07.08.2019 | 14:45 Uhr Leinenweberei in Neukirch ist eine der Letzten ihrer Art

Leinenstoff liegt im Trend. Doch es gibt nicht mehr viele Webereien, die traditionelles Leinen herstellen. In Neukirch/Lausitz steht eine der letzten Leinenwebereien Deutschlands. Hier rattern seit 1905 die Webstühle.

Blick in einen antiken Schrank, der mit Leinenbezügen gefüllt ist.
Ein Wäscheschrank wie zu Urgroßmutters Zeiten: Die Leinenweberei Hoffmann nutzt für ihre Leinenstoffe traditionelle Muster. Bildrechte: Leinenweberei Hoffmann

Im großen Maschinensaal der Leinenweberei Hoffmann leisten die Webstühle ganze Arbeit. Zentimeter für Zentimeter weben sie lautstark Stoffe für Küchenhandtücher, Bettwäsche oder Tischdecken aus Leinen. Einige der Maschinen sind schon um die 50 Jahre alt. "Das sind unsere Schützenwebmaschinen", erklärt Reinhard Ruta, Chef der Leinenweberei Hoffman. "Sie haben noch ein Holzschiffchen, das immer hin und her fährt." Dass sie noch nicht ausgemustert wurden, hat einen Grund. Denn nur mit ihnen können die Neukircher bestimmte Produkte wie das traditionelle Mangeltuch herstellen. Mit modernen Maschinen sei das nicht möglich, sagt Ruta: "Die Mangeltücher brauchen links und rechts eine umlaufende glatte Kante und das geht nur mit einem Schützenwebstuhl."

Nachhaltig und natürlich

Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Leinenweberei-Chef Reinhard Ruta vor einer Jaquard-Webmaschine. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neben diesen traditionellen gestreiften und karierten Leinenstoffen für den Haushalt werden in Neukirch aber auch edle Damast- und Jaquardstoffe aus Leinen produziert. Daraus entstehen in der Näherei der Leinenweberei Kissenbezüge sowie Bett- und Tischwäsche, die in die ganze Welt verkauft werden. Man sei eine von nur drei traditionellen Leinenwebereien, die es in Deutschland noch gibt, meint Reinhard Ruta. Der Wirtschaftsingenieur kommt eigentlich aus Hessen und hat per Zufall die Leinenweberei Hoffmann kennengelernt. Denn Anfang der 1990er-Jahre kaufte er das Lausitzer Leinen aus Neukirch in einem Berliner Geschäft und war von dem Stoff fasziniert: "Leinen ist nachhaltig, wird ohne chemische Zusätze hergestellt und ist ein tolles Material."

Zu Gast auf den Oberlausitzer Leinentagen

Schließlich lernte Reinhard Ruta die damaligen Eigentümer der Leinenweberei auf den Oberlausitzer Leinentagen in Rammenau kennen. Als er hörte, dass sie sich altersbedingt zur Ruhe setzen wollten, war sein Interesse geweckt. Es dauerte aber noch ein paar Jahre, bis er sich dann tatsächlich entschied, die Leinenweberei zu übernehmen. Seit 2006 ist er nun in Neukirch, seit zehn Jahren leitet er den Betrieb mit seinen rund 17 Mitarbeitern alleine. Ruta setzt auf Qualität und die Tradition des mehr als 100 Jahre alten Unternehmens. So werden auch heute noch die alten Stoffmuster verwendet, die auf den Bettbezügen und Tischdecken zu neuen Ehren kommen. Und wie seine Vorgänger ist nun auch Reinhard Ruta regelmäßig bei den Oberlausitzer Leinentagen in Rammenau zu Gast. Am 24. und 25. August 2019 ist es wieder soweit, dann öffnet das Barockschloss Rammenau wieder seine Türen für die Liebhaber edlen Leinens.

Bildergalerie Blick in die Leinenweberei Hoffmann

Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Das Leinengarn für die Webstühle müssen die Neukircher im Ausland einkaufen, weil es in Deutschland keine Flachsspinnerei mehr gibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Das Leinengarn für die Webstühle müssen die Neukircher im Ausland einkaufen, weil es in Deutschland keine Flachsspinnerei mehr gibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Die Schützenwebstühle sind um die 50 Jahre alt. Auf ihnen werden zum Beispiel die traditionellen Mangeltücher hergestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Die Stoffmuster sehen noch genauso aus wie zu Großmutters Zeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Auf den Jaquard-Webmaschinen entstehen edle gemusterte Leinenstoffe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Welches Muster die Maschine weben soll, ist auf den Lochkarten eingestanzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Alte Motive: Blumenmuster ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
... Karos und Streifen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
In der Näherei werden die Stoffrollen weiterverarbeitet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Auch dort haben die Nähmaschinen einige Jahre auf dem Buckel, funktionieren aber immer noch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz
Hier entstehen Bettbezüge, Küchenschürzen, Handtücher und vieles mehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Leinenmanufaktur Neukirch
Bildrechte: Leinenweberei Hoffmann

Geschichte der Leinenweberei Hoffmann Im Jahr 1905 gründeten der Fabrikant Karl-Gustav Scholze und der Kaufmann Martin Hoffmann die Leinenweberei.

Die Oberlausitzer Leinenwaren wurden in ganz Deutschland vertrieben. Zu den Kunden gehörte auch Luxushotels oder Ozeandampfer, deren Gäste in edler Leinenbettwäsche aus der Oberlausitz schliefen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Leinenweberei zunächst nicht verstaatlicht und produzierte Arbeitskleidung und vor allem Bettwäsche.

1972 blieb die Firma jedoch von der Verstaatlichungswelle nicht verschont und wurde zum VEB, der 1975 in das Kombinat "Wäsche Union" integriert wurde. Bis 1990 wurden täglich 20.000 Geschirrtücher produziert, die nach Westdeutschland exportiert wurden.

1994 erhielten der alte Eigentümer, die Familie Rentsch, die Leinenweberei zurück und startete mit 30 Mitarbeitern wieder die Produktion.

Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.07.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen.

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