27.11.2019 | 11:45 Uhr Drei Sorbinnen eröffnen Hebammenpraxis in Schweinerden

Eine Hebamme für Geburtsvor- und -nachsorge zu finden, ist auf dem Land ähnlich schwer, wie einen Facharzttermin zu bekommen. In der Gemeinde Panschwitz-Kuckau wollen drei junge Hebammen mit einer Gemeinschaftspraxis Abhilfe schaffen.

Die Hebammen Christina Schmole, Theresa Wocko und Hanka Paulik in ihrer neuen Praxis in Schweinerden.
Die Hebammen Christina Schmole, Theresa Wocko und Hanka Paulik in ihrer neuen Praxis in Schweinerden. Bildrechte: MDR/Bettina Wenderoth

Zuerst waren es "Flausen im Kopf" - die Idee einer eigenen Hebammenpraxis. Doch als Christina Schmole mit ihrem Mann den Bau des gemeinsamen Eigenheims plante, wurde deutlich, dass im Nebengebäude noch Platz wäre und die Pläne für eine eigene Praxis wurden konkreter.

"In meinem Kopf war das sowieso für irgendwann schon vorgesehen. Dass sich zwei Kolleginnen dann mit anschließen wollten, das war mein Glück, dass ich nicht alleine dastehe, sondern noch jemanden mit dabei habe", erzählt die 26-Jährige.

Theresa Wocko und Hanka Paulik kommen aus Nachbarorten. Mit Hanka arbeitet Christina sogar am selben Krankenhaus in Dresden. Am Klinikum "Josephstift" ist Christina Schmole seit dem Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2016 als Hebamme angestellt.

Ein Wagnis zu dritt

"Wir haben uns gesagt, wir sind drei junge Kolleginnen. Wäre doch gut, wenn wir uns zusammenschließen und uns dadurch unterstützen können. Also zum Beispiel, wenn jemand mal krankheitsbedingt ausfällt, dass man da einfach kurze Wege hat und jemanden benachrichtigen kann und dass man eben nicht alles selber erlernen muss, sich austauschen und ergänzen kann", sagt Christina Schmole. So hat ihre Kollegin Hanka Paulik eine Ausbildung in Akkupunktur. Theresa Wocko hat sich in Homöopathie weitergebildet. Dieses Wissen bringen die beiden in die Praxis ein.

Alle drei arbeiten neben ihren Diensten in Geburtskliniken auch schon freiberuflich. Christina Schmole entschloss sich vor einem Jahr dazu. Immer mehr Mütter hatten sie damals um eine Geburtsnachsorge gebeten. Ihr gefällt die ganzheitliche Betreuung der Frauen. "Das ist das Schöne an der Vor- und Nachsorge, dass man die Frauen etwas länger betreuen kann und dann auch einen Veränderungsprozess sieht und sie nicht nur für drei, vier Stunden im Kreißsaal begleitet", erklärt Schmole.

Das erste eigene Kind - Impuls über die berufliche Zukunft nachzudenken

Dann erwartete sie ihr erstes eigenes Kind. Auch wegen der Geburt ihres Sohnes möchte sie künftig häufiger Mütter in ihrer Heimat betreuen und seltener für Dienste an die Klinik in Dresden pendeln. Doch ganz auf die Arbeit an der Klinik verzichten, möchte sie vorerst nicht. Die Geburten würden ihr sonst fehlen. "Nur Vor- und Nachsorge ist dann auch nicht das, was das Hebammensein ausmacht, das sind schon eher die Geburten", begründet sie.

Außerklinische Geburten in der Praxis oder bei den Müttern zu Hause anzubieten, kommt für die drei Hebammen nicht in Frage. Sie hätten dann für solche Dienste hohe Versicherungssummen von um die 8.000 Euro im Jahr zu bezahlen. Jetzt beschränkt sich ihr Versicherungsbeitrag auf bis zu 1.000 Euro für jede von ihnen. "Das lässt sich noch hereinarbeiten", sagt Schmole. Bei der Gründung ihrer Praxis sei das kein Hemmnis gewesen.

Geburtsvorbereitung auch auf Sorbisch

Weil alle drei Hebammen sorbische Muttersprachlerinnen sind, wird das Sorbische in der Betreuung der Schwangeren eine Rolle spielen. "Wenn den Kurs Frauen besuchen, die kein Sorbisch können, wird der Kurs natürlich auf Deutsch ablaufen", betont Christina Schmole. "Frauen, die Sorbisch können, die betreuen wir in der Vor- und Nachsorge aber auch auf Sorbisch." Darauf legen die Hebammen wert. Auch untereinander sprechen sie Sorbisch.

Ihrer Praxis gaben die drei dann auch einen sorbischen Namen: "Kolebka" heißt "Wiege". Eine große blaue Wiege steht auch schon in den Praxisräumen. Die Hebammen haben sie von einer Familie aus Panschwitz-Kuckau geschenkt bekommen. "Das ist eine superalte Wiege, da lagen schon Generationen von Kindern drin", erzählt Christina Schmole. Der Kursraum ist grün-weiß gestrichen. Der Fußboden mit Kork ausgelegt. "Mir war wichtig, dass man hier reinkommt und sich wie zu Hause fühlt und nicht wie einem sterilen Raum in einem Krankenhaus", erklärt Christina Schmole.

Im Januar sollen in der Praxis in Schweinerden die ersten Kurse starten. Bis zu acht Frauen werden die Hebammen in einem Geburtsvorbereitungskurs betreuen. Monatlich sollen neue Kurse beginnen. Die ersten sind schon ausgebucht. Im Januar und Februar aber sind noch einige Plätze frei.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.11.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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