"Überraschung" beim Hausbau Massengrab aus Siebenjährigem Krieg in Hochkirch entdeckt

Menschliche Überreste in Masssengrab bei Hochkirch
Bildrechte: MDR/Christian Kurtze

Beim Hausbau sollte man immer Überraschungen einkalkulieren. Doch dass ihm so etwas passiert, damit hatte Lothar Kurtze nun wahrlich nicht gerechnet. Bei den Erdarbeiten für das Fundament des Einfamilienhauses kam vergangene Woche ein Menschenschädel zutage. "Da habe ich erst einmal die Polizei gerufen", sagte der Mann aus Hochkirch, der zunächst ein schlimmes Verbrechen befürchtete.

Skelette von 34 Soldaten

Die Polizisten sahen sich den gruseligen Fund an und konnten Entwarnung geben: "Nein, das ist was für die Archäologen". Die kamen dann auch und untersuchten die Stelle genauer. Grabungsarbeiten in den darauffolgenden Tagen zeigten, dass der Bauherr auf ein Massengrab gestoßen war. Dabei lagen die Gebeine nicht sonderlich tief unter der Erde. Nach und nach wurden immer mehr Skelettreste freigelegt. Als die Arbeiten am Dienstag abgeschlossen wurden, zählten die Archäologen die Gebeine von insgesamt 34 Menschen.

Musketenkugel, Kanonenkugel, Uniformknöpfe

Es handele sich um Soldaten aus dem Siebenjährigen Krieg, die offenbar in der Schlacht bei Hochkirch im Jahr 1758 getötet wurden, erklärte Cornelia Rupp vom Landesamt für Archäologie MDR SACHSEN. Ein Skelett hatte ein Musketenkugel im Bauch, auch wurden eine Kanonenkugel und zwei Uniformknöpfe gefunden. Ob die Toten preußische oder österreichische Soldaten waren, könne man noch nicht sicher feststellen, so Rupp. Die Funde aus dem Schlachtfeldgrab werden jetzt näher untersucht. Die Skelette sollen später auf einem Friedhof bestattet werden.

Baustelle wird Ausgrabungsstelle

Eine freigelegte Erdoberfläche mit einem Wohnhaus im Hintergrund.
In Hochkirch ist eine Baustelle für ein Einfamilienhaus kurzzeitig zur Ausgrabungsstelle geworden. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Eine freigelegte Erdoberfläche mit einem Wohnhaus im Hintergrund.
In Hochkirch ist eine Baustelle für ein Einfamilienhaus kurzzeitig zur Ausgrabungsstelle geworden. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Menschliche Überreste in Masssengrab bei Hochkirch
Als der Bauherr auf einen Schädel stieß, rief er zunächst die Polizei. Bildrechte: MDR/Christian Kurtze
Drei Menschen stehen an einen Transporter.
Letztendlich interessierten sich die Mitarbeiter vom archäologischen Landesamt für das Skelett. Denn es war sehr alt. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Weiße Zettel markieren menschliche Überreste in Masssengrab bei Hochkirch
Es wurden immer mehr Gebeine ausgegraben, ins gesamt Überreste von 34 Menschen... Bildrechte: MDR(Christian Kurtze
Ein Erdklumpen auf einer Plastiktüte.
außerdem eine Kanonenkugel... Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Ein Krumen und ein Zettel in einer Plastiktüte.
eine Musketenkugel... Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Ausgegrabene Münzen in einer Hand.
und Uniformknöpfe. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Zwei schwarze Stelen vor einem gelben Haus.
Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich um ein Schlachtfeldgrab aus dem Siebenjährigem Krieg handelt. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Eine schwarze Gedenktafel.
In Hochkirch gab es 1758 ein blutiges Gefecht zwischen preußischen und österreichischen Truppen, an das auch heute noch ein Gedenkstein erinnert. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Eine gelbe Hauswand.
Aufmerksame Spaziergänger finden außerdem Kanonenkugeln in der Wand der Hochkircher Kirche. Bildrechte: MDR/Heiko Barthel
Alle (10) Bilder anzeigen

Blutige Schlacht bei Hochkirch

Im Siebenjährigen Krieg im 18. Jahrhundert kämpften Preußen und Großbritannien gegen Österreich, Frankreich, Russland, Sachsen und Schweden. Die Schlacht bei Hochkirch ist wegen des blutigen Ausgangs für Preußen in die Geschichtsbücher eingegangen. Am frühen Morgen des 14. Oktober 1758 gelang österreichisch-ungarischen Truppenteilen ein Überraschungsangriff auf preußische Stellungen bei Hochkirch. Hunderte Soldaten schliefen teilweise noch, als sie von den Gegnern förmlich überrannt wurden.

Noch heute zeugen etwa Kanonenkugeln in der Kirchenmauer, die zerschossene südliche Kirchentür und eine Gedenktafel von der Schlacht. Die Entdeckung des Massengrabes wird nun als ein weiteres Stück Geschichte in die Chronik von Hochkirch eingehen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.07.2020 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen