Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" Oberlausitzer Brauer entdecken alte Gerstensorte

Brauer aus der Region Bautzen haben ein neues Bier gebraut. Es besteht aus einer alten Gerstensorte, die im Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft" angebaut wird.

Ein Mann, Anfang 30 mit Glatze, hält eine Flasche Bier in der Hand und präsentiert sie.
Tobias Frenzel hat sich auf des Experiment mit der alten Braugerstensorte "Goldthorpe" eingelassen. Unter dem Namen "Oberlausitzer Heidebräu" wird es vermarktet. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

"Es sieht aus wie ein helles Bier, schmeckt vielleicht etwas malziger und ist süffig." So beschreibt Tobias Frenzel von der gleichnamigen Bautzener Braumanufaktur sein neues Produkt. "Oberlausitzer Heidebräu" heißt es und ist etwas ganz Besonderes. Das Getränk ist aus dem Malz der aus England stammenden alten Gerstensorte "Goldthorpe" gebraut. Vor mehr als hundert Jahren wurde sie in der Oberlausitz zum Bierbrauen angebaut. Später verdrängten modernen Züchtungen die alte Sorte. Jetzt aber ist sie zurück auf den Feldern im Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft".

Klittener Agrargenossenschaft baut alte Braugerste an

Angebaut wird die alte Gestensorte seit 2016 von der Agrargenossenschaft Klitten bei Boxberg, die im Biosphärenreservat liegt. Ihr Chef Maik Apelt ging das Risiko ein, kaufte 300 Kilogramm Saatgut und säte es erst einmal zum Vermehren aus. Im Jahr darauf brachte er die alte Sorte auf 38 Hektar aus. 57 Tonnen Braugerste waren der Lohn. "Dann habe ich fast ein Jahr eine Mälzerei gesucht, die uns die alte Sorte abkauft", erinnert sich der Landwirt. In Franken fand er schließlich seinen Abnehmer. Zusammen mit Mitarbeitern des Biosphärenreservats suchten sie dann kleine Brauereien in der Oberlausitz, die aus dem Malz Bier brauen.

Gleicher Name, verschiedene Biere

Ein großes mit Gerste gefülltes Bierglas.
Der Ertrag bei der alten Braugerste ist höchstens halb so hoch wie bei modernen Züchtungen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Mit dem Bierbrauhaus in Obergurig und der Bautzener Braumanufaktur fanden sie zwei interessierte kleine Brauer in der Region. Auch sie gingen wie die Agrargenossenschaft das Risiko ein, mit der alten Braugerste zu experimentieren. Die erste Charge, die Tobias Frenzel braute, stellte ihn noch nicht zufrieden. "Alte Braugersten enthalten mehr Eiweiße, mehr Kleisterstoffe. Die erschweren die Herstellung", erklärt der 32-Jährige. Inzwischen aber hat der Bautzener sein Rezept gefunden und ist zufrieden mit dem  Ergebnis: "Wir haben uns mit dem Hopfen zurückgehalten, weil wir die verwendete Malzsorte betonen wollten."

Das aus der "Goldthorpe" in Obergurig bei Bautzen gebraute Bier nennt sich ebenfalls "Oberlausitzer Heidebräu". Es schmeckt aber ganz anders als das in Bautzen gebraute Getränk. "Jeder hat sein eigenes Rezept. Deshalb wird das Bier immer unterschiedlich schmecken", sagt Tobias Frenzel. 500 Kilogramm Malz hat er von der "Goldthorpe" gekauft. Einen Teil davon hat er bereits verarbeitet. Der Rest muss für die nächsten Monate reichen.

Magere Ernte durch Trockenheit in diesem Jahr

Dieses Jahr erntete die Klittener Agrargenossenschaft wegen der Trockenheit nur elf Tonnen Goldthorpe, sagt Vorstand Maik Apelt: "Das ist zu wenig, um sie zu verkaufen. Die brauchen wir als Saatgut fürs nächste Jahr." Auf wieviel Hektar er im kommenden Jahr die alte Braugerste anbauen wird, weiß er noch nicht. Die Gespräche mit den Akteuren stünden noch aus. "Wir wollen aber nicht mehr anbauen, als gebraucht wird", sagt Maik Apelt.

Anbau alter Getreidesorten im Biosphärenreservat Das Biosphärenreservat bemüht sich seit Jahren um den Wiederanbau alter Getreidesorten, die vor mehr als hundert Jahren schon einmal in der Oberlausitz wuchsen. Damit soll die Sortenvielfalt auf den Feldern im Naturschutzgebiet erhöht und regionale Wirtschaftskreisläufe in Gang gebracht werden. Für ihr Projekt sucht das Reservat Akteure in der Region.

Die Agrargenossenschaft Klitten baut seit vielen Jahren auf ihren Feldern den "Champagnerroggen" an, eine alte Getreidesorte. Eine Mühle in der Oberlausitz mahlt den Roggen und liefert ihn an Bäcker in der Region. Immer mehr Bäckereien in der Oberlausitz verarbeiten das Mehl zu Brot und Brötchen.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.12.2018 | 9:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2018, 16:36 Uhr

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