Trockenheit in Sachsen Neues Wassermanagement gefragt: Kaum noch Wasser in Sachsens Flüssen

An der sächsisch-brandburgischen Grenze ist die Schwarze Elster bereits seit dem Frühjahr ausgetrocknet.
An der sächsisch-brandburgischen Grenze ist die Schwarze Elster bereits seit dem Frühjahr ausgetrocknet. Bildrechte: dpa

Sachsenweit fließt in vielen Flüssen derzeit kaum noch Wasser. An knapp der Hälfte der Messstellen liegen die Durchflüsse im Niedrigwasserbereich. Das teilt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit. Für die nächsten Tage werden keine ergiebigen Niederschläge erwartet. Erholung ist also nicht in Sicht.

Besonders dramatisch ist die Lage an der Schwarzen Elster im Nordosten Sachsens, heißt es aus der Arbeitsgruppe "Extremsituation" der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen. Am Pegel Neuwiese werden nur noch 43 Liter pro Sekunde gemessen. Normalerweise liegt der Durchfluss an dieser Stelle beim Siebzigfachen. Ab der Landesgrenze zu Brandenburg führt die Schwarze Elster kein Wasser mehr. Nur weil aus Bergbaufolgeseen Wasser in die Elster abgeleitet wird, plätschert ab Schwarzheide zumindest ein wenig Wasser den Flusslauf hinab.

Schwindende Reserven in den Talsperren

Die Talsperre Bautzen
Die Talsperre Bautzen Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die Lage ist an dem Fluss wiederholt auch deshalb so extrem, weil es am Oberlauf keine Stauanlagen gibt, über die niedrige Pegelstände ausgeglichen werden könnten, teilt die AG "Extremsituation" mit. Anders ist das bei der Spree. In die wird bei Trockenheit Wasser aus den Talsperren Bautzen und Quitzdorf eingeleitet. Doch die Reserven in den Talsperren nehmen immer weiter ab. So ist die Talsperre Bautzen nur noch zu 66 Prozent gefüllt. Aus der Talsperre Quitzdorf kann in diesem Jahr schon kein Wasser mehr abgegeben werden, heißt es von den Experten der AG.

Linderung könne sonst nur noch das Speicherbecken Bärwalde schaffen, das noch zu 21 Prozent gefüllt ist. Die Arbeitsgruppe hat deshalb beschlossen, die Abflüsse der Spree weiter zu reduzieren, damit für eine weiter anhaltende Trockenheit noch Reserven bleiben. Bis September könne der Spreewasserspiegel aus den Speichern noch gestützt werden, hieß es vom brandenburgischen Umweltministerium.

Notbetrieb bei Lausitzer Teichwirten

Das Problem: Von den jährlich rund 600 Liter Niederschlag in der Oberlausitz verdunsten 500 Liter wieder. "Da bleibt wenig übrig für die Grundwasserneubildung und den Oberflächenabfluss", sagt Sebastian Fritze, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung für den Bereich Spree/Neiße. "Jetzt haben wir drei Trockenjahre hintereinander. Damit leben die Flüsse nur noch vom Grundwasserdargebot [Summe aller das Grundwasser hebenden Wasserquellen, bspw. Regen oder versickerndes Oberflächenwasser, Anm. d. Red.]." Das sei mittlerweile auch aufgebraucht.

Mit sinkenden Wasserspiegeln erwärmen sich die Gewässer. Der Sauerstoffgehalt nimmt ab. Das macht den Fischern und Teichwirten in der Region zu schaffen. Bei etlichen Lausitzer Teichwirten seien Teiche deshalb gar nicht mit Fischen besetzt worden. Die derzeit bewirtschaftete Fläche liege weit unter dem Regelbetrieb, weiß Sebastian Fritze. "Das hat mit einer betriebswirtschaftlich sinnvollen Fischerei nichts mehr zu tun. Die sind alle mehr oder minder im Notbetrieb."

Immer wieder Notabfischungen nötig

Die Entwicklung geht sogar soweit, dass die Mitglieder des Anglerverbandes "Elbflorenz" Dresden seit 2018 immer wieder für sogenannte Evakuierungsbefischungen ausrücken mussten. Dort wo Gewässer trocken zu fallen drohten, betäubten sie die Fische per Elektroschock und setzen sie in sauerstoffreichere, kühlere Gewässer um. "2018 hatten wir bei weitem die meisten Einsätze", erinnert sich René Häse, Geschäftsführer des Anglerverbandes. Damals mussten die Fischer zu rund einem Dutzend. Gewässern ausrücken. 2019 waren es drei bis vier Einsätze. In diesem Jahr mussten die Angler erst einmal zu einem Rettungseinsatz.

Es tut dann in der Seele weh, wenn man diesen Wildfischbestand hegt und versucht den Fischbestand so zu entwickeln, dass auch mal ein paar große Fische da sind und sich bestimmte Fischarten wieder ansiedeln. Wenn das mit einem Mal zunichte gemacht wird, ist das bitter für uns und unsere Mitglieder.

René Häse Geschäftsführer des Anglerverbandes "Elbflorenz" Dresden e.V.

"Um dieses Defizit an Niederschlag auszugleichen, bräuchten wir schon mal zwei vermatschte Sommer mit Landregen, Kälte und viel Niederschlag, dass sich die Grundwasserleiter und Speicher wieder auffüllen und alles wieder in einen normalen Bereich kommt", sagt Sebastian Fritze von der Landestalsperrenverwaltung. Hoffnung gibt ihm, dass sich das Wetter wieder etwas zu normalisieren scheint. "Wir haben momentan keinen Jahrhundertsommer. Wir haben keine 38 Grad im Schatten. Und wir haben gefühlt doch wieder etwas mehr Niederschlag. Obwohl der Regen, der in den letzten Wochen und Monaten gefallen ist, bei Weitem nicht das ist, was wir brauchen."

Neue Lösungen für das Wassermanagement gefragt

Mit Sorge blickt der Betriebsleiter der Talsperrenverwaltung auf den Kohleausstieg und das Ende der Tagebaubetriebe in der Lausitz. "Die LEAG pumpt jetzt noch 10 bis 12 Kubikmeter pro Sekunde ins nördliche Spreeeinzugsgebiet. Das hilft im Spreewald und Richtung Berlin immens haushalten, dass man diese Quelle noch hat." Bis 2038 müssten neue Lösungen für das Wassermanagement umgesetzt werden, betont Fritze. So könnte die Schwarze Elster mit Wasserspeichern versehen werden. Auch über einen Überleiter von der Elbe werde diskutiert, berichtet Fritze. "Alleine genehmigungsrechtlich ist das ein Mammutprojekt. Und wenn ich die Genehmigungszeiten für solche Vorhaben sehe, möchten wir langsam damit anfangen", warnt Sebastian Fritze.

Quelle: MDR/fg/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.07.2020 | 19:00 Uhr

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