Teich mit dreisömmrigen Besatz. Auf Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar.
Teich mit dreisömmrigen Besatz. Am Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar. Bildrechte: Uwe Walter

28.07.2019 | 18:30 Uhr Fischzuchtbetriebe der Lausitz sehnen sich nach Regen

Die Fischzuchtbetriebe in Sachsen bereiten sich auf ein Notabfischen mehrerer Teiche vor. Grund ist das heiße und trockene Wetter. Wenn sich das in den nächsten zwei Wochen nicht entscheidend ändere, müssten selbst die wärmeliebenden Karpfen in tiefere Gewässer umgesetzt werden, sagte der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, Andreas Stummer, im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Teich mit dreisömmrigen Besatz. Auf Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar.
Teich mit dreisömmrigen Besatz. Am Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar. Bildrechte: Uwe Walter

Herr Stummer, die Fischereibetriebe in Sachsen müssen das zweite Jahr in Folge mit wenig Wasser auskommen. Wie ist die aktuelle Lage?

Aktuell ist es so: Wenn in den Teichen wenig oder gar kein Wasser zugeleitet werden kann, haben wir Niedrigstände bis zu einem halben Meter weniger. Im Schnitt sind es bis zu 30 Zentimeter. Wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche Tiefe ohnehin nur bei 80 Zentimeter bis zu einem Meter liegt, ist das schon ganz schön viel. Damit ist ja auch die Fläche des Teiches kleiner und damit kommt es zu Sauerstoffmangel für die Fische.

Die Sauerstoffwerte hängen direkt mit der Wassertemperatur zusammen. Je höher die Temperatur ist, umso weniger Sauerstoff kann im Wasser gebunden werden. Wenn beides zusammenfällt - zu wenig Wasser und zu wenig Sauerstoff - dann kann es zum Fischsterben kommen. Mir ist es bisher in diesem Jahr noch nicht bekannt. Aber wir sind auch erst bei Ende Juli. Wenn ich die Wetterberichte höre, dann gehen wir davon aus, dass wir auch Notabfischungen machen müssen. Diese Fische werden dann meist in besser versorgte Teiche umgesetzt. Das geht natürlich nur, wenn man Teiche hat, in denen noch alles gut funktioniert. Und allgemein muss man ja sagen, dass wir schon mit großen Wasserdefiziten ins Jahr gestartet sind.

Bildergalerie Leere Himmelsteiche in der Lausitz

Normalerweise sind Fischteiche bis 1,50 Meter tief. Die langen Trockenphasen bringen große Probleme mit sich. Der Wasserstand sinkt und der Sauerstoff wird knapp. Gewitter und Regen könnten Abhilfe schaffen.

Ein sogenannter Himmelsteiche: Er wird nur durch Regenwasser gefüllt: Die Niederschläge im Winter und im Frühjahr reichten nicht mehr aus. Für die Fischzucht verloren!
Ein sogenannter Himmelsteich: Er wird nur durch Regenwasser gefüllt. Die Niederschläge im Winter und im Frühjahr reichten nicht mehr aus. Für die Fischzucht verloren! Bildrechte: Uwe Walter
Ein sogenannter Himmelsteiche: Er wird nur durch Regenwasser gefüllt: Die Niederschläge im Winter und im Frühjahr reichten nicht mehr aus. Für die Fischzucht verloren!
Ein sogenannter Himmelsteich: Er wird nur durch Regenwasser gefüllt. Die Niederschläge im Winter und im Frühjahr reichten nicht mehr aus. Für die Fischzucht verloren! Bildrechte: Uwe Walter
Das Idyll ist trügerisch - auch hier ist der Wasserstand an der kritischen Marke!
Das Idyll ist trügerisch - auch hier ist der Wasserstand an der kritischen Marke! Bildrechte: Uwe Walter
In den Vorfluter ließt nichts mehr, das Wasser steht in den Zuflüssen der Fischteiche
In den Vorfluter fließt nichts mehr, das Wasser steht in den Zuflüssen der Fischteiche. Bildrechte: Uwe Walter
Fischteich - an dem schon der Bodenbewuchs auf der Wasseroberfläche sichtbar wird.
An diesem Fischteich wird der Bodenbewuchs schon auf der Wasseroberfläche sichtbar. Bildrechte: Uwe Walter
Am Teiche: Einige Bereiche sind bereits "trocken" gelegt oder ausgetrocknet
Einige Bereiche sind bereits "trocken" gelegt oder ausgetrocknet. Bildrechte: Uwe Walter
Sonst schießt das Wasser aus dem Zufluss - jetzt nur noch ein Rinnsaal
Sonst schießt das Wasser aus dem Zufluss - jetzt ist es nur noch ein Rinnsal. Bildrechte: Uwe Walter
Statt frischem Wasser eine heiße abgestandene Brühe im Fischteich
Statt frischem Wasser eine heiße abgestandene Brühe im Fischteich. Bildrechte: Uwe Walter
Becken für Jungsfische - fast ein halber Meter Wasser fehlt!
Im Becken für Jungfische fehlt fast ein halber Meter Wasser! Bildrechte: Uwe Walter
Teich mit dreisömmrigen Besatz. Auf Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar.
Teich mit dreisömmrigem Besatz. Am Schilf ist deutlich der Wasserverlust ablesbar. Bildrechte: Uwe Walter
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Welche Region ist besonders betroffen?

Die Trockenheit ist in Ostsachen am stärksten. Die Hitze ist dort auch am größten.

Kann man schon was zur Ernte prognostizieren?

Nein, das hängt jetzt wirklich vom Wetter der nächsten Wochen ab. Ob wir nochmal Niederschläge bekommen, ob es so heiß bleibt. Der Karpfen ist schon wärmeliebend. Aber das hat eben auch seine Grenzen.

Was ist zum Beispiel mit Forellen? Müssen Betriebe die Zucht aufgeben?

Das ist ein wichtiges Thema. Man muss sich Gedanken machen bei der Anpassung der Karpfenzucht, aber da fehlen noch Konzepte. Was die Forellen betrifft, da haben wir in Sachsen recht wenig Betriebe. Aber ganz klar: Diese Tier haben noch stärker zu leiden. Da ist es ja schon bei 21 bzw. 22 Grad Wassertemperatur schwierig. In Sachsen gibt es 30 bis 40 Betriebe, die haupterwerblich Fischzucht betreiben. Zudem gibt es rund 200 Kleinbetriebe, die im Nebenwerbe Gewässer haben und dort Fische züchten.

Quelle: MDR/dk/uw/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.07.2019 | ab 06:00 Uhr in den Nachrichten

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