Wahlergebnis Torsten Ruban-Zeh ist neuer Oberbürgermeister von Hoyerswerda

Torsten Ruban-Zeh
Torsten Ruban-Zeh trat für die SPD an. Bildrechte: MDR/Martin Klimank

In Hoyerswerda ist Torsten Ruban-Zeh von der SPD mit 44,3 Prozent zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden. Dorit Baumeister, die Kandidatin von Grünen, Linken und Aktives Hoyerswerda bekam 33,4 Prozent der Stimmen. Marco Gbureck von der AfD erhielt 16,2 und Claudia Florian von der CDU 6,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Stadt bei 48,3 Prozent.

Als ersten Schritt in seinem neuen Amt will Ruban-Zah erstmal "die Mannschaft hinter sich bringen." Er wolle mit den Mitarbeitern reden, sie neu strukturieren und sich für künftige Aufgaben wie zum Beispiel den Strukturwandel mit den vorhandenen personellen Ressourcen aufstellen. Zudem sei es Ziel, "den IT-Campus jetzt wirklich festzumachen".

Mit Blick auf Konkurrentin Baumeister: "Wir müssen miteinander arbeiten."

Mit Blick auf die zweitplatzierte Baumeister sagte Ruban-Zeh MDR SACHSEN, es sei schon nach dem ersten Wahlgang gewollt gewesen, "dass wir miteinander reden" und die Gegenseite habe das leider zwei Mal ausgeschlagen. Dennoch sei er nicht abgeneigt, so Ruban-Zeh. Jede Rede habe einen Sinn. Ruban-Zeh hob die Stärken seiner Kontrahentin Baumeister im kulturellen und bautechnischen Bereich hervor, aber "was da konkret kommen wird, warten wir's ab."

Wir müssen miteinander arbeiten. Es geht um die Stadt, es geht um die Menschen. Und das sollte uns auch wieder einen, ohne irgendwelche Gräben aufzumachen.

Torsten Ruban-Zeh

Baumeister fühlt Verpflichtung, nicht zu gehen

Sie habe sich schon immer, auch ohne politisches Amt, sehr stark für diese Stadt engagiert - nicht nur beruflich, auch ehrenamtlich. Sie werde ein paar Tage brauchen, aber sie fühle auch eine Verpflichtung, "nicht zu gehen. Und sich für die Stadt einzubringen." Aber sie müsse auch einen Platz finden, der das hergibt.

Bezug nehmend auf den neuen OB sagte Baumeister, ihr Hauptproblem sei, dass Ruban-Zeh die Stadt nicht kenne. Er kenne die Menschen nicht, habe weder den Aufbau noch die 1990er-Jahre erlebt. Er wisse nicht, was die Menschen hier berührt. Das Potenzial, das die Stadt in sich trage, fühle Ruban-Zeh nicht, so Baumeister.

Torsten Ruban-Zeh kam im Jahr 2000 nach Hoyerswerda.

Ruban-Zeh schon im ersten Wahlgang vorn

In Hoyerswerda war es bereits der zweite Wahlgang, da bei der Wahl vor zwei Wochen keiner der Kandidatinnen oder Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreicht hatte. Nun waren noch zwei Männer und zwei Frauen angetreten. Der Einzelbewerber Dirk Nasdala hatte seine Kandidatur Anfang der Woche zurückgezogen. Bereits im ersten Wahlgang hatte Ruban-Zeh die meisten Wählerstimmen erreicht - 31,8 Prozent.

Ruban-Zeh, Geschäftsführer der AWO Lausitz Pflege- und Betreuungs gGmbH und einer der größten Arbeitgeber der Stadt, wird Nachfolger von Stefan Skora. Der CDU-Mann hatte nach zwei Amtsperioden seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Mit dem Kohleausstieg steht die Kommune im Landkreis Bautzen mit knapp 33.000 Einwohnern vor neuen Herausforderungen.

OB-Wahl Die Kandidaten vom Zweiten Wahlgang in Hoyerswerda

Diese Kandidatinnen und Kandidaten sind im zweiten Wahlgang am 20. September nochmal angetreten. Neben den Fotos finden Sie hier die Kurzprofile der Bewerber.

