19.02.2020 | 20:41 Uhr Laufstegmode in Bautzen von sorbischen Trachten inspiriert

Mit Tanz, Modedesign und Musik läuft im soziokulturellen Zentrum Steinhaus in Bautzen gerade ein besonderes Ferienprojekt. Jugendliche aus der Oberlausitz und aus Bautzens polnischer Partnerstadt Jelenia Góra arrangieren Volksweisen zu modernen Musikstücken um. Parallel entsteht in zwei Ateliers außergewöhnliche Kleidung aus Stoff und Folie. Diese wird mit Ornamenten bedruckt, die aus der sorbischen Trachtenkultur kommen.

Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Ann-Marie und Nele wollten etwas Extravagantes für den Laufsteg entwerfen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Rhythmisch surrt die Nähmaschine. Ann-Marie näht mit Akkuratesse einen pinkfarbenen Streifen auf den dunkelblauen Stoff eines Oberteils. Neben ihr trennt ihre Freundin Nele gerade die Ärmel eines T-Shirts auf. Die beiden 13-jährigen Mädchen machen mit Eifer beim Modeworkshop im Bautzener Steinhaus mit. Es werde etwas zwischen Pullover und T-Shirt, mit Trompetenärmeln aus bedruckter Folie, erklärt Ann-Marie und zeigt auf ihre Skizze, die neben der Nähmaschine liegt. "Es wird etwas Extravagantes für den Laufsteg, was man so im Alltag nicht trägt", sagt sie. Das Ziel des Ferienworkshops ist hoch gesteckt, denn innerhalb von nur zwei Tagen sollen mehrere kunstvolle Unikate entstehen.

Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Sarah Gwiszcz überlegt mit Ann-Marie und Nele, wie sich aus der bedruckten Folie Rock und Ärmel schneidern lassen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Damit das auch klappt, stehen den neun Jugendlichen die Modedesignerin Sarah Gwiszcz aus Lübbenau und die Künstlerin Andrea Tiebel-Quast aus Schemmerberg in Baden-Württemberg mit Rat und Tat zur Seite. Die Frauen hatten sich über ein Kunstprojekt kennengelernt. Sie schufen gemeinsam eine Installation: eine überdimensionale wendische Lapa - ein Kopftuch -kombiniert mit Materialien aus der Schwäbischen Alb. Auch der Workshop in Bautzen soll mit ausgefallenen Stücken in die künstlerische Richtung gehen, betont Sarah Gwiszcz.

Das Oberteil von Ann-Marie wurde inzwischen über eine Kleiderpuppe gezogen. Mit dem Maßband in der Hand überlegt die Designerin mit den Mädels, wie sie als nächstes den Kragen auf dem Ausschnitt anbringen. "Ich würde jetzt nicht unbedingt einen Stehkragen daraus machen, vielleicht etwas, was in Richtung Hals ragt und cool aussieht", sagt Sarah Gwiszcz.

Textildruck mit Sagengestalten

Während im Nähatelier die nächsten Schritte besprochen werden, ist man einige Räume weiter emsig mit Holz und Farbe zu Gange. Die 25-jährige Franciska Grajcarek - mit Abstand die Älteste in der Runde - hebelt mit einem kleinen Meißel Furchen in ein Holzbrett, auf dem ein Kopf mit großen Augen und Zauselhaar vorgezeichnet ist. Ihr Vorhaben: einen Rock mit verschiedenen Sagengestalten zu bedrucken.

Eine Frau hält Werkzeug
Franciska Grajcarek schneidet die Umrisse eines Wassermanns in ein Holzbrett. Mit Textilfarbe bestrichen, lässt sich mit der Vorlage Stoff bedrucken. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"Hier habe ich den sorbischen Wassermann. Er ist froschähnlich, mit Kiemen, grünem Haar und er hat eine rote Mütze auf", sagt die Studentin aus Quoos. Franciska Grajcarek ist Sorbin und beschäftigt sich gern mit den Überlieferungen und Trachten. Auch sorbische Modebewegungen, die parallel zur Tracht entstehen, sind ihr wichtig. So gebe es T-Shirts mit vereinfachten sorbischen Trachtenmotiven. "Das ist ganz cool. Weil daran erkennt man gleich: Der Träger kann Sorbisch oder fühlt sich dem Sorbischen zugewandt."

Die Tracht als Inspirationsquelle

Weil die sorbische Trachtenmode eine Inspirationsquelle des Workshops ist, hat die Stiftung für das Sorbische Volk das Ferienangebot mitfinanziert. Dabei gehe es der Stiftung weniger um die traditionelle Tracht, die ins Design mit einfließen solle, verneint Mitarbeiterin Nicole Zimmermann. Man wolle vielmehr zeigen, dass sorbische Elemente auch in den Alltag passen, wie etwa die verschiedenen Blumenmuster, Trachtenschleifen oder Spitzen.

Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Andrea Tiebel-Quast hilft den Mädchen, ein Shirt mit blauen Blüten zu bedrucken. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zur Inspiration haben die Mädchen vorab die Sorbische Kulturinformation in Bautzen besucht. Diese Eindrücke wurden erweitert und abstrahiert, wie Andrea Tiebel-Quast erklärt: "Wir versuchen, die Mädels an eine Vereinfachung der Gestaltung und eine Eigeninterpretation heranzuführen." Es sei sehr experimentell und frei, sagt die Künstlerin. "Es hat nichts damit zu tun, dass wir Trachten, die schon da sind, nachempfinden. Das wäre ja auch langweilig."

Klar habe man kleine Details aus der Tracht, aber das Hauptaugenmerk sei, Kunst und Mode zusammenzuführen, sagt die Modedesignerin Sarah Gwiszcz. Insofern seien die nun entstehenden Unikate schon anziehbar, aber vielleicht nicht für den Alltag tragbar.

Ob dem so ist, davon können sich Interessierte bei der Modenschau am Freitag selbst ein Bild machen. Dann werden die Kreationen im Rahmen einer Musik- und Tanzperformance präsentiert. Auch Kleidungsstücke von sorbischen, polnischen und deutschen Designern aus der Region sollen dann auf den Laufsteg kommen.

Modenschau am 21. Februar um 19 Uhr im Steinhaus Bautzen.

Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen

Zwei Mädchen halen ein dekorierten Gegenstand
Julia und Svenja haben die Folie im Hintergrund mit Ornamenten bedruckt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Zwei Mädchen halen ein dekorierten Gegenstand
Julia und Svenja haben die Folie im Hintergrund mit Ornamenten bedruckt. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Eine Frau schneidet ein Relief in ein Holzbrett
Andrea Tiebel-Quast schneidet eine Holzvorlage für den Textildruck. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Mit Hilfe von Andrea Tiebel-Quast und Sarah Gwiszcz bedrucken die Mädchen Stoffe und Folien. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Alina verwendet zum Drucken die Rose als Motiv. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Eine Frau schneidet ein Relief in ein Holzbrett
Franciska Grajcarek schnitzt als Druckvorlage einen sorbischen Wassermann. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
In einem Modeatelier darf die Kleiderpuppe nicht fehlen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Ann-Marie und Nele beim Nähen der Oberteile. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Modeworkshop im Steinhaus in Bautzen
Modedesignerin Sarah Gwiszcz (Mitte) berät beim Zuschneiden der bedruckten Folie. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.02.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2020, 20:41 Uhr

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