Zwei Wölfe stehen nebeneinander
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Der Wolf als Gefahr? CDU Sachsen startet Kampagne zum Wolfsabschuss

Die CDU in Sachsen fordert eine Lockerung der Abschussregeln für den Wolf und stellt den strengen Artenschutz infrage. Seit Mittwoch wirbt die Union im Internet für Unterstützer. Tierschützer reagieren entsetzt.

Zwei Wölfe stehen nebeneinander
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Mit einem einfachen Klick auf den "Ich unterstütze das"-Button und der Angabe der eigenen Mailadresse ist es getan. Schon gehört man zu den hundert ersten Unterstützern der CDU-Kampagne im Internet. Die Schlagworte auf der Homepage machen dem Leser deutlich, dass sich Konflikte mit dem Wolf in erster Linie durch eines lösen lassen: den Klick am Abzug.

"Wir nehmen wahr, dass das Thema Wolf in Sachsen mit einer großen Kontroverse behaftet ist", erklärt dazu Alexander Dierks, Generalsekretär des CDU-Landesverbandes Sachsen. Der Wolf habe sich gerade für Nutztierhalter in bestimmten Teilen Sachsens zum Problem entwickelt. Darauf aufmerksam zu machen, sei Gegenstand dieser Kampagne, mit der man sich an den Bund wenden möchte, so der CDU-Politiker. Und weil in den vergangenen Monaten vielfach Schafe in Ostsachsen gerissen wurden, muss es für solche Fälle Möglichkeiten geben, Abschüsse schnell zu realisieren, findet Dierks.

Tierschützer sind entsetzt

Tierschützer sind über diese Denkweise entsetzt. "Der Wolf stellt keine Gefahr für den Menschen dar", sagt Volker Kurz. Er engagiert sich ehrenamtlich im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für den Artenschutz in Sachsen. Kurz ist absolut gegen den Abschuss des Tieres. "Der Wolf reguliert sich selbst, ähnlich wie der Rotfuchs", ist er überzeugt. Nach seinen Beobachtungen hat die Wiederansiedlung des Raubtieres positive Effekte auf das Ökosystem. Andere Tiere verhielten sich wieder artgerecht: Wildschweine rotteten sich zusammen, Rehe würden scheu.

Das Problem liegt laut Kurz an den schlechten Arbeitsbedingungen der Schäfer. "Schäfer arbeiten betriebswirtschaftlich am Limit - jetzt kommt der Wolf noch obendrauf. Zielführend wäre die Einführung einer Weidetierprämie", schlägt er vor. Für den Naturschützer steht fest, dass bei den aktuellen Maßnahmen nachgebessert werden muss. Es brauche mehr Manpower, das Aufstellen von Zäunen sollte nicht zu 80, sondern zu 100 Prozent gefördert werden und auch alternative Schutzmaßnahmen sollte man finanziell mehr unterstützen. So habe man in der Schweiz gute Erfahrung mit Alpakas gemacht, die Schafsherden gegen Wölfe verteidigen.

gerissene Schafe auf Weide
November 2016 in der Oberlausitz - in Cunnewitz wurden mehrere Schafe von Wölfen gerissen. Bildrechte: MDR / Viola Simank

AfD fordert Jagdzeiten und Abschussquoten

Landtagsabgeordneter Wolfram Günther, Landesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen, sieht in der neuen CDU-Kampagne eine Hofierung potenzieller AfD-Wähler. Hier gehe es nicht um Lösungen, sondern um Stimmungsmache. Die CDU breche damit aus einem breiten gesellschaftlichen Konsens aus, den man sich in Sachsen mit dem Wolfsmanagementplan erarbeitet hatte, so der Grünenpolitiker.

Stimmung gegen den Wolf macht gerade die AfD-Fraktion im Kreistag Görlitz. Sie fordert in einem Antrag, die Wolfsansiedlung rückgängig zu machen: Der Landkreis Görlitz soll als eine für die Besiedlung des Wolfes ungeeignete Zone ausgewiesen werden, da dies sonst dem Schutz der Bevölkerung, dem Tourismus und der Weidetierhaltung entgegen stünde. Auch soll der Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufgenommen werden, lautet ein Punkt im Antrag.

Gefahr der Ausrottung

"Bei einer Abschussgenehmigung besteht die Gefahr, den Wolf wieder auszurotten", sagt David Greve, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen. Deshalb dürfen nach europäischem und deutschem Recht diese Tiere grundsätzlich nicht gejagt werden. Derzeit arbeitet die Organisation eine Position aus, die über den Umgang mit dem Raubtier aufklären soll und sich dezidiert mit den Forderungen der Politik auseinandersetzt. "Wir glauben, dass der Wolf in Koexistenz mit uns Menschen leben kann. Die Angst vor ihm ist nicht gerechtfertigt", so Greve.

Laut aktuellem Wolfsmonitoring gibt es in Sachsen derzeit 17 Wolfsrudel und vier Wolfspaare.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.09.2018 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 13:39 Uhr

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30 Kommentare

21.09.2018 10:37 Frielendorfer 30

@Stefan 21.09.2018
Schauen Sie sich mal die einschlägigen Jagdzeitschriften an! da wird die Wolfsjagd geradezu als Event angepriesen! Was wollen die Jäger? Die Trophäe natürlich!!
@G. Schmitz 20.09.2018
Guter Beitrag! Was ich noch hinzufügen möchte: Regulierung ist rechtlich nicht möglich und zudem Unsinn, da es den Schafhaltern nichts bringt. Den Schäfereien ging es auch vorher, ohne Wolf nicht gut. Eine Mutterschafprämie und Unterstützung
im Herdenschutz ist die richtige und einzige Lösung , das wäre die Aufgabe der Politik.
Zum Thema Hybriden gibt es interessante und aufklärende Beiträge von U. Wotschikowsky auf Wolfsite.
Und zum Schluss: nicht jeder Wolf, der zufällig gesichtet wird, wie er über einen Acker läuft, ist gleich ein Problemwolf !!