Oberbürgermeister-Kandidatin Dorit Baumeister
Dorit Baumeister, Grüne, Linke und Aktives Hoyerswerda Geboren: 1963 in Lübz 
Familie: verheiratet, zwei Kinder 
Beruf: Architektin, Citymanagerin
Lebenslauf: 1968 nach Hoyerswerda gezogen, Lehre als Baufacharbeiterin, Studium an der FH Cottbus, Fachrichtung Hochbau & Denkmalschutz, nach Arbeit in Berlin und Regensburg, 1992 Gründung eines Architekturbüros in Hoyerswerda, seit 2003 Kulturaktivistin und Initiatorin von Stadtumbau und Bürgerbeteiligungsprojekten, seit 2018 zur Hälfte als Citymanagerin tätig
Schwerpunkte: Wirtschaft, Stadtumbau, Bürgerbeteiligung
Welche Aufgabe würde sie als Oberbürgermeisterin zuerst angehen?
"Die Verwaltung muss sich als Ermöglicher und Partner für die Bürgerinnen und Bürger neu aufstellen. Dafür werden neue Formate für Transparenz und neue Strukturen für Bürgerbeteiligung verpflichtend eingefügt. Die Potentiale und Kompetenzen werden damit vor Ort gebündelt um sie in die strategische Zukunftsaufstellung der Stadt einzubinden. Erste "Runde Themen-Tische" werden einberufen zu Wirtschaft, Bildung, Soziales, Sport, Tourismus und Kultur."
Bildrechte: privat
Oberbürgermeister-Kandidatin Dorit Baumeister
Dorit Baumeister, Grüne, Linke und Aktives Hoyerswerda Geboren: 1963 in Lübz 
Familie: verheiratet, zwei Kinder 
Beruf: Architektin, Citymanagerin
Lebenslauf: 1968 nach Hoyerswerda gezogen, Lehre als Baufacharbeiterin, Studium an der FH Cottbus, Fachrichtung Hochbau & Denkmalschutz, nach Arbeit in Berlin und Regensburg, 1992 Gründung eines Architekturbüros in Hoyerswerda, seit 2003 Kulturaktivistin und Initiatorin von Stadtumbau und Bürgerbeteiligungsprojekten, seit 2018 zur Hälfte als Citymanagerin tätig
Schwerpunkte: Wirtschaft, Stadtumbau, Bürgerbeteiligung
Welche Aufgabe würde sie als Oberbürgermeisterin zuerst angehen?
"Die Verwaltung muss sich als Ermöglicher und Partner für die Bürgerinnen und Bürger neu aufstellen. Dafür werden neue Formate für Transparenz und neue Strukturen für Bürgerbeteiligung verpflichtend eingefügt. Die Potentiale und Kompetenzen werden damit vor Ort gebündelt um sie in die strategische Zukunftsaufstellung der Stadt einzubinden. Erste "Runde Themen-Tische" werden einberufen zu Wirtschaft, Bildung, Soziales, Sport, Tourismus und Kultur."
Bildrechte: privat
Oberbürgermeister-Kandidat Marco Gbureck (AfD)
Marco Gbureck, AfD Geboren: 1976 in Hoyerswerda
Familie: verheiratet, drei Kinder
Beruf: Orthopädietechniker, Bäcker, Selbstständig 
Lebenslauf: seit 2009 selbstständig mit einem Sanitätshaus, seit 2010 selbstständig in Vermietung/Verpachtung
Schwerpunkte: Strukturwandel, Tourismusförderung
Welche Aufgabe würde er als Oberbürgermeister zuerst angehen?
"Ganz klar sag ich an der Stelle, dass der Strukturwandel als Erstes angepackt werden muss. Wir haben den letzten noch nicht verkraftet und stehen vor dem nächsten, welchen wir nicht verschlafen dürfen. Hoyerswerda hat dadurch 40.000 Einwohner verloren und daher sage ich, es darf kein erneutes "Weiter so" geben."
Bildrechte: privat
Claudia Florian, CDU Geboren: 1965 in Hoyerswerda
Familie: verheiratet, drei Kinder
Beruf: Geschäftsführerin des Landesverbands der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.
Lebenslauf: Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, 1990 Eröffnung eines Einzelhandelsgeschäfts mit ihrem Ehemann, ab 2005 Arbeit für verschiedene Landes- und Bundestagsabgeordnete als Wahlkreismitarbeiterin, heute Geschäftsführerin des Landesverbands der Vertriebenen und Spätaussiedler
Schwerpunkte: Kommunikation und Transparenz, Stadtentwicklung
Welche Aufgabe würde sie als Oberbürgermeisterin zuerst angehen?
"Mir ist es eine Herzenssache die Bürger und die Verwaltung von Anfang an mitzunehmen. Transparenz und Kommunikation kamen in den letzten Jahren zu kurz, jedoch können wir als Stadt nur erfolgreich sein, wenn wir die Bürger an den Projekten und Veränderungen der Stadt teilhaben lassen. Dies lässt sich mit kleinen, aber wirkungsvollen Änderungen schon zu Beginn schnell verbessern. Ich möchte beispielsweise wieder einen öffentlichen OB-Kalender führen und ein Bürgertelefon mit Verbindung zum OB-Büro einrichten. Ich werde außerdem bereits mit der Erarbeitung der Strukturen der Ideenwettbewerbe und des Kinder- und Jugendparlaments sowie mit dem Runden Tisches der Ehrenämtler beginnen."
Bildrechte: privat
Oberbürgermeister-Kandidat Torsten Ruban-Zeh (SPD)
Torsten Ruban-Zeh, SPD Geboren: 1963 in Dresden
Familie: verheiratet, vier Kinder im Haushalt lebend
Beruf: Maschinen- und Anlagenmonteur, Ingenieurökonom
Lebenslauf: Ausbildung als Maschinen-und Anlagenmonteur in den Pumpenwerken Halle, Studium an der Offiziershochschule in Löbau, Ausbildung zum Militärattaché (unterbrochen aufgrund der Wende) und ab 1991 im Einzelhandel tätig, ab 2000 Leitung des Globus-Warenhauses in Hoyerswerda, später Regionalleiter für Globus in Russland, seit 2011 Geschäftsführer des AWO Kreisverbands Lausitz
Schwerpunkte: Führungsrolle Hoyerswerdas in der Region erarbeiten, Wirtschaftsförderung
Welche Aufgabe würde er als Oberbürgermeister zuerst angehen?
"Verwaltung muss den Bürgern und den Unternehmen dienen. Wir brauchen hier einen Kulturwandel im Denken und Handeln. Mit den Mitarbeitern der Verwaltung muss gemeinsam eine Zielstellung erarbeitet werden und eine tragfähige Personalstruktur, um Zukunft auch wirklich gestalten zu können. Warum? Wir müssen aus dem Modus des "Verwaltens" umschalten in die aktive Gestaltung der Region und unserer Stadt."
Bildrechte: privat
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Warum gibt es einen zweiten Wahlgang?

