24.03.2020 | 13:18 Uhr Pflegeheimleiter: Stimmung ist gedrückt

Menschen in Pflegeeinrichtungen treffen die derzeitigen Corona-Schutzmaßnahmen besonders hart. In den Pflegeheimen der Diakonie im Raum Bautzen sind seit nun fast zwei Wochen Besuche von Angehörigen tabu. Wie gehen die älteren Menschen damit um? MDR SACHSEN hat mit Robert Geburek gesprochen. Er leitet das Pflegeheim "Zur Heimat" in Bischofswerda.

Anna Hardt, Bewohnerin, sitzt in ihrem Zimmer im Johannes-Sondermann-Haus des AWO Altenzentrum.
Bildrechte: dpa

Herr Geburek, Sie haben 67 Bewohner in Ihrer Einrichtung. Wie kommen die Einschränkungen im Alltagsleben dort an?

Wir haben jetzt Tag elf, dass wir konsequent keine Besucher reinlassen. Auch der Besuch von Kindern einer Partnerschule bleibt aus. Ich zähle so genau mit, weil es schon ein schwieriger Einschnitt für die alten Menschen ist. Die meisten verstehen, dass es zu ihrem Besten geschieht. Die Stimmung ist insgesamt gedrückter und ruhiger als sonst. Die jüngeren, geistig fitten Menschen - so zwischen 70 und Anfang 80 - sind sehr nachdenklich. Sie fragen sich, wie lange der Zustand noch anhält und welche Gefahren jetzt für sie selbst und ihre Angehörige bestehen.

Reingeschaut Der Alltag im Pflegeheim Bischofswerda

Das Team des Plflegeheims "Zur Heimat" in Bischofswerda gibt sich alle Mühe, die Besuchssperre zu kompensieren. Es wird gebastelt, gekocht, gemalt.

Alltag im Pflegeheim Bischofswerda.
Derzeit sind die Bewohner des Pflegeheims Bischofswerda viel auf sich gestellt. Denn Besucher von außen haben wegen der Corona-Gefahr keinen Zutritt. So eine gesellige Runde ist da ganz besonders wichtig und schweißt zusammen. Bildrechte: Robert Geburek
Alltag im Pflegeheim Bischofswerda.
Derzeit sind die Bewohner des Pflegeheims Bischofswerda viel auf sich gestellt. Denn Besucher von außen haben wegen der Corona-Gefahr keinen Zutritt. So eine gesellige Runde ist da ganz besonders wichtig und schweißt zusammen. Bildrechte: Robert Geburek
Alltag im Pflegeheim Bischofswerda.
Osterbasteleien beschäftigen und verschönern die Zimmer. Ganz nebenbei bleiben Hände und Finger mobil. Bildrechte: Robert Geburek
Alltag im Pflegeheim Bischofswerda.
Geschenke-Beutel: Angehörige geben fast jeden Tag kleine Portionen Trost an der Pforte ab. Lektüre und Nervennahrung sind besonders beliebt. Bildrechte: Robert Geburek
Alltag im Pflegeheim Bischofswerda.
Die Gartenanlage steht zum Glück noch zur Verfügung, einfach um mal frische Luft zu schnappen. Bildrechte: Robert Geburek
Alle (4) Bilder anzeigen

Können Sie etwas tun gegen die Einsamkeit und das Grübeln?

Wir haben die Dienstpläne komplett umstrukturiert. Mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern versuchen wir die Betreuung am Nachmittag und am Wochenende  auszudehnen. Das sind die Momente, in denen die Zeit den Älteren schon mal lang wird, wo sonst Besuche kommen. Wir arbeiten nun verstärkt mit geteilten Diensten, das ist eine extra Belastung für unsere Pflegekräfte. Ich bin sehr froh über die Bereitschaft aller, da mitzuziehen. Viele meiner Mitarbeiter bieten von sich aus an, am Wochenende oder noch mal am Abend reinzukommen.

Und rührend ist auch, wie die Angehörigen versuchen, ihre Eltern und Großeltern zu trösten: Jeden Tag werden kleine Geschenke an der Pforte abgegeben: Kuchen, Schokolade, Blumen. Das ist schön und hilft! Abends wird dann telefoniert und damit Kontakt gehalten.

Gibt es bei Ihnen auch Bewohner, die fit in Videotelefonie, wie zum Beispiel Skype, sind?

Das ist ein gutes Stichwort! Bisher nutzt das noch keiner unserer Bewohner privat. Aber wir haben heute in unserem Krisenstab darüber gesprochen, dass wir das einführen wollen, wenn der Zustand länger anhält.

Sollte das Besuchsverbot bis Ostern anhalten, wollen wir die Videotelefonie versuchen. Insofern hat diese Krise vielleicht auch etwas Gutes – wir gehen endlich neue Wege, die auch im normalen Alltag bereichernd sein können.

Vielleicht auch ein Anlass, über eine Heimkatze nachzudenken?

Ja, die hatten wir bis sie vor zwei Jahren an Diabetes gestorben ist. Damit haben wir gute Erfahrungen gesammelt.

Eine Katze in einem Seniorenzentrum
Stimmungsaufheller Miezekatze. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Anderes Thema: Ihre Pflegekräfte. Werden die standardmäßig auf Corona getestet?

Bisher nicht. Wir klären sie regelmäßig darüber auf, wie sie sich privat bestmöglich schützen können. Es herrscht da ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl.

Wie stehen Sie zu einer routinemäßigen Kontrolle?

Wenn das Gesundheitsamt das beschließen würde, würde ich das begrüßen. Auch wenn es heißt, dass die Tests nicht immer so zuverlässig sind.

Mangelt es Ihnen an Material – Hygieneartikel, Desinfektionsmittel oder ähnlichem?

Wir haben alles für acht Wochen auf Lager. Damit haben wir unseren Bestand an Toilettenpapier, Handschuhen, Desinfektion und so weiter verdoppelt. Mehr würden wir rein platzmäßig gar nicht mehr unterbekommen. Das, was uns fehlt, sind Mundschutz-Masken mit Filtern. Die sind derzeit nicht zu bekommen. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie gesund!

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.03.2020 | 15 -16 Uhr

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen