28.01.2020 | 11:15 Uhr Bombardier und Bahn räumen Probleme mit neuen IC2-Doppelstockwagen ein

Die Deutsche Bahn will 25 neue Intercity-Züge, die in der Oberlausitz gefertigt wurden, wegen technischer Mängel nicht vom Hersteller Bombardier abnehmen. Darüber berichten mehrere Medien, unter anderem die ARD-Tagesschau, mit Verweis auf interne Bahndokumente.

Auf Anfrage von MDR SACHSEN bestätigte ein Bahnsprecher in wesentlichen Teilen die Berichte. "Richtig ist, dass wir derzeit 25 IC2-Züge der zweiten Bauserie mängelbedingt nicht vom Hersteller abnehmen." Man setze "auf Grundlage verlässlicher Vorschläge jetzt auf eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller und prüfen darüber hinaus auch alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel". Interne Dokumente und Marktgerüchte kommentiere die Deutsche Bahn AG aber grundsätzlich nicht, hieß es weiter.

Für unsere Kunden und einen pünktlichen Bahnbetrieb bringen wir nur Züge zum Einsatz, die einwandfrei funktionieren.

Deutsche Bahn AG

Fahrzeughersteller gelobt Besserung

Bombardier räumte ein, dass die Doppelstockzüge vom Typ IC2 nicht - so wörtlich - mit der "selbst erwarteten Zuverlässigkeit in Betrieb sind". Man bedauere die Unannehmlichkeiten, die der Deutschen Bahn und ihren Fahrgästen dadurch entstehen. Weiterhin erklärte ein Unternehmenssprecher, dass derzeit gemeinsam mit der Deutschen Bahn an einem "Maßnahmenpaket und Aktionsplan" gearbeitet werde, "um die Zuverlässigkeit der IC2-Züge zeitnah deutlich zu verbessern".

In Görlitz werden die Wagenkästen gefertigt und lackiert, in Bautzen findet die Endmontage statt.

Berichte: Probleme mit dem Betriebssystem

Den Medienberichten zufolge gibt es mit dem Betriebssystem der Züge Probleme. Dieses breche zusammen und müsse zeitaufwendig von Lokführern neu gestartet werden. Die IC2-Züge werden ähnlich wie Triebwagen als feste Einheiten betrieben. Sie bestehen aus einer Elektrolokomotive und fünf Waggons, wobei der letzte Waggon eines jeden Zuges über ein Steuerabteil verfügt. An End- und Kopfbahnhöfen können die Züge schnell ohne Rangieren die Richtung wechseln. Gibt es jedoch Störungen an einem einzelnen Wagen, wird dieser nicht aus dem Zug ausgesetzt. Stattdessen muss der ganze Zug zur Reparatur einrücken.

Aussetzen von Eisenbahnwagen Aussetzen von Eisenbahnwagen bezeichnet das Herausnehmen einzelner Waggons aus einem Zug. Das geschieht an geeigneten Bahnhöfen mit Rangierpersonal etwa dann, wenn Defekte an Waggons festgestellt werden. Der Zug kann dann ohne den defekten Wagen seine Fahrt fortsetzen.

Die Doppelstockwaggons für die IC2-Züge sind etwas komfortabler ausgestattet als baugleiche Doppelstockwagen für den Nah- und Regionalverkehr. Reisende werden auf vielen Streckenabschnitten im IC2 aus einem mobilen Bordcafé auf Wunsch mit Snacks und Getränken versorgt. Bahnfans bezeichnen den Zug wegen seiner Ähnlichkeit zu Regionalexpress-Zügen auch augenzwinkernd als "Teppich-RE".

Seit fünf Jahren mit Fahrgästen unterwegs

Westbahn-Zug
Zwischen Dresden und Warnemünde sollen ehemalige Westbahn-Triebwagen als Intercitys fahren. Bildrechte: dpa

Die neuen Doppelstock-IC kommen seit fünf Jahren zum Einsatz. Seither fielen die Züge wiederholt durch Störungen auf, anfangs schaukelten die Waggons beispielsweise bei schneller Fahrt sehr stark. Das Problem wurde abgestellt. Laut Homepage der DB AG sind 40 IC2-Züge in Betrieb. Ein Bahnsprecher wollte diese Zahl auf Nachfrage nicht bestätigen. Die erste Serie der IC2 wird ausschließlich mit Elektroloks der Baureihe 146, die zweite Bauserie mit Elektroloks der Baureihe 147 bespannt.

Die IC2 sollen ältere Intercity-Züge ersetzen und künftig auch auf neuen IC-Linien zum Einsatz kommen. Aktuell rollen die in ICE-Weiß mit rotem Streifen lackierten Wendezuggarnituren zwischen Dresden und Köln, Leipzig und Emden, Nürnberg und Karlsruhe sowie Stuttgart und Singen. Auf die neue IC-Linie zwischen Dresden und Warnemünde sollen ab März jedoch andere Doppelstock-Triebwagen rollen, die die Deutsche Bahn von der österreichischen Westbahn gekauft hat und derzeit für ihre Bedürfnisse aufarbeitet.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.01.2020 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 11:06 Uhr

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