Prozess Brandanschlag Spreehotel
Im Prozess um den Brandanschlag auf das Spreehotel in Bautzen haben die Beschuldigten gestanden, aber auch weitere Personen belastet. Bildrechte: MDR/ma

Molotowcocktails auf das Spreehotel Angeklagte gestehen Anschlag auf Asylheim in Bautzen

Im Prozess um den Brandanschlag auf das als Flüchtlingsheim genutzte Spreehotel am Landgericht Bautzen haben die drei Angeklagten ihre Tat gestanden. Sie hatten vor mehr als zwei Jahren mehrere mit Diesel gefüllte und mit Stoffresten verschlossene Bierflaschen angezündet und auf das Hotelgelände geworfen. Vor Gericht gaben die jungen Männer an, dass sie unter Druck gesetzt und zu der Tat angestiftet worden seien.

Prozess Brandanschlag Spreehotel
Im Prozess um den Brandanschlag auf das Spreehotel in Bautzen haben die Beschuldigten gestanden, aber auch weitere Personen belastet. Bildrechte: MDR/ma

Die Anklageschrift liest sich wie die Inventur in einem Elektronikmarkt: Fernseher, Bohrhammer, Akkuschrauber, Taschenlampen, Wasserkocher, Mikrowellen, Kaffeemaschinen schleppten die drei jungen Männer aus Bautzens Gartenkolonien. Dazu Kästen mit Bier, Schnapsflaschen und Zigaretten - wenn vorhanden. Unersättlich und hemmungsfrei brach das Trio im November 2016 rund 40 Lauben auf, verwüstete Einrichtungen und nahm an Wertsachen mit, was zu kriegen war. Bei jedem Diebeszug setzten sie eins drauf. Sie brachen in die Beachbar am Stausee ein, knackten dort einen Geldtresor, klaubten Lebensmittel und Spirituosen zusammen. Kurz vor Weihnachten randalierten die beiden 19-Jährigen und der 21-Jährige auf einem Firmengelände, stahlen ein Auto, dehnten dank fahrbaren Untersatz ihre Einbrüche auf das Umland aus. Zwei Monate U-Haft setzten dem Treiben schließlich ein Ende.

Seit Dienstag müssen sich die inzwischen 21 und 25 Jahre alten Angeklagten vor der Jugendstrafkammer des Landgerichtes Görlitz wegen der gemeinschaftliche Diebstähle verantworten. Hinzu kommt der Vorwurf der versuchten schweren Brandstiftung. Am 12. Dezember 2016 hatten die zu der Zeit in Bautzen lebenden Deutschen selbst gebaute Molotowcocktails auf das Gelände des Asylbewerberheims "Spreehotel" geworfen.

Schulprobleme, Drogenkonsum, Schulden

Die Angeklagten kommen aus komplizierten familiären Verhältnissen. Es sind durchbrochene Biographien mit Aufenthalten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, im Heim oder in Wohngruppen, mit Schulproblemen, Drogenkonsum und angehäuften Schulden. Zwei von ihnen leben heute von Hartz IV - einer werdender Vater, der zweite hofft auf den Start einer weiteren Drogenlangzeittherapie. Der dritte Angeklagte hat jetzt einen Vollzeitjob als Gebäudereiniger. Er sei durch die Haft bedeutend ruhiger geworden, sagt er, und auch nicht mehr rechts.

Alle drei gestehen ihre Taten. Im Vorfeld hatten sich die Verteidiger mit den Angehörigen der Kammer und dem Staatsanwalt darauf geeinigt, dass die jungen Männer im Fall eines vollumfänglichen Geständnisses mit zwei Jahren Gefängnis zu rechnen hätten. Dies würde dann zur Bewährung ausgesetzt.

Einbrüche aus Geldnot, Gaudi und Langeweile

Die Laubeneinbrüche hätten sie aus Gaudi, Geldnot oder auch Langeweile begangen. Dabei seien sie betrunken gewesen. "Wollten Sie das Hotel tatsächlich in Brand stecken oder ging es um Randale, um Aufmerksamkeit", wollte der Vorsitzende Richter Friedrich-Leopold Graf zu Stolberg die Motivation für den Anschlag auf das Asylbewerberheim wissen. Hier gab es eine überraschende Antwort. Man sei mit den Einbrüchen aufgeflogen. Daraufhin habe sie der Besitzer eines Gebäudes unter Druck gesetzt, erklärte einer der Angeklagten. Dieser habe ihn mit einem zweiten Mann in der Wohnung bedroht und Geld gefordert. Der Angeklagte habe Angst gehabt, denn die beiden hätten mit Quarzhandschuhen vor seiner Tür gestanden. Die Männer hätten ihm dann gesagt: zündet ein Asylbewerberheim an und die Sache ist vergessen. "Ich wollte es nicht anzünden", so der 21-Jährige. Er habe extra Diesel in die Flaschen gefüllt, weil er wusste, dass der nicht so gut brennt.

Die Angeklagten sind eher einfach strukturiert. Von daher nehme ich nicht an, dass man sich hier ein komplexes Gebilde von Erklärungen - anders gesagt Ausreden - ausdenkt. Sondern dass hier tatsächlich ein reeller Hintergrund besteht.

Manfred Sauter Staatsanwalt

Zur Brandstiftung genötigt?

Der zur Anstiftung beschuldigte Mann, ist am Prozesstag als Zeuge geladen. Mit lauter Stimme weist er die Geschichte als Lug und Trug zurück. Ja, er habe über jemanden die Adresse bekommen und einen der Diebe aufgesucht. Aber nicht bedroht, betont er. Dem Einwurf des Verteidigers, dass er sich da einfach mal den Umweg über Polizei und Justiz gespart hatte, fällt er polternd ins Wort: "Es war ein Versuch, die Sache direkt zu klären."

Wie die Staatsanwaltschaft nach der Verhandlung gegenüber MDR SACHSEN erklärte, wurden tatsächlich auch Ermittlungen gegen den Mann wegen Anstiftung zur Brandstiftung und Nötigung aufgenommen. Ob beide noch laufen oder inzwischen teils oder ganz eingestellt worden sind, konnte an dem Tag nicht geklärt werden. Der Prozess wird am 26. Juni fortgesetzt.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2019 | ab 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

MDR SACHSENSPIEGEL | 18.06.2019 | 19:00 Uhr

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