Linda W.
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17.07.2019 | Hintergrund Pulsnitz, Rakka, Mossul: Was über den Fall Linda W. bislang bekannt ist

Heute vor zwei Jahren wird die 16-jährige Linda W. aus Pulsnitz im Irak verhaftet. Ein Jahr zuvor war sie zum Islam konvertiert und verschwand. Ein erstes Lebenszeichen erhält ihre Mutter etwa ein halbes Jahr später per SMS. Nach ihrer Verhaftung wird sie schließlich wegen der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat und der illegalen Einreise in den Irak zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht verkürzt die Haftzeit auf fünf Jahre. Inhaftiert ist sie derzeit in Bagdad. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Deutschland wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung dauern an.

Linda W.
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Linda W. ist Scheidungskind, hat eine ältere Schwester, ihre Mutter arbeitet viel, um die dreiköpfige Familie zu ernähren. Linda W. fühlt sich allein. Im Internet findet sie eine Freundin, die sie dazu drängt, zum Islam zu konvertieren. Im Internet schaut sie immer wieder Propagandavideos, in denen die angeblich heile Welt des Islamischen Staates (IS) gezeigt wird. Im Interview erzählt Linda W., sie habe nur "rosige Videos" gesehen, sagt nichts dazu, dass sie auch brutale und menschenverachtende Videos auf ihrem Tablet hatte.

Hochzeit mit IS-Anhänger per Telefon

Im Juli 2016 verschwindet die damals 15 Jahre alte Schülerin aus ihrer sächsischen Heimat. Zuhause hinterlässt sie einen Zettel: "Bin Sonntag gegen 16 Uhr wieder da. Linda" Doch sie kommt nicht nach Hause. Mit einer gefälschten Vollmacht ihrer Eltern reist Linda W. über Istanbul nach Syrien. Ein heiratswilliger IS-Anhänger hilft ihr aus der Ferne dabei.

Aus der Ferne wird auch geheiratet - am Telefon. Doch die Ehe mit Mohammed - dem Tschetschenen aus Österreich - dauert nur fünf Monate. Er kommt durch eine Bombe ums Leben. Im Sommer 2016 wird Linda aus dem syrischen Rakka ins irakische Mossul gebracht. Dort lebt sie etwa zehn Monate lang in einer Art Wohnheim für IS-Frauen.

Erstes Lebenszeichen per SMS

Ende Januar 2017 dann ein erstes Lebenszeichen. Sie schreibt ihrer Mutter eine SMS. Sie könnten in Kontakt bleiben, aber nur wenn das geheim bleibe, ansonsten würde sie den Kontakt abbrechen. Sie wünsche sich, dass sie und ihre Familie auf "den richtigen Weg geleitet" würden. Bundespolizei und Verfassungsschutz bezeichnet sie als "dreckige Hunde" und schreibt: "Es werden noch viele Anschläge bei euch folgen".

Späte Reue

Im Juli 2017 stellt sie sich schließlich irakischen Soldaten. Derzeit verbüßt sie in Bagdad eine fünfjährige Haftstrafe wegen der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat. Militärisch ausgebildet sei sie nicht, sagte Linda W. in einem Interview von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung nach ihrer Verhaftung. Mit Waffen habe sie nie zu tun gehabt. Sie wolle schnellstmöglich nach Deutschland zurück und bereue, sich der Terrormiliz angeschlossen zu haben. Nach Angaben des Bundesjustizministeriums besteht mit dem Irak kein Auslieferungsabkommen.

Ich bereue, ja. Ich weiß nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, zum IS zu gehen. Ich weiß, ich hab mir mein Leben ruiniert.

Linda W. Weltspiegel extra

Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft

Wenige Tage nach der Festnahme im Juli 2017 im Irak nimmt auch die Bundesanwaltschaft in Deutschland ihre Ermittlungen gegen Linda W. und drei weitere mutmaßliche deutsche IS-Anhängerinnen auf. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Das Gesetz gibt diesbezüglich einen Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft vor. Die Ermittlungen dauern den Angaben zufolge an.

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Linda W. aus dem sächsischen Pulsnitz schloss sich mit 15 Jahren dem IS an. Später wurde sie von der irakischen Armee gefangen genommen. Mittlerweile ist sie im irakischen Bagdad in Haft.

MDR FERNSEHEN Do 26.07.2018 20:15Uhr 01:38 min

https://www.mdr.de/investigativ/video-275678.html

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Quelle: MDR/cnj/Weltspiegel

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