Rechtsstreit Schwimmende Häuser am Geierswalder See: Eigentümer verklagt Landkreis

Holm Nehrig steht am Ufer des Geierswalder See. Hinter im befinden sich die Schwimmenden Häuser.
Holm Nehrig ist der Ansicht, dass die Genehmigung der schwimmenden Häuser am Geierswalder See eine Fehlentscheidung war. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Sie gelten als ein Aushängeschild des Lausitzer Seenlandes - die schwimmenden Häuser am Geierswalder See. Jetzt sind sie Gegenstand einer Zivilklage gegen den Landkreis Bautzen. Die HDN Tourist GmbH, der drei von insgesamt fünf Häusern am See gehört, hat den Landkreis auf rund 3,5 Millionen Euro Schadensersatz wegen Amtspflichtverletzung verklagt.

Es handle sich um eine Amtshaftungsklage gegen den Landkreis Bautzen. Die Klageschrift sei Anfang September beim Landgericht Görlitz eingegangen, sagte Gerichtssprecher Reinhard Schade MDR SACHSEN. Bei der sogenannten Amtshaftungsklage wird einer Behörde vorgeworfen, fehlerhaft gehandelt zu haben. Wäre dies der Fall, können Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Übliche Beispiele sind laut Landgerichtssprecher Klagen, wenn etwa eine Baustelle nicht ausreichend gesichert wurde oder einem Bürger durch ein Schlagloch ein Schaden entstand. Der aktuelle Fall sei in seiner Größenordnung ungewöhnlich, so Schade.

Häuser trieben bei Sturm ab

Ausgangspunkt für den Streit waren Stürme, die im Oktober 2017 über Sachsen hinwegzogen. Dabei hatten sich zwei der drei schwimmenden Häuser von HDN Tourist vom Steg gelöst und waren abgetrieben. Alle drei Häuser sind seither amtlich gesperrt und können nicht vermietet werden. Holm und Dirk Nehrig, die Geschäftsführer der HDN Tourist, sind seit dem Sturmunglück davon überzeugt, dass die Bauten eklatante Sicherheitsmängel haben und nicht für den Wellengang und die Windstärken auf dem Geierswalder See ausgelegt sind. Zunächst klagten sie gegen den Erbauer - die Wilde Metallbau Firma - auf Rücknahme der Häuser. Ein Schiedsgericht gab der HDN Tourist im vergangenen Jahr recht. Wilde Metallbau befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren.

Verschrotten als Option

Nun versuchen die Nehrigs, den Landkreis in die Verantwortung zu nehmen. Für die schwimmenden Häuser hätte gar nicht erst die wasserrechtliche Genehmigung ausgereicht werden dürfen, die Sicherheitslage sei unzureichend geklärt worden, es habe Verfahrensfehler gegeben, so die Argumentation von Holm Nehrig. Der Landkreis äußert sich zu den Gebäuden am Geierswalder See nicht. Man könne aus versicherungsrechtlichen Gründen keine Auskunft geben, heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Die Nehrigs haben sich inzwischen von einem eigenen Tourismusbetrieb am Lausitzer Seenland verabschiedet. Man könne diese Häuser durchaus technisch wieder instandsetzen, bejaht Holm Nehrig. "Aber das Geld werden wir nicht ausgeben. Wir überlegen sehr intensiv, diese Häuser - auch zur Gefahrenabwehr - allesamt aus dem Wasser zu nehmen, sie zu zerlegen und in allen Einzelteilen zu entsorgen".

Der Geierswalder See im Lausitzer Seenland
Der Geierswalder See im Lausitzer Seenland. Bildrechte: LMBV/Peter Radke

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.09.2020 | ab 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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