16.01.2020 | 19:00 Uhr Lausitzer Ölmühle mit Trendprodukten auf der Grünen Woche

Produktionsmitarbeiter Andreas Groba prüft an einer der Pressen der Ölmühle die geschrotete Leinsaat.
Produktionsmitarbeiter Andreas Groba prüft an einer der Pressen der Ölmühle die geschrotete Leinsaat. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Die Oberlausitz präsentiert sich ab Freitag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Wie schon im Vorjahr werden dort elf regionale Produzenten vertreten sein – unter ihnen die Lausitzer Ölmühle aus Hoyerswerda. Das Unternehmen stellt seine Produkte zum sechsten Mal auf der weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau vor.

"Wir sind im Verbund 'Die Lausitz schmeckt', die sachsenweit Produkte vertreibt und wir versuchen dort neue Partner zu finden", erklärt Regine Jorga, Geschäftsführerin der Lausitzer Ölmühle. So will sie vor allem Kontakte zu anderen Lebensmittelproduzenten knüpfen, will erfahren, was sie anbieten und ob sie ihr Leinöl mit verkaufen könnten.

Akzeptanz neuer Produkte testen

Große Hoffnungen auf Erfolge macht sie sich nicht. Die Grüne Woche sei mehr "Show". "So viele neue Kunden finden Sie dort nicht. Das sind eher Privatkunden, die zu uns kommen und interessiert sind. Aber von den Firmen, die sich selber präsentieren, gibt es nur wenige, die dann auch unser Leinöl mögen", berichtet Jorga.

Deshalb will die 67-Jährige die Messe auch dazu nutzen, die Akzeptanz neuer Produkte zu testen. Neben dem gefilterten und ungefilterten Leinöl hat sie auch die "Lausitzer Créme" im Gepäck. Der Brotaufstrich ist aus einem Reststoff bei der Leinöl-Produktion entstanden. "Das ist ein Rückstand, der im Filter bleibt", erklärt Jorga. Man könne sich das so vorstellen wie beim Kaffee filtern. "Die Feststoffe sind eine cremige Masse. Sieht aus wie Nutella, schmeckt aber nussig und das können Sie anstatt Butter essen", erzählt die Geschäftsführerin.

Vertrieb nur über kleine Geschäfte

Seit etwa fünf Jahren hat die Lausitzer Ölmühle die Créme im Verkauf. Doch ehe das Produkt richtig auf den Markt kam, brauchte es ein paar Jahre. Anfangs hätten sie die Neuheit nur im Hofladen angeboten. "Das wurde super angenommen", berichtet Jorga. Deshalb hätten sie es dann auch patentieren lassen. Seitdem lief das Geschäft damit. Die Nachfrage steigt.

"Ich kann das aber nicht in Supermärkte bringen", schränkt die Geschäftsführerin ein. "Da wissen die Leute nichts damit anzufangen." Deshalb vertreibe sie es nur über kleine Geschäfte und Tante Emma-Läden, wo den Kunden Herkunft und Inhalt erklärt werden könne.

Lausitzer Leinöl in großen Handelsketten? Für die Geschäftsführerin ein Graus

Regine Jorga führt die Lausitzer Ölmühle seit 2010. Im vergangenen Jahr konnte der Betrieb sein 95-jähriges Bestehen feiern.
Regine Jorga führt die Lausitzer Ölmühle seit 2010. Im vergangenen Jahr konnte der Betrieb sein 95. Bestehen feiern. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Eine ähnliche Schiene fährt die Chefin auch beim Leinöl. Im Direktvertrieb lässt sie Läden und Märkte in einem Umkreis von 100 Kilometern beliefern. Als jetzt REWE anbot, die Produkte der Lausitzer Ölmühle in den Verkauf in seinen Supermärkten aufzunehmen, hat Regine Jorga nur bestimmte Märkte in der näheren Umgebung für eine Belieferung ausgewählt.  

"Uns ist Frische sehr wichtig", erklärt Regine Jorga. Das Leinöl schmecke am besten, wenn es innerhalb von 14 Tagen nach der Produktion verzehrt wird. Weil die Lausitzer Ölmühle ihr Leinöl gänzlich ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe herstellt, soll es nicht lange in Regalen stehen.

Rohstoff mit 5.000 Kilometer Transportweg

3.000 Tonnen Leinsaat verarbeitet der traditionsreiche Betrieb jährlich in einem unscheinbaren Hoyerswerdaer Hinterhof. Wöchentlich rollen zwischen drei und fünf Lkw auf den Hof und bringen den Rohstoff: die Leinsaat aus Kasachstan. "Ich habe deutsche Saat immer wieder probiert, die ist zu trocken. Es kommt zu wenig Öl raus", sagt Geschäftsführerin Jorga.