Das Sächsische Kommunalwahlgesetz legt fest, dass die Person gewählt ist, die mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen bekommen hat. Schafft das keiner der Kandidatinnen oder Kandidaten, muss zwei bis vier Wochen später ein zweiter Wahlgang durchgeführt werden. Alle Bewerber können wieder antreten, müssen es aber nicht. Bei dieser Wahl gewinnt nun, wer die meisten Stimmen bekommt. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los.

Quelle: MDR/cb/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.09.2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

THOMAS H vor 4 Wochen

Werte Maria A. !
Wen von der "geballten Unterstützerschaft der abgehängten Auswahlkandidatin" kennen Sie, so daß Sie m. M. so herabwürdigend schreiben müssen. Frau Baumeister hat sich m. Wissen immer für Hoyerswerda eingesetzt
und wurde deshalb von den Unterstützern, für ihre Oberbürgermeisterkandidatur begleitet und hat damit in der Stichwahl 4424 gültige Stimmen erhalten, was zum ersten Wahlgang sogar eine Steigerung (4034) war.
Es zeigt sich somit, daß die wahlberechtigten Bürger, die Frau Baumeister gewählt haben, ihre bisherige Arbeit für Hoyerswerda und die Region wert- schätzen und ihr das Amt des OB zugetraut hätten.
Das Herr Ruban-Zeh gewonnen hat, liegt sicher nicht nur an seiner SPD-Zugehörigkeit.
Zum Schluß kann ich ihnen mitteilen, das Hoyerswerda von 1994-2006 sogar einen Oberbürgermeister der Partei DIE LINKE hatte und auch zu dieser Zeit nicht untergegangen ist.

Maria A. vor 4 Wochen

Seltsam, spielt die SPD denn in dieser Gegend eine Rolle? Bei uns, also im Erzgebirge, kriegt die SPD relativ wenig Stimmen bei Wahlen und da würde sich wohl auch ein SPD-Bürgermeisterkandidat schwer tun. Sieht man jedoch die geballte Unterstützerschaft der abgehängten Auswahlkandidatin, dann ist man doch froh, dass sich der SPD-Mann durchgesetzt hat.

Harka2 vor 4 Wochen

Nun, als ordentlicher NVA-Offizier wird dann bestimmt klare Befehle ausgeben.
Beneiden tun ich ihn allerdings wahrlich nicht. Die Region ist inzwischen fast völlig entvölkert und deindustrieallisiert.

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