22.02.2020 | 19:14 Uhr Was Faschingsumzüge von Ross und Reiter abverlangen

Die einen freuen sich über geschmückte Wagen und reich verzierte Prunkgeschirre. Die anderen befürchten Unfälle und gestresste Tiere. Denn Pferde bei Festumzügen mitlaufen zu lassen, birgt ein gewisses Risiko.

Die Anforderungen an die Pferde und deren Reiter sind bei Umzügen schon beachtlich, sagt Kutscher Andreas Kretschmer, der schon mehrmals beim Eibauer Bierzug und bei Faschingsumzügen dabei war. "Überall stehen Autos und man kommt nirgends vorbei. Und man muss schauen, dass man trotzdem an der Seite irgendwo durchfährt, dass die Pferde auch nicht scheuen oder zur Seite wegspringen", so Kretschmer. Nicht zuletzt wegen der lauten Musik müssten die Pferde sehr nervenstark sein.

Im bunten Trubel die Ruhe bewahren

Nicht nur die Pferde, sondern auch die Gespannfahrer und Reiter müssen Ruhe bewahren. Zum Beispiel wenn halb unter die Pferde gegrätscht werde, um an einen Bonbon zu kommen. Sophia Bresan, Amazone im Wittichenauer Faschingsumzug, kennt solche Situationen. "Beim Rosenmontagsumzug, wo auch die großen Wagen dabei sind, reiten wir als Amazonen immer ganz vorn", sagt sie. Wenn der Umzug dann zum Stehen komme, würden die Pferde weniger hektisch. Auch gebe es an erster Position weniger Gedränge.

Sophia Bresan hat beim Festumzug ihren 28-Jährigen Wallach Landlord unter dem Sattel. Der kennt sich mit Karneval wahrscheinlich sogar besser aus als seine 16-jährige Reiterin. Für nervösere Pferde gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Etwa biete der Markt pharmazeutische Mittel wie Bachblüten-Leckerlis und Bachblütentropfen, sagt Sophia Bresan.

Vorläufige Tierschutzlinie in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr eine vorläufige Tierschutzrichtlinie für Pferde beim Karneval eingeführt. Die beinhaltet stichprobenartige Dopingkontrollen beim Pferd, ein Handy-, Rauch- und Alkoholverbot an den Zügeln, weite Abstände zu Blaskapellen und ein Reitverbot für übergewichtige Personen. Ein Unfall mit Kutschpferden vor zwei Jahren beim Rosenmontagsumzug in Köln gab den Ausschlag für dieses Umdenken. Damals waren einige Menschen verletzt worden, als die Tiere mit der Kutsche durchgingen.

Eine Versicherung für den Ernstfall

Das A und O, findet Gespannführer Andreas Kretschmer, sei außer dem eigenen Sachverstand die persönliche Absicherung. "Ich habe eine Fahrversicherung, in der noch einmal angemeldet wird, wenn man an einem Umzug teilnehmen möchte", sagt der Kutscher.

In Schirgiswalde sind Gespanne aus versicherungstechnischen Gründen schon seit Jahren aus den Faschingsumzügen verschwunden.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.02.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2020, 19:14 Uhr

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