Auf die kasachische Saat könne sie sich dagegen verlassen. Sie habe nur das Problem, dass der Rohstoff über 5.000 Kilometer antransportiert werden muss. Das erfordert eine gute Planung. Schnell mal neue Saat nachzuordern, geht nicht. Deshalb erstellt Jorga mit ihrem Lieferanten schon im Herbst einen einjährigen Plan, wann der Ölmühle in Hoyerswerda welche Mengen angeliefert werden.

Den Umsatz in knapp zehn Jahren verdoppelt

Damit scheint Regine Jorga gut zu fahren. Seit die 67-Jährige die Geschäfte 2010 übernahm – und zunächst noch mit dem damaligen technischen Leiter gemeinsam führte – hat sich der Umsatz verdoppelt. 2,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr. "Aber das liegt nicht daran, dass ich so fleißig bin und Kunden werbe. Das ist ein Selbstläufer", erklärt Regine Jorga.

Der Trend zum Kauf regionaler Produkte und einer gesundheitsbewussten Ernährung lasse die Nachfrage steigen. Das an Omega-3-Fettsäuren reiche Leinöl erfreue sich deshalb wachsender Beliebtheit. Die 18 Mitarbeiter im Unternehmen kämen deshalb mit der Produktion kaum hinterher. "Wir stellen fünf Tonnen Leinöl am Tag her und manchmal reicht es nicht", berichtet die Geschäftsführerin.

Drei Schichten, um der Nachfrage gerecht zu werden

Deshalb wird in der Lausitzer Ölmühle inzwischen in drei Schichten gearbeitet. "Einmal im Monat haben wir eine Woche mit drei Schichten. Das wird wahrscheinlich noch mehr werden, weil wir den Bedarf sonst nicht decken können", blickt Jorga voraus.

Produktionsmitarbeiter Andreas Groba ist kein Freund der Nachtarbeit. "Wenn’s gemacht werden muss, wird’s gemacht. Wir haben dann ja auch einen Nutzen daraus. Mit dem Lohn kann man zufrieden sein", sagt der 49-Jährige. Groba arbeitet seit 2011 in der Ölmühle und ist froh über die Arbeitsstelle um die Ecke: "Ich habe mit dem Fahrrad höchstens 15 Minuten zu fahren, hab keine Montage mehr und bin damit zufrieden. Mit dem Alter, wer möchte da schon auf dem Bau rumkriechen?"

Das gefilterte Leinöl wird in der Mühle bereits maschinell in Flaschen gefüllt. Ab Herbst 2020 soll auch das ungefilterte Öl "Lausitzer Gold" von Maschinen verfüllt werden.
Das gefilterte Leinöl wird in der Mühle bereits maschinell in Flaschen gefüllt. Ab Herbst 2020 soll auch das ungefilterte Öl "Lausitzer Gold" von Maschinen verfüllt werden. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Betrieb setzt auf wartungsfreundliche DDR-Maschinen

Stattdessen überprüft Groba regelmäßig die alten Ölpressen. Sie stammen aus DDR-Zeiten und wurden in den 80er Jahren überholt. Der Betrieb setze nach wie vor auf die robuste Technik, weil sie einen entscheidenden Vorteil bietet: "Für die Maschinen gibt es noch Ersatzteile. So können wir vieles selber reparieren. Für uns ist das günstig. Eins, zwei Tage Stillstand. Dann läuft das wieder", erklärt Andreas Groba.

Regine Jorga bereitet für den Herbst trotzdem eine größere Investition vor. Das ungefilterte Leinöl "Lausitzer Gold" wird derzeit noch per Hand abgefüllt. Das soll sich ändern. "Der Bedarf wird immer größer. Irgendwann schaffen wir das nicht mehr per Handarbeit. Deshalb wird die maschinelle Produktion kommen", verrät die Geschäftsführerin. Noch verkauft die Ölmühle zu drei Vierteln gefiltertes Leinöl und zu einem Viertel ungefiltertes. "Das wird kippen", ist Regine Jorga überzeugt. "Das ungefilterte wird irgendwann mehr sein." Denn die Kunden schätzen das Naturprodukt, das im Gegensatz zum gefilterten Leinöl noch Schwebstoffe und Pigmente der Saat enthält.

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.01.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 19:00 Uhr

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Sängerinnen und Sänger des Großen Chores Hoyerswerda
Sängerinnen und Sänger des Großen Chores Hoyerswerda. Ganz vorn rechts im Bild: Chorleiterin Kerstin Lieder. Bildrechte: Großer Chor Hoyerswerda/Silke Richter

Mehr aus Sachsen