15.01.2020 | 15:07 Uhr Rettungsleitstelle Hoyerswerda koordiniert einmillionsten Notruf

In der Rettungsleitstelle für die Oberlausitz ging Ende vergangenen Jahres der millionste Notruf seit der Eröffnung ein. Die Verantwortlichen sehen die Zusammenlegung von vormals fünf Leitstellen als Erfolgsgeschichte.

Disponent Christian Burkhardt (links) und der Leiter der Rettungsleitstelle Ostsachsen Stefan Schumann (rechts) verfolgen einen Rettungseinsatz am Bildschirm.
Disponent Christian Burkhardt (links) und der Leiter der Rettungsleitstelle Ostsachsen Stefan Schumann (rechts) verfolgen einen Rettungseinsatz am Bildschirm. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Wer in der Oberlausitz die 112 wählt, landet bei der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda. Dort ist zu Weihnachten der Millionste Notruf eingegangen. Für Dieter Kowark, Fachbereichsleiter Feuerwehr der Stadt Hoyerswerda, ist diese Marke ein Beleg für den Erfolg der integrierten Regionalleitstelle Ostsachsen (IRLS).

Seit September 2013 ist die Einrichtung in Betrieb. Vormals fünf Einsatzleitstellen aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz wurden dort zu einer zusammengelegt. Das war eine herausfordernde Aufgabe, sagt Kowark. "Es war schon teilweise sehr grenzwertig. Es ist auch nicht ohne Fehler abgelaufen. Wir haben in den ersten Jahren viel Kritik eingesteckt. Aber ich glaube, es ist uns gelungen, hier eine Struktur zu schaffen, die uns optimistisch in die Zukunft blicken lässt."

520 Notrufe am Tag

In Hoyerswerda gehen im Schnitt täglich rund 520 Notrufe ein. 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr ab, dass die Anrufer schnell Hilfe erhalten. Christian Burkhardt ist einer von ihnen. Als Disponent sitzt er am Dienstagmittag mit sechs Kollegen im Dachgeschoss der Leitstelle Hoyerswerda. 13 Kollegen teilen sich die 24 Stunden-Schicht und wechseln sich regelmäßig an den Arbeitsplätzen ab. Tagsüber wechseln aktiver Dienst und Bereitschaft im Drei-Stunden-Takt, nachts erfolgt der Wechsel aller sechs Stunden.

"Notruf, Feuerwehr, Rettung", meldet sich Christian Burkhardt. Kein Telefonklingeln, nur ein Klick auf eine rot aufleuchtende Schaltfläche auf seinem Bildschirm und Burkhardt hat die nächste Anruferin in der Leitung. Ein achtjähriges Mädchen hat einen Ohrring verschluckt. Noch während Burkhardt mit der Anruferin spricht, alarmiert er Notarzt und Rettungsdienst. Sechs Minuten später sind die Retter vor Ort. Das sieht Burkhardt live auf seinem Bildschirm.

Zeit gewinnen mit der "kleinen Lageerkundung"

Was Burkhardt am Telefon geschildert wird, lässt er nicht an sich heran – mit einer Ausnahme: "Bei manchen Kindernotfällen ruft man schnell zu Hause an, ob’s den eigenen Lütten gut geht. Aber man nimmt es in der Regel nicht mit nach Hause. Routine ist es nicht. Es ist jedes Mal was anderes. Aber ein kleines bisschen Mitsterben ist nicht dabei", sagt Burkhardt.

Große Anteilnahme am Schicksal der Anrufer ist auch deshalb fehl am Platz, weil Burkhardt seine Konzentration permanent hochhalten muss. Wenn er einen Notruf annimmt, gilt es in kürzester Zeit relevante Informationen zu sammeln. "Was man in der 'kleinen Lageerkundung' am Telefon raushört, das gewinnt dann nach hinten raus unheimlich Zeit",  erklärt Burkhardt. "Da hat jeder so sein eigenes Abfrageschema, wie man zum Ziel kommt. Und es ist abhängig davon, wer anruft", berichtet Burkhardt. Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher anruft, fragt er anders nach, als wenn sich ein älterer Anrufer meldet.

Blick in die Einsatzleitstelle in Hoyerswerda
Blick in die Einsatzleitstelle in Hoyerswerda Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Zahl der Notrufe wächst

Dabei nimmt die Zahl der Anrufe stetig zu. Stefan Schumann, Leiter der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda führt das auf den demografischen Wandel zurück. Mehr ältere Menschen in der Region, das heißt auch mehr Krankheiten, wegen denen die 112 gewählt wird. Das lässt sich auch an den täglichen Spitzen ablesen: zwischen 6 bis 9 und 17 bis 19 Uhr gehen regelmäßig die meisten Notrufe ein. Zu diesen Zeiten fahren die Pflegedienste ihre Runden und melden Notsituationen ihrer Kunden. "Ältere Leute klären dann ihre Probleme und die werden dann erst gemeldet, wenn der Pflegedienst wieder im Haus ist", erklärt Disponent Christian Burkhardt.

Stefan Schumann macht dagegen noch ein anderes Phänomen aus: in der Fläche wird der Notruf seltener gewählt. "Im urbanen Gebiet beobachten wir immer ein schnelles Rufen des Notrufes." Auf dem Land üben sich die Patienten eher in Zurückhaltung. Aus Scham oder weil man nur zum Hausarzt möchte, würden Notfallsituationen nicht rechtzeitig erkannt und therapiert. "Wir wünschen uns auf dem Land auch ein zeitnahes Reagieren auf Notfälle", sagt Schumann und warnt vor falscher Scheu: "Wenn man das frühzeitig meldet und den Rettungsdienst aktiviert, kann man beispielsweise im Falle eines Schlaganfalls so Hilfe leisten, dass auch alle Symptome wieder zurückgehen können."

Damit sich die Nachsorge künftig noch reibungsloser an die Erste Hilfe anschließen kann, bereitet der Landkreis Bautzen bereits den nächsten Schritt in der Digitalisierung vor. So könnten die Retter ihre Einsätze bald statt auf Papier mit dem Tablet dokumentieren und den Kollegen in Hoyerswerda noch besser zurückmelden, wie erfolgreich ihr Einsatz verlaufen ist.

Die Integrierte Regionalleitstelle Ostsachsen Die Rettungsleitstelle in Hoyerswerda koordiniert Feuerwehr- und Rettungseinsätze sowie Krankentransporte in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Sie ist eine von insgesamt fünf Leitstellen in Sachsen und zuständig für ein Gebiet, in dem rund 600.000 Menschen wohnen. Aus der Leitstelle in Hoyerswerda heraus werden zudem 180.000 Hektar Wald beobachtet, um schnell auf Waldbrände reagieren zu können. Integrierte Regionalleitstelle Ostsachsen

Quelle: MDR/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2020, 15:07 Uhr

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