Stanislaw Tillich, Barbara Praetorius und Ronald Pofalla stellen den Abschlussbericht der Kohlekommission vor. Hat Tillich seine Kollegen getäuscht?
Stanislaw Tillich, Barbara Praetorius und Ronald Pofalla bei der Vorstellung des Abschlussberichtes der Kohlekommission. Hat Tillich seine Kollegen getäuscht? Bildrechte: dpa

27.09.2019 | 18:44 Uhr Mibrag-Posten: Petition verlangt Rücktritt von Tillich

Hannelore Wodtke war wie Stanislaw Tillich Mitglied der Kohlekommission. Nach seinem Wechsel zur Mibrag sieht sie sich getäuscht und hat eine Online-Petition gestartet. Über 33.000 Menschen haben bisher unterschrieben.

Stanislaw Tillich, Barbara Praetorius und Ronald Pofalla stellen den Abschlussbericht der Kohlekommission vor. Hat Tillich seine Kollegen getäuscht?
Stanislaw Tillich, Barbara Praetorius und Ronald Pofalla bei der Vorstellung des Abschlussberichtes der Kohlekommission. Hat Tillich seine Kollegen getäuscht? Bildrechte: dpa

Frau Wodtke, Sie fordern Stanislaw Tillich auf von seinem Mandat für den Aufsichtsrat bei der Mibrag zurückzutreten. Warum ist dieses Mandat für Sie anstößig?

Ich finde das aus zweierlei Gründen anstößig: Stanislaw Tillich outet sich jetzt als hochgradiger Kohlelobbyist, da er ja Vorsitzender des Aufsichtsrates ist. Das ist nicht vereinbar mit dem, wie er vorher diskutiert und gesprochen hat. In der Kohlekommission war er einer der Vorsitzenden. Da frage ich mich, inwieweit war das zu dieser Zeit schon bekannt? Denn wir wurden zu dieser Zeit alle vom Bundeswirtschaftsminister eingesetzt. Hatten die davon schon Kenntnis? Ich finde, Herr Tillich ist - wenn ich es ganz hart sagen soll - ein Lügner.

Sie bezeichnen diesen Vorgang als Korruption, der der Politik und uns allen schade. Inwiefern schadet es uns, wenn ein mit den Belangen der Bergarbeiter vertrauter Politiker Aufsichtsratschef wird? Kann der in solch einer Position dann nicht viel besser die Anliegen der Menschen aus den betroffenen Regionen vertreten?

Das ist nun gerade nicht der Fall. Diese Posten gehen nur an Leute, die – wenn ich ganz hart bin – nicht genug bekommen können. Er will jetzt einen hochdotierten Posten, da er nicht mehr Ministerpräsident ist. Und das ist nicht vereinbar mit dem, was er vorher alles gesagt und getan hat.

Inwiefern schadet das der Politik oder uns allen?

Dadurch macht er sich und andere Politiker unglaubwürdig.

Stanislaw Tillich war einer der Vorsitzenden der Kohlekommission. Sie waren selbst auch Mitglied dieser Kommission. Wie haben Sie seine Arbeit dort erlebt und wie sieht das jetzt im Lichte dieses Aufsichtsratsmandats für Sie aus?

Hätte ich das früher gewusst, dann hätten alle anderen auch einen Antrag gestellt, dass er das nicht annehmen darf. Wir wussten damals nicht, dass so etwas geplant oder schon in Arbeit ist. Innerhalb der Kohlekommission war er in puncto Kohleausstieg sehr zurückhaltend. Und hat mehr oder weniger wie die anderen Ministerpräsidenten das Datum des Kohleausstiegs nach hinten raus weit verlängern wollen.

Wie hat er das damals begründet?

Dass es einfach nicht machbar ist, dass jetzt die Bergarbeiter darunter leiden müssen und ihren Job verlieren. Die haben ihre Kredite aufgenommen für Häuser und so weiter. Das kann ich nicht akzeptieren. Das haben andere Bürger, die nicht Bergarbeiter sind, genauso getan. Alle anderen werden mit den Tatsachen konfrontiert und müssen sehen, wie sie zurande kommen. Er hat die Bergarbeiter unter besonderen Schutz gestellt.

Sie haben Ihre Onlinepetition erst vor zwei Tagen gestartet. Jetzt stehen darunter schon mehr als 33.000 Unterschriften. Haben Sie damit gerechnet, dass die Petition solche Wellen schlägt?

Eigentlich nicht. Ich dachte, viele werden es gar nicht merken. Aber es wurde ja jetzt in der Presse auch kundgetan, dass er den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernimmt. Da habe ich gedacht, das kann einfach nicht wahr sein. Sowas kann es nicht geben. Aber, dass es in der Bevölkerung nun auch solch eine Resonanz gibt, habe ich nicht erwartet. Ehrlich gesagt, bin ich positiv überrascht.

Bekommen Sie auch persönliche Rückmeldungen auf Ihre Petition? Was sagen Ihnen die Leute?

Die sagen: das ist ein großer Schwindel und manchmal noch grobere Sachen. Sie geben mir recht. Das muss in die Öffentlichkeit. Denn viele wissen gar nicht, was gespielt wird und was Sache ist. Das ist zwar Sachsen. Wir sind Brandenburg. Aber ich befürchte, dass sein Beispiel Schule macht.

Was erhoffen Sie sich, mit Ihrer Petition bewirken zu können?

Ich verspreche mir durch die Aufmerksamkeit, dass das Thema im Bundestag vor einen Untersuchungsausschuss kommt. Dass dann erst einmal geprüft wird, wie lange die Verhandlungen für diesen Job schon laufen. Und wenn das wirklich schon längere Zeit geht und zu Zeiten der Kohlekommission begann, dass das dann als unredlich verurteilt wird. Allerdings habe ich auch Bedenken, dass das dann die Arbeit der Kohlekommission im Nachhinein negativ beeinflusst.

Fürchten Sie, dass der Abschlussbericht zunichte gemacht würde?

Das möchte ich nun nicht. Denn durch ein schwarzes Schaf kann nicht die ganze Herde niedergemacht werden, sag ich mal.

Mehr als 33.000 Unterschriften in zwei Tagen - was denken Sie, welche Kreise wird Ihre Initiative noch ziehen?

Ich kann das überhaupt nicht einschätzen. Ich habe nicht einmal mit so vielen Unterschriften gerechnet. Es wäre hoch gepokert, wenn ich sagen würde: ich würde mich über 50.000 Unterschriften freuen. Aber ich glaube, das ist zu hoch. Ich bin mit dem jetzigen Stand schon ziemlich zufrieden.

Die Fragen stellte Martin Kliemank.

50.000 Unterschriften muss die Petition von Hannelore Wodtke erreichen, damit sich der Petitonsausschuss des Bundestags damit zu befassen hat. Es ist aber auch möglich, dass der Ausschuss schon vor Erreichen dieses Quorums über den Inhalt berät.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.09.2019 | 20:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 26.09.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2019, 18:53 Uhr

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