Nach Bischofswerda Rechtsextremer Rapper will nach Bautzen: Oberbürgermeister Ahrens verurteilt die Pläne

Der rechtsradikale Rapper Chris Ares bei einer AfD-Kundgebung am Münchner Odeonsplatz im April 2016.
Der als rechtsextrem geltende Rapper Chris Ares ist erst in Bischofswerda abgeblitzