Ein gelbes Kreuz von Ludger Hinse hängt in der Gedenkstätte Bautzen II.
Kreuze wie dieses vom Künstler Ludger Hinse sind in Bautzen zu sehen - hier in der Gedenkstätte Bautzen II. Bildrechte: Stiftung Sächsische Gedenkstätten/ Gedenkstätte Bautzen

Kunstprojekt Neue Kreuze für Bautzen

In Bautzen wurden in den vergangenen Tagen wieder Kreuze aufgestellt. Dieses Mal sind sie aber Teil eines Kunstprojekts. An 13 Orten zeigt Ludger Hinse Leid und Schönheit des christlichen Symbols. In Kirchen, auf Friedhöfen, im Museum, dem Theater und im ehemaligen Stasiknast sind die Werke zu sehen.

Ein gelbes Kreuz von Ludger Hinse hängt in der Gedenkstätte Bautzen II.
Kreuze wie dieses vom Künstler Ludger Hinse sind in Bautzen zu sehen - hier in der Gedenkstätte Bautzen II. Bildrechte: Stiftung Sächsische Gedenkstätten/ Gedenkstätte Bautzen

Mit Fingerspitzengefühl, einem Cuttermesser und in weißen Handschuhen schneidet Ludger Hinse die Kunststoff-Folie auf. Schon durch die dicke Schutzhülle leuchtet es – rosa, grün, gelb, blau. Immer wenn Sonnenlicht auf das riesige verhüllte Kreuz fällt oder wenn Kameras blitzen, wird das Farbenspiel sichtbar. Dann ist es geschafft. Der Künstler befestigt ein Drahtseil am oberen Ende des Kreuzes und gibt per Telefon die Anweisung: "Hochziehen". Wenige Sekunden später schwebt das Lichtkreuz über dem mittleren Altartisch im Bautzener Dom.

Es ist eines von 34 Objekten und Installationen, die der Recklinghäuser Künstler bis 9. Juni in der Spreestadt zeigt. "Licht bewegt" heißt die Ausstellung, die an 13 Orten zu erleben ist. Neben mehreren Kirchen sind die Werke in der Gedenkstätte Bautzen II, im Theater, in Friedhofskapellen und im Stadtmuseum zu sehen. Allerdings sind nicht alle Gebäude immer geöffnet - in die Maria-Martha-Kirche kommen Interessierte zum Beispiel nur bei Gottesdiensten und Führungen. Parallel zur Ausstellung laufen über 80 Veranstaltungen, wie Konzerte, Workshops, Vorträge und Rundgänge.

Ludger Hinse hängt eines seiner Kreuze im Bautzener Dom auf.
Mit weißen Handschuhen und Geduld packt der Künstler mit Helfern seine Objekte aus. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig

Ludger Hinse, 70 Jahre alt, hat für die Aufbauarbeiten im Dom eine dicke orangefarbene Jacke übergezogen. Und er hat gehört von den anderen Kreuzaktionen, die es seit Wochen in Bautzen, Görlitz. Löbau und weiteren Oberlausitzer Städten gibt. Bislang Unbekannte errichten immer wieder Kreuze, auf denen die Namen von Menschen zu lesen sind, die bei Angriffen oder Anschlägen in Zusammenhang mit Ausländern umgekommen sind. "Missbrauch des Kreuzes", nennt das der Künstler. Kein Symbol der Welt sei davor geschützt. "Bei Hinrichtungen, bei den Kreuzzügen oder bei den Nationalsozialisten mit Hakenkreuz – das zieht sich durch alle Zeiten", sagt Ludger Hinse. Er ist überzeugt, man muss solchen Dingen, wie sie in der Oberlausitz geschehen, begegnen. "Reden hilft", glaubt der Künstler. Er sei sofort bereit, sich mit denjenigen zu treffen, die die ausländerfeindlichen Kreuze aufstellen.

Idee kommt aus Santiago de Chile

In Santiago de Chile ist der Künstler auf das Kreuzthema gekommen. Er hörte dort vom Marsch der Mütter, die mit Fotos ihrer verschwundenen Söhne und Töchter gegen die damalige Militärdiktatur protestierten. Angeführt wurde der Zug von Frauen, die drei Kreuze trugen. Sie erhofften sich dadurch Schutz für ihre Aktionen. Das habe ihn fasziniert. Seitdem gestaltet Hinse Kreuze in ganz verschiedenen Versionen. Mal sind es Leidenskreuze, die zum Beispiel an die Opfer des Konzentrationslagers in Auschwitz erinnern. Mal zeigt er Menschen in Kreuzeshaltung. Vor allem aber schafft er Lichtkreuze aus Plexiglas, die durch Lichteinfall in immer anderen Farben leuchten. Ludger Hinse will damit auf die positive Seite des Kreuzes aufmerksam machen – auf die Auferstehung im christlichen Glauben. Die werde über all dem Leid und Sterben oft vergessen.

Objekte von Ludger Hinse in Bautzen

Ein Lichtkreuz von Ludger Hinse hängt im Bautzener Dom.
Das Lichtkreuz von Ludger Hinse hängt im Bautzener Dom. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Lichtkreuz von Ludger Hinse hängt im Bautzener Dom.
Das Lichtkreuz von Ludger Hinse hängt im Bautzener Dom. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Eine kleine Skulptur zeigt einen Menschen in Kreuzespose.
Menschenkreuze nennt der Künstler diese Objekte - auch zu sehen im Bautzener Dom. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Kopf ist umgeben von gelben Plexiglascheiben.
Der Kopf ist Teil der Installation "Labyrinth des Lebens und des Todes" im Bautzener Dom. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein Kreuz aus Blech zeigt die Leichenberge aus dem Konzentrationslager Auschwitz.
Das Auschwitzkreuz in der Gedenkstätte Bautzen II zeigt Fotos der Leichenberge des Konzentrationslagers. Bildrechte: Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bautzen
Ein durchscheinender bunter Kopf aus Kunststoff hängt in der Gedenkstätte Bautzen II.
"Das Leid der Welt" heißt diese Kunstinstallation in der Gedenkstätte Bautzen II. Bildrechte: Stiftung Sächsische Gedenkstätten/ Gedenkstätte Bautzen
Ein Objekte aus bunten Ringen steht im Theater.
Lichtsäule heißt dieses Objekt im Bautzener Theater. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein rotes Kreuz hängt in der Bautzener Michaeliskirche von der Decke.
Ein Kreuz in der Michaeliskirche - je nach Blickwinkel sieht es vollig anders aus. Aus dieser Perspektive sind Treppen im Inneren erkennbar. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein rotes Kreuz hängt in der Michaeliskirche Bautzen.
Aus diesem Winkel wirkt das Kreuz teilweise durchsichtig und so, als wären Ringe aufgeprägt. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Ein buntes Kreuz hängt in der Bautzener Michaeliskirche.
Schaut man geradewegs auf das Kreuz in Richtung Altar wirkt es bunt und nicht mehr nur rot. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
Eine Scheibe mit bunten Plexiglasstücken dreht sich in der Liebfrauenkirche.
Diese Lichtscheibe dreht sich in der Liebfrauenkirche. Bildrechte: MDR/Rosmarie Hennig
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Quelle: MDR/nng

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.03.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 12. März 2019, 15:30 Uhr

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