21.09.2018 09:00 Stefan 29

@19.09.2018 23:03 Bürgerin 12: "Wenn man den Wolf ins Jagdrecht aufnimmt, wird er wieder ausgerottet?...Aha, die Jäger rotten also die Tiere in unseren Wäldern ohne Sinn und Verstand aus." - Nein, Wölfe und Bären haben sich in unseren Wäldern von alleine, also ohne Zutun von Jägern ausgerottet. Ironie aus.

20.09.2018 00:20 G. Schmitz an Wolfgang Nawalny 28

Selbstverständlich hat der Wolf eine Funktion (Hallo!? Naturgesetz!!!)
er reisst Wild, in der Regel kranke und schwache Tiere und
er füttert viele andere Tiere mit seinem Riss noch mit durch,
nebenbei ist er noch Hobbygärtner, weil er Landschaften vor Überweidung schützt,
frische Triebe sind bei den Pflanzenfressern schliesslich stets gefragt.

Kein Mensch kann einen natürlichen Wildbestand regulieren,
entweder wird Wild ausgerottet (siehe Wolf) oder die Populationsdynamik beim Wild
steigt an (Wildschweine und Füchse).

Und wenn andere europäische Staaten meinen sie würden regulieren,
durch die Bejagung gibt es nicht bedeutend weniger Risse an Nutztiere durch Wölfe,
es füllt aber die Kassen, denn Jagdausflüge und Abschussgebühren bringen viel Geld ein.

Solche Fisimatenten möchte ich aber hier nicht haben.

20.09.2018 20:40 Wolfgang Nawalny 27

Diejenigen, die nicht davon betroffen sind, reißen den Hals am weitesten auf und geben "klug theoretische Abhandlungen" von sich. Das war mit der Waldschlösschenbrücke so, mit den Elbestaustufen die den Tschechen am liebsten weggerissen werden sollten und bei Demos werden ja die "Aktivisten" aus der weiten Ferne angekarrt.
Der Wolf hat in den dichtbesiedelten Räumen eines landstrukturierten Deutschlands keine Funktion mehr, da die "Wildbestände" in der Kulturlandschaft eben reguliert werden. Übrigens werden in anderen europäischen Staaten Wölfe reguliert.

20.09.2018 17:33 Luftikus 26

Ein schönes Buch von Elli Radinger, beschäftigt sich mit der Weisheit der Wölfe. Dem größten Raubtier, dem Menschen, fehlt sie leider viel zu oft. @20 kann ich mich nur anschließen. Was den Klassenerhalt des FCM betrifft, bitte Herrn Haseloff ranlassen(Satire aus).

20.09.2018 17:08 ach so 25

Ich verstehe die Diskussion nicht. Es gab bereits eine Debatte im Bundestag bei der alle Parteien (außer Grüne ) sich einig waren : der Wolf darf sich nicht ungehindert ausbreiten!

20.09.2018 15:44 Ich höre immer nur Wolf... 24

Langsam müsste es klar geworden sein, dass es sich nicht um den guten oder bösen Wolf handelt, sondern eher um Wildwolfs-Hunde, die sich vermischt haben und die Tricks der Menschen kennen! Wer von ihnen erwartet, dass sie sich in einer veränderten Umwelt so verhalten, wie reine Wölfe, der irrt gewaltig. Jedes Lebewesen auf der Welt ist schützenswert und nicht nur die Wolfshunde! Ich denke nur an die sinnlos geführten Kriege auf den Rücken anderer Leute! Habe aber nichts gegen Notwehr.

20.09.2018 13:44 Solveig Ilchmann 23

Warum soll der Wolf abgeschossen werden? Ihr habt den Wolf hier her geholt, der eigentlich in den sibirischen Wäldern beheimatet ist und nun soll er wieder von hier verschwinden und einfach abschiessen, das geht so nicht. Sie müssen sich schon vorher überlegen was man kann oder nicht! Warum sind die Schaefer auch über Nacht bei den Tieren, dann wuerden nicht die Schafe gerissen, aber das ist wohl eine zu hohe Anforderung! Denkt mal darüber nach.

20.09.2018 13:29 b.Waldheim 22

Es ist einfach unglaublich. Durch Populismus und Nichtwissen wird hier mal wieder Stimmung gemacht.
Und es gibt (LEIDER) immer noch unaufgeklärte Menschen, die dies glauben.
Schützt Eure Herden richtig (Zäune, Herdenschutzhunde) und Ihr habt keine Sorgen mehr. Und den Politikern, welche sich vor so einen Karren spannen lassen......... Einfach nicht mehr wählen!!!

20.09.2018 10:14 Frielendorfer 21

Ich hab mir nochmal das Beitragsfoto genauer angeschaut.
Also hier war Herdenschutz definitiv nicht gegeben, ok das war 2016... aber wenn Schafe heute noch genauso eingezäunt gehalten werden, hat man nichts dazu gelernt.

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