01.03.2020 | 19:00 Uhr | Update Lohsaer Kirchen-Orgel wieder eingeweiht

Zahlreiche Pfeifen mussten für die Restaurierung der Lohsaer Orgel neu gefertigt werden. Erhalten blieben jedoch die originalen Tastenbeläge.
Zahlreiche Pfeifen mussten für die Restaurierung der Lohsaer Orgel neu gefertigt werden. Erhalten blieben jedoch die originalen Tastenbeläge. Bildrechte: MDR/Stephan Witschas

Raumfüllend und deutlich harmonischer klingt die knapp 150 Jahre alte Orgel in Lohsa nun wieder. Anderthalb Jahre arbeiteten Restauratoren daran, den Originalzustand des Instruments wiederherzustellen. Vom Ergebnis sind die Gemeindemitglieder begeistert. "So schön, wie die wieder aufgebaut wurde, jetzt klingt die so melodisch. Ich kann mich nur freuen", sagte eine Gottesdienstbesucherin.

Vor der Restaurierung war der Zustand der seltenen Orgel noch erbarmungswürdig. Der Klang uneinheitlich, die Windladen voller Risse und an den Holzpfeifen nagten Würmer. Nur etwa die Hälfte des originalen Pfeifenwerks war noch erhalten. "Für mich war es sehr wichtig, dass wir die Orgel im Originalzustand wieder neu errichten, damit wir einen einmaligen Klang haben. Also nicht eine Orgel wie jede andere Orgel auch, sondern eine Orgel mit einem ganz spezifischen Klang. Und ich denke, das ist gelungen", sagt Pfarrer Matthias Gnüchtel.

Originalzustand wieder hergestellt

Auch Kreiskantorin Ulrike Scheytt lobt die Qualität der Restaurierung. "Es war für mich, nachdem ich die Orgel vor etwa zwei Jahren bei einem Benefizkonzert bereits gespielt hatte, eine große Überraschung, dass die historische Dimension wieder so zum Klingen kommen konnte", sagt Scheytt. Sie führt das auf Veränderungen an der Windanlage, auf die neuen Pfeifen, die Mensuren und die Intonation zurück.

Die Ladegast-Rühlmann-Orgel wurde im Jahr 1872 erbaut. Sie sei "drei Mal dem Zeitgeschmack der jeweiligen Kantoren entsprechend umgebaut" worden, sagte Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat. Im 19. Jahrhundert war das Instrument mehrfach in Gefahr. "Im Zweiten Weltkrieg mussten die Pfeifen der Orgel für die Rüstung herhalten und wurden zweckentfremdet", so Wenk. Später, in den 1980er-Jahren, seien Gutachter dann zu dem Schluss gekommen, die Orgel solle nur noch so lange gespielt werden, bis sie nicht mehr funktioniere.

Barocker Klang eines fast einzigartigen Instruments

Blick auf die Rühlmann-Ladegast-Orgel der Lohsaer Kirche
224.000 Euro flossen in alle Bauarbeiten rund um die Rühlmann-Ladegast-Orgel in Lohsa. Bildrechte: Günter Wenk

Damit wollten sich die Lohsaer Gemeindekirchenräte in den vergangenen Jahrzehnten nicht anfreunden. Zum einen gebe es nur noch ein ähnliches Instrument in Reichenbach bei Görlitz. Zum anderen sei der Klang dieser romantischen Orgel unverwechselbar für den Charakter der Lohsaer Kirche, so Wenk. "Sie klingt lieblich und weich, im Gegensatz zum starken und lauten Klang des Barock." Die Räte sammelten über Jahre Ideen für die Sanierung der Orgel, zapften Fördertöpfe an und holten Spenden ein. 85 Prozent der Investitionen seien über das "Leader"-Förderprogramm der EU geflossen. Der übrige Eigenanteil sei über Gelder aus und um Lohsa sowie ein Projekt der Ostsächsischen Sparkasse Dresden zusammengekommen.

Kirche Lohsa mit Blick auf Altar und Buntglasfenster zur Adventszeit
Bildrechte: MDR/Stephan Witschas

Besonderheit der Evangelischen Kirche Lohsa Die Lohsaer Kirche besitzt beiderseitig je zwei Emporen mit Bibelsprüchen in Deutsch und Sorbisch. Außerdem befinden sich in der Kirche Logen, die früher von Gutsbesitzern genutzt wurden. Sie sind noch immer sanierungsbedürftig.

Der Grundstein für das jetzige Gebäude wurde laut Kirchenchronik am 22. März 1751 gelegt. Am 2. Juni 1752 wurde die Kirchturmspitze aufgesetzt. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde die Kirche innen und außen saniert, außerdem die benachbarte Trauerhalle und das Pfarrhaus erneuert.

Eineinhalb Jahre Restaurierungszeit

"Die Orgel ist nun in eineinhalb Jahren Bauzeit restauriert und dem Denkmalschutz entsprechend in den Zustand von 1872 gebracht worden", freut sich Günter Wenk. Sie habe zwar jetzt nur noch 1.100 statt der ursprünglichen 1.242 Pfeifen, allerdings könnten jetzt alle 18 Register wieder gezogen werden. Die Abnahme fand schon am 20. Februar mit Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger, Pfarrer Matthias Gnüchtel, Gemeindekirchenräten, der zuständigen Architektin und Vertretern der Orgelbaufirma Eule statt.

Menschen auf einer Kirchenempore vor einer Orgel
Bauabnahme nach eineinhalb Jahren Restaurierung Bildrechte: Günter Wenk

Ich war dankbar und gerührt, von dem was nun von der Orgel zu hören ist und was aus dem Instrument rauszuholen geht. Es hat ja länger gedauert, als es sollte. Am Ende zählt aber, dass das künstlerische Werk vollbracht und nun abgeschlossen wurde. Unser Ziel war kein Flughafenbau, sondern die Restaurierung einer sehr besonderen Orgel.

Günter Wenk Gemeindekirchenrat in Lohsa

Quelle: MDR/sw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.03.2020 | 17:40 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 01.03.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2020, 19:00 Uhr

Mehr aus Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz

Mehr aus Sachsen