Debatte um zivilgesellschaftliches Engagement Grünen-Chef Habeck in Bautzen: "Über Probleme zu reden, nennt man Demokratie"

Mit ihren couragierten Äußerungen in sozialen Medien über Rechtsextreme und Rassismus in Bautzen hat Annalena Schmidt viel Aufsehen erregt. Einige Einheimische beschimpfen die 32-Jährige als Nestbeschmutzerin - und das sind noch die höflichen Zeitgenossen. Rechte und Populisten feinden sie anonym an und schicken Morddrohungen. Dennoch setzt sich Schmidt für Bautzen ein. Am Donnerstag bekam sie Besuch vom Bundesvorsitzenden der Grünen, Robert Habeck. Ihr Thema: Einsatz für die Zivilgesellschaft.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, hat in Bautzen für einen offenen Dialog geworben. "Die politische Aufgabe ist im Moment erstmal zu verstehen, was hier politisch los ist, nicht nur in Bautzen und Sachsen. Öffentlich über Probleme zu reden, nennt man Demokratie und demokratischen Diskurs. Das muss möglich sein", sagte Habeck. Seinen Besuch im sächsischen Bautzen nutzte Habeck am Donnerstag, um sich mit der Bloggerin Annalena Schmidt zu treffen. Mit ihr und Grünen-Mitgliedern aus der Region diskutierte er über Rechtsextremismus und zivilgesellschaftliches Engagement. Diskurs bedeute nicht, dass alle gleich einer Meinung sein müssten, meinte Habeck. Es könne auch bedeuten, dass man sich ungerecht behandelt fühle. Die Auseinandersetzung damit könne das Eis des Schweigens brechen.

Die Bloggerin und Historikerin Annalena Schmidt ist bekannt für ihre öffentliche Kritik am gesellschaftlichen Leben in Bautzen und Sachsen. Vor allem auf Twitter kritisiert sie das Schweigen gegenüber Extremismus und Rassismus. Dafür wurde Schmidt heftig angefeindet und erhielt Morddrohungen. Rechte wollten sogar eine Demonstration gegen die junge Frau organisieren.

Schmidt, die 2018 von der Bundesregierung als Botschafterin für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet worden ist, kandidiert im Mai 2019 als Parteilose auf der Liste der Grünen für den Stadtrat in Bautzen. Über ihre Wahlchancen schrieb die Bloggerin am Mittwoch in einem Tweet: "Die Chancen, dass ich in den Stadtrat gewählt werde, schätze ich gering ein! Ich werde damit wohl die bekannteste Nichtstadträtin Deutschlands."

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 21.03.2019 | 19:00 Uhr

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