Schnelles Internet Landkreis Bautzen startet flächendeckenden Breitbandausbau

Bis Ende 2020 soll nahezu jeder Haushalt im Landkreis Bautzen ans schnelle Internet angebunden sein. Am Montag haben die Kreisverwaltung und die Telekom den offiziellen Startschuss für den Breitbandausbau gegeben.

Vier Männer in Anzügen stehen in einem Halbkreis und halten zertrennte Kabelstränge in der Hand.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Telekom-Chef Timotheus Höttges, Bautzens Landrat Michael Harig und Staatssekretär Steffen Bilger (v.l.) gaben in Schmochtitz bei Bautzen den Startschuss für den Breitbandausbau im Landkreis Bautzen. Bildrechte: Marc-Steffen Unger

André Lerch wohnt auf dem Land in Malschwitz. Zurzeit geht der 43 Jahre alte Familienvater über eine Mobilfunkverbindung ins Internet. Zufrieden ist er damit nicht: "Jetzt geht es rucklig und holprig. Ich hab drei Kinder im schulpflichtigen Alter. Wenn's darum geht, mal einen Beitrag per Video runterzuladen – einer geht noch. Aber sobald dann zwei anfangen, gleichzeitig zu arbeiten, dann wird's äußerst schwierig."

Wackelige Funkverbindung statt Glasfaseranschluss

Zwei Männer unterhalten sich vor einer Maschine.
Für Jürgen Zeibigs (r.) Unternehmen ist ein schneller Internetanschluss überlebenswichtig. Bildrechte: Lutz Günther

Auch Jürgen Zeibig kann es kaum erwarten, dass sein 100-Mann-Betrieb ans Glasfasernetz angeschlossen wird. Der Geschäftsführer der Zeibina Kunststofftechnik GmbH in Puschwitz weicht zurzeit notgedrungen auf eine Funkverbindung aus, um mit seinen Niederlassungen in Polen und der Slowakei in Kontakt zu bleiben. Doch das Funknetz ist nicht stabil. Die sonst im Betrieb anliegende Datenübertragungsrate beträgt 1 Mbit pro Sekunde. Damit kann der Firmenchef nichts anfangen.

Die gegenwärtige Breitband-Situation auf dem Land empfindet Jürgen Zeibig als einen klaren Standortnachteil für das Unternehmen. Er hofft, dass der Ausbau des schnellen Internets nun zügig vorangeht. Übertragungsraten von 50 Mbit pro Sekunde würden dem Betrieb schon reichen, um auf schnellem Wege zum Beispiel Zeichnungen von Bauteilen von den Auftraggebern zu empfangen, sagt der Geschäftsführer.

Unterversorgte Gebiete werden erschlossen

Bis Ende 2020 wird der Landkreis Bautzen rund 60.000 unterversorgte Haushalte, fast 9.000 Unternehmen sowie 117 Schulen und Bildungseinrichtungen ans schnelle Internet anbinden. Als "unterversorgt" gelten Gebiete und Unternehmen, bei denen  Datenübertragungsraten mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde anliegen. Davon betroffen ist vorwiegend der ländliche Raum.

Bisher fahren viele Haushalte und Gewerbebetriebe noch auf einer Schotterpiste. Künftig wird das eine zehnspurige Autobahn sein.

Timotheus Höttges Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom AG

Knapp 105 Millionen Euro stehen für den Breitbandausbau im Landkreis Bautzen zur Verfügung. Davon kommen 69 Millionen Euro vom Bund und gut 35 Millionen vom Freistaat. Für das Projekt wurde der Landkreis in neun Ausbaugebiete aufgeteilt. In acht Gebieten wird die Telekom Glasfaserkabel mit Übertragungsraten ab 50 Mbit pro Sekunde verlegen. Für das neunte Gebiet rund um Bischofswerda hat der Energieversorger Enso den Zuschlag bekommen. Im Gebiet um Neschwitz und Radibor sowie im Raum Bischofswerda haben die ersten Arbeiten bereits begonnen. Gebaut wird in 56 der insgesamt 58 Kommunen im Kreis Bautzen.

Größtes Einzelprojekt für die Telekom in Deutschland

Ein schlanker Mann mit Glatze und Brille erklärt die Technik eines Glasfasernetzverteilers, der fürs schnelle Internet gebraucht wird. Einige Männer in Anzügen stehen um ihn herum und hören ihm zu.
Telekom-Chef Höttges (Mitte) erklärt die Technik eines Glasfaser-Netzverteilers. 1.100 solcher Verteiler wird das Unternehmen im Landkreis Bautzen aufbauen. Bildrechte: Marc-Steffen Unger

"Für uns ist es das größte Einzelprojekt dieser Art in Deutschland", beschreibt Telekom-Chef Timotheus Höttges die Dimension des knapp 100-Millionen-Euro-Auftrags. In weniger als einem Jahr sollen die ersten Haushalte und Firmen über die schnellen Internetanschlüsse verfügen können, verspricht er. Ein gut ausgebautes Glasfasernetz sei die beste Sicherung für Arbeitsplätze, ergänzt Höttges.

70 Prozent der Menschen in Deutschland leben auf dem Land. Und 60 Prozent der deutschen Unternehmen siedeln im ländlichen Raum. Deshalb sei es höchste Zeit, "die Lücke zwischen den Ballungszentren und dem ländlichen Raum zu schließen", sagte Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 12.11.2018 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 12.11.2018 | ab 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 09:20 Uhr

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