Kreuze auf dem Protschenberg
Holzkreuze mit Namen von Terroropfern wurden am Wochenende auf dem Bautzener Protschenberg aufgestellt. Bildrechte: privat

Namen von Terroropfern benutzt Kreuze auf dem Protschenberg in Bautzen aufgestellt

Vor Bautzens Altstadtkulisse haben am Wochenende Unbekannte Kreuze aufgestellt. Auf ihnen waren unter anderem Namen von Terroropfern zu lesen. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Kreuze auf dem Protschenberg
Holzkreuze mit Namen von Terroropfern wurden am Wochenende auf dem Bautzener Protschenberg aufgestellt. Bildrechte: privat

Der Protschenberg in Bautzen ist bei Spaziergängern ein beliebtes Ziel. Vom Hügel an der Spree bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Altstadt. Am Wochenende sahen sich die Bautzener hier mit einer makaberen Aktion konfrontiert. Unbekannte hatten auf städtischen Grund und Boden große Holzkreuze aufgestellt. Nach Angaben der Polizei waren auf ihnen Namen und Todesdaten von Menschen zu lesen, die durch Ausländer getötet wurden. Darunter befanden sich etwa Opfer des Attentates auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016. Ein Kreuz trug die Inschrift "Der nächste Einzelfall".

Die Polizei hatte die Aktion zunächst als Ordnungswidrigkeit verbucht und am Sonnabend die Kreuze einkassiert. Als am Sonntag neue auf dem Protschenberg standen, wurden auch diese entfernt. Insgesamt 23 Kreuze hat die Polizei an beiden Tagen sichergestellt.

Das ist eine widerwärtige Darstellung. Dahinter steht eine hetzerische Intention.

Alexander Ahrens Oberbürgermeister von Bautzen

Für Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) handelt es sich nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, die mit dem Aufstellen der Kreuze begangen wurde. Seiner Ansicht nach greift der Straftatbestand der Volksverhetzung. Es sei nicht ungesetzlich, die Zuwanderungspolitik der Bundesregierung zu kritisieren, so Ahrens. Es sei aber sehr wohl gesetzwidrig, eine ganze Gruppe - nämlich die Flüchtlinge an sich - anzuprangern und zu sagen, die seien hierhergekommen, um Leute zu töten. "Das ist eine Verallgemeinerung, die nicht zulässig ist und die ich als absolut widerwärtig empfinde", sagt der Oberbürgermeister MDR SACHSEN.

Stadtrat Roland Fleischer: "Andenken der Verstorbenen verunglimpft"

Stadtrat Roland Fleischer
SPD-Stadtrat Roland Fleischer Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

SPD-Stadtrat Roland Fleischer, der von einem Spaziergänger über den Vorfall informiert wurde, ist alarmiert. "Das ist Hetze. Hier wollen Rechtsextreme gegen Ausländer eine Kollektivschuld aussprechen", sagte der Stadtrat, der noch am Sonntag den Oberbürgermeister ans Telefon holte. Zudem werde das Andenken der Verstorbenen verunglimpft. Man müsse alles tun, um solchen Dingen entgegenzuwirken, betonte Fleischer im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Der Stadtrat vermutet, dass die örtliche Identitäre Bewegung hinter der Aktion steckt. Ein Eintrag der "Identitäre Bautzen" auf der Nachrichtenplattform Twitter legt das nahe. Die Kreuze stehen für die "unzähligen Opfer einer unverantwortlichen Migrationspolitik", heißt es dort. Dazu ist ein Foto vom Protschenberg eingeklinkt.

Staatsschutz ermittelt

Die Polizei hat nach eigener Aussage inzwischen sehr konkrete Anhaltspunkte, wer hinter der Tat steckt. Zeugen hätten ein Fahrzeug und Personen beim Aufstellen der Holzkreuze beobachtet, so ein Sprecher. Auch ermittelt jetzt der Staatsschutz. Die Stadtverwaltung Bautzen, auf deren Grundstück die Kreuze aufgestellt wurden, wartet nun die Ermittlungen ab.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2019 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 18:01 Uhr

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