Oder?

22.03.2019 13:06 Dieter 45

Mizzi 42:
Wer irgendwo hinkommt, um dort zu arbeiten, sollte sich nicht als Politikbelehrer aufspielen. Das hat Frau Schmidt getan, wie eine Missionarin unter Heiden
(sie merkt nicht einmal, wie lächerlich sie sich macht- ich befürchte, sie denkt, sie tue ein gutes Werk). Sie zur "Demokratiebotschafterin" zu ernennen, war nicht klug, aber es anzunehmen, war dumm.
Diese Kategorie von Wessis leibt der gemien Ossi ganz besonders.

22.03.2019 12:14 Mizzi 44

22.03.2019 10:02 Mario Süße 37 :"Wer hat uns die Frau geschickt die antiautoritär erzogen wurde?" Ja, wer wohl, wer sind nur die, die Böses für Sachsen wollen ?
"Ist es nur Gemache um uns in die rechte Ecke zu stellen?"
Schon einmal daran gedacht, das Kommentare wie Ihrer, dazu beitragen, dass Sie sich ganz von allein in die rechte Ecke stellen ?

[Liebe/r Mizzi,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

22.03.2019 12:11 Martin Vomberg 43

Wie man hier an vielen Kommentaren, die teilweise an Unsachlichkeit und Aggressivität im Ton nicht mehr zu überbieten sind, sehr schön ablesen kann: Getroffene Hunde bellen!

22.03.2019 11:45 Mizzi 42

Dieter 27:"Eine junge Frau kommt aus dem Westen nach Bautzen, will hier "Nazis" bekämpfen... "Frau Schmidt ist aufgrund ihrer Arbeit nach Bautzen gekommen, was ist daran schlecht braunen Ungeist anzuprangern ?
" Sie lässt sich instrumentalisieren und zur "Demokratiebotschafterin" machen."
Wer soll das sein der sie instrumentalisiert ? Wenn man keine Argumente mehr hat sind dann immer fremde Mächte am Werk oder wie ?

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