Angeklagter mit Anwältin in Gerichtsaal
Das Medieninteresse am Prozess gegen den mutmaßlichen Intensivtäter "King Abode" ist groß. Vor Beginn der Verhandlung musste die Presse allerdings den Saal verlassen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

22.08.2019 | 14:28 Uhr Prozess gegen "King Abode" in Bautzen wird nicht öffentlich geführt

In Bautzen hat am Donnerstag das Hauptverfahren gegen den Flüchtling Mohamed Youssef T., bekannt als "King Abode", begonnen. Dieses verläuft hinter verschlossenen Türen, so die Entscheidung des Jugendschöffengerichts kurz vor Prozessbeginn. Hintergrund ist das Alter des Angeklagten zum Zeitpunkt einer ihm vorgeworfenen Straftat aus dem Jahr 2015. Man gehe davon aus, dass der Libyer damals noch nicht volljährig war.

Angeklagter mit Anwältin in Gerichtsaal
Das Medieninteresse am Prozess gegen den mutmaßlichen Intensivtäter "King Abode" ist groß. Vor Beginn der Verhandlung musste die Presse allerdings den Saal verlassen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Amtsgericht Bautzen. Es ist kurz vor 9 Uhr. Mit zügigen Schritten läuft Mohamed Youssef T. auf den Eingang des Gebäudes zu. Sein Gesicht hält der Nordafrikaner unter der breiten Fellkrempe seiner Kapuzenjacke versteckt. Während er das Gebäude betritt und sich der Sicherheitskontrolle unterzieht, versucht er, soweit es geht, den Kameras der Pressefotografen auszuweichen. "Herr Abode, wie alt sind Sie nun eigentlich?", fragt ein Reporter wiederholt. Der junge Mann schweigt, ignoriert den Medienrummel, der ihm auf den Weg in den Verhandlungssaal umgibt.

Angeklagter in Gerichtsaal
Der Angeklagte bei der Einlasskontrolle. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"King Abode", zu Deutsch "König Aufenthalt", wie sich der Libyer selbst nennt, ist in den vergangenen fünf Jahren als Asylbewerber in Bautzen und Kamenz immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Bei der Polizei wird der junge Mann als Intensivtäter geführt. Seit Donnerstag muss sich Mohamed Youssef T. vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Die Anklage wirft ihm unter anderem gefährliche Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Sachbeschädigung in mehreren Fällen vor. Dabei kamen kurzfristig zu zunächst acht Anklagen noch zwei weitere hinzu. Es geht um Bedrohung und Körperverletzung. In Summe wurden nun zehn Anklageschriften zusammengeführt, die in drei Prozesstagen vor dem Jugendschöffengericht abgehandelt werden müssen. 32 Zeugen sollen zu den Vorfällen angehört werden.

Doch zunächst gab es vor Prozessbeginn eine entscheidende Frage: die nach dem wahren Alter des Angeklagten. Ist er nun 23 Jahre alt oder doch erst 22? Während in den Unterlagen des Bautzener Gerichts als Geburtsdatum von Mohamed Youssef T. der Februar 1996 vermerkt ist, gibt dieser an, dass er im August 1997 geboren wurde. Das ändert einiges, denn damit hätte der Angeklagte eine der ihm zur Last gelegten Körperverletzung aus dem Jahr 2015 als Jugendlicher verübt. In Konsequenz würde im Prozess das mildere Jugendstrafrecht greifen.

Im Zweifel für den Angeklagten

Nach kurzer Beratung korrigierte das Gericht "King Abodes" Geburtsdatum auf den August 1997. Infolgedessen wird nun über nach Jugendgerichtsgesetz verhandelt und die Öffentlichkeit vom Prozessverlauf ausgeschlossen. Es gelte der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten, erläuterte Bautzens Amtsgerichtsdirektor Markus Kadenbach diese Entscheidung gegenüber den vom Prozess ausgeschlossenen Journalisten und Bürgern.

Markus Kadenbach, Chef vom Amtsgericht Bautzen
Markus Kadenbach, Direktor am Amtsgericht Bautzen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Warum ein Tatvorwurf aus 2015 erst jetzt verhandelt wird, liegt laut Kadenbach an der Überlastung der Gerichte. 2016 seien Richter des Jugend- und Jugendschöffengerichtes in Bautzen aufgrund von Rückständen früherer Jahre hoch belastet gewesen. Seither sei man dabei, die Rückstände – in diesem Jahr auch mit Hilfe von zusätzlichem Personal - kontinuierlich abzutragen, so der Chef des Amtsgerichts.

Urteil wird Anfang September erwartet

Im Fall von "King Abode" kamen seit der ersten Anklageerhebung im Jahr 2016 im Laufe der Jahre weitere hinzu. Verteilt auf zehn Anklageschriften werden dem Libyer insgesamt 24 Straftaten zur Last gelegt, wobei er in einigen Fällen mehrere Verbote zugleich oder das gleiche Verbot mehrfach verletzt haben soll. "Im Hinblick auf die Vielzahl und Schwere der dem Angeklagten vorgeworfenen Taten ist damit zu rechnen, dass eine Jugendstrafe von mehr als einem Jahr verhängt wird", sagt Kadenbach. Als Höchstmaß könnte "King Abode" eine Jugendstrafe von fünf Jahren erwarten. Ursprünglich sollte das Urteil nach dem dritten Verhandlungstag am 2. September gefällt werden. Nach dem ersten Verhandlungstag zeichnet sich nun ab, dass sich der Prozess länger ziehen wird.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.08.2019 | ab 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 14:31 Uhr

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