Demonstranten vor Möbelfabrik
Mitarbeiter während der Kundgebung vor dem Möbelwerk Maja am Mittwoch. Bildrechte: IG Metall

Ringen um einen Tarifvertrag Mitarbeiter von Accumotive und Maja wollen mehr Lohn

Beim Kamenzer Batteriehersteller Accumotive und beim Maja-Möbelwerk in Wittichenau ist die Stimmung dieser Tage ziemlich aufgeheizt. Gemeinsam mit der IG Metall kämpfen dort die Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt.

Demonstranten vor Möbelfabrik
Mitarbeiter während der Kundgebung vor dem Möbelwerk Maja am Mittwoch. Bildrechte: IG Metall

Wie ist die Situation in den beiden Betrieben?

Das Maja Möbelwerk in Wittichenau.
Das Möbelwerk Maja in Wittichenau. Bildrechte: dpa

Beide Unternehmen sind nicht tarifgebunden. Beim Batteriehersteller Accumotive in Kamenz, der zum Autokonzern Daimler gehört, verdienen die Mitarbeiter nach Aussage der Gewerkschaft IG Metall durchschnittlich 800 bis 1.000 Euro weniger als die Beschäftigten, die nach dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen bezahlt werden. Auch die Arbeitszeit ist ein großes Thema bei Accumotive. Die Produktionsmitarbeiter arbeiten alle mehr als die vereinbarten 40 Stunden pro Woche.

Ähnlich ist es im Maja-Möbelwerk. Die Bezahlung ist weit vom Tarifvertrag der sächsischen Holz- und Kunststoffindustrie entfernt. Bei Maja bekommen die meisten Mitarbeiter nur etwas mehr als den Mindestlohn. In beiden Unternehmen wird jedoch drei- bis vierschichtig gearbeitet.

Am Dienstag fand bei Accumotive die erste Verhandlungsrunde statt. Wie lief es?

Der Eingang zum Firmengebäude der Deutschen Accumotive in Kamenz.
Der Eingang zum Firmengebäude der Deutschen Accumotive in Kamenz. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Ein konkretes Ergebnis gibt es noch nicht. Arbeitgeber und Gewerkschaft haben erst einmal die gegenseitigen Interessen ausgelotet. Nach Aussage der IG Metall machte die Geschäftsführung dabei klar, dass die niedrigen Löhne in Kamenz zum Geschäftsmodell des Unternehmens gehörten und der Konzern deshalb auch hierhergekommen sei. Das habe viele Mitarbeiter schockiert.

Die IG Metall fordert für die Stammbelegschaft – das sind rund 1.000 Beschäftigte – den sächsischen Flächentarifvertrag und eine 35 Stunden-Woche. "Wir sind offen für eine konstruktive Lösung und haben uns hierzu umfassend ausgetauscht", sagte dazu ein Sprecher der Daimler AG, zu der Accumotive gehört. Zu Details der laufenden Gespräche werde sich das Unternehmen nicht äußern.

Wie steht es um die Verhandlungen bei Maja?

Dort war für den Mittwoch die zweite Gesprächsrunde geplant. Aber die Geschäftsführung hatte den Termin kurzfristig abgesagt mit der Begründung, dass sie noch Zeit brauche, um die Forderungen der IG Metall zu prüfen. Die Gewerkschaft organisierte daraufhin am Nachmittag eine Kundgebung vor dem Möbelwerk in Wittichenau, an der sich rund 500 Mitarbeiter beteiligten.

Die IG Metall fordert, dass der Betrieb den Tarif der sächsischen Holz- und Kunststoffindustrie übernimmt. Damit würden die Löhne und Gehälter um gut ein Viertel steigen und es gäbe mehr Urlaub für die rund 800 Beschäftigten. Seitens des Unternehmens heißt es, dass man verantwortungsvoll die richtigen Lösungen für die Mitarbeiter und den Betrieb finden möchte, um die Arbeitsplätze am Standort Wittichenau langfristig zu sichern.

Würde nur die Stammbelegschaft vom Tarifabschluss profitieren?

Von einem Tarifabschluss würden auch die Leiharbeiter der beiden Unternehmen Vorteile erzielen. Denn deren Verdienste sind über den Tarifvertrag der Leiharbeitsbranche an die Löhne und Gehälter im Betrieb gekoppelt. Mitte März gehen in beiden Werken die Tarifverhandlungen weiter.

Quelle: MDR/ris/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.02.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 20:18 Uhr

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1 Kommentar

24.02.2019 09:50 Steinbock 1

Niedrige Loehne als "Geschaeftsmodell" und als Grund fuer die Ansiedlung, womoeglich noch mit Foerdergeldern unterstuetzt... Eine Schande, dass Politik so etwas unterstuetzt... Beihilfe zum Lohndumping und zur Altersarmut... Wort und Tat der SPD.... da sieht man es wieder....

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