Nach 20 Jahren Cunewalde bekommt wieder einen Jugendclub

Ab April soll es in Cunewalde wieder einen Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche geben. Den letzten Jugendklub hatte die Gemeinde vor 20 Jahren geschlossen, weil er zu einem Treff für rechte Jugendliche geworden war.

Ansicht eines alten Mehrfamilienhauses, von dem der Putz bröckelt.
Noch steht das alte Gemeindeamt in der Hauptstraße 124 in Cunewalde leer. Doch schon in den nächsten Tagen werden Jugendliche aus der Gemeinde die ersten Räume im Erdgeschoss möblieren. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Die evangelische Kirchgemeinde und der Verein "Valtenbergwichtel" wollen gemeinsam in Cunewalde einen offenen Jugendtreff schaffen – unter Federführung der Kirche. Öffnen soll er schon in zwei Wochen am 7. April mit einem Tag der offenen Tür. Als Pfarrer Friedemann Wenzel das Konzept auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Cunewalde vorstellte, blickte er in einige skeptische Gesichter. Kann das funktionieren, fragten sich nicht wenige in der Runde.

Jugendliche treffen sich auf der Straße

Die Idee zu diesem Jugendclub stammt vom jungen Pfarrer. "Seit ich in der Gemeinde bin, beobachte ich, dass sich Jugendliche hier auf der Straße und in Bushaltestellen treffen, weil sie keinen eigenen Raum haben", erzählt der 33-Jährige. Den will die Kirchgemeinde den Kindern und Jugendlichen künftig bieten. Und zwar im Erdgeschoss des ehemaligen Gemeindeamtes in der Hauptstraße.

Die Idee ist nach und nach gereift. Und der Anstoß war jetzt, dass ich mit den Valtenbergwichteln kompetente und zugkräftige Mitstreiter gefunden habe, so dass wir das jetzt realisieren konnten.

Friedemann Wenzel Pfarrer in Cunewalde

"Es ist ein kirchliches Angebot für Jugendliche, aber ein offenes Angebot. Nicht bekenntnisgebunden, ein offener Jugendtreff", betont der Pfarrer. Kinder und Jugendliche sollen sich selbst kennenlernen, sich über Projekte einbringen können und Verantwortung übernehmen. Natürlich wird es dabei auch um Glaubensfragen gehen, sagt er. Für alljene, die mit Kirche wenig am Hut oder Berührungsängste haben, sind die Sozialarbeiter der Valtenbergwichtel da. Sie arbeiten derzeit in den beiden Schulen der Gemeinde und in der mobilen Jugendarbeit.

Kirche und Verein nutzen Räume gemeinsam

Zunächst soll der Jugendtreff wöchentlich einmal öffnen. Kirchgemeinde und Verein nutzen dabei die Räume abwechselnd. Alle 14 Tage jeweils Dienstagabend findet dort der Jugendclub der Kirchgemeinde statt. Alle zwei Wochen jeweils Donnerstagnachmittag werden die Valtenbergwichtel verschiedene sozialpädagogische Projekte anbieten. Dass der Jugendclub angenommen wird, daran hegt Candy Winter keine Zweifel: "Seit ich als mobile Jugendarbeiterin in Cunewalde unterwegs bin, gibt es immer wieder Jugendliche, die nach einem Ort fragen, an dem sie sich treffen können. Junge Leute brauchen diesen Raum für sich, zum Gestalten."

Der Verein kann verschiedene Erfahrungen mit einbringen. Wir sind schon lange unterwegs. Die mobile Jugendarbeit gibt es jetzt schon seit dem Jahr 2000 bei uns und wir haben einfach Erfahrung, Jugendtreffs zu installieren und junge Leute auf dem Weg zu begleiten.

Candy Winter Mobile Jugendarbeiterin Valtenbergwichtel e.V.

Hemmschwelle abbauen und Toleranz üben

Carina Bewersdorf, die als Schulsozialarbeiterin in der Cunewalde Oberschule künftig auch im Jugendclub arbeiten wird, ist überzeugt, dass das Konzept Kirche und Verein funktionieren wird: "Es bestehen Freundschaften zwischen konfessionslosen Jugendlichen und Jugendlichen mit Konfession. Die Hemmschwelle wird dort abgebaut, die Kinder und Jugendlichen können Toleranz üben. Es ist ja nicht nur ein kirchlicher Treff, sondern ein Treff für alle Jugendlichen in der Gemeinde."

Wir werden uns an den Ideen der Jugendlichen orientieren. Kreative Angebote stehen immer ganz oben. Im sozialpädagogischen Bereich wollen wir die Themen, die die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel aus den Medien bewegen, aufarbeiten und sie abfangen.

Carina Bewersdorf Schulsozialarbeiterin Oberschule Cunewalde

Einen Jugendclub gab es schon vor 20 Jahren in Cunewalde. Betrieben wurde dieser damals von einem freien Träger. Doch in den 1990-er Jahren gab es kaum Geld für solche Jugendprojekte. Viel lief über ABM, die Verantwortlichen wechselten ständig. So auch in Cunewalde. Dadurch war keine konsequente Kinder- und Jugendarbeit möglich, erinnert sich Bürgermeister Thomas Martolock. Rechte Jugendliche aus der Region entdeckten damals die Schwachstelle und nutzten den Jugendclub als ihren Treff. Um das Problem in den Griff zu bekommen, schloss die Gemeinde den Treffpunkt. Mit Erfolg: Die rechtsorientierte Klientel zog weiter oder löste sich auf. Der Nachteil: Die Jugendlichen hatten keinen Ort mehr für sich.

Jugendklub ist Glücksfall für Gemeinde

Der Vorstoß der Kirchgemeinde und Valtenbergwichtel ist für den Cunewalder Bürgermeister ein Glücksfall. Die Gemeinde stellt zwar kostenlos die Räume für den Treffpunkt zur Verfügung, ist ansonsten aber aus dem Schneider. Das benötigte Personal stellen Kirchgemeinde und Verein. Damit ist die Finanzierung des Jugendclubs für die nächsten Jahre gesichert, ohne dass die Gemeinde in die eigene Tasche greifen muss.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.03.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 17:37 Uhr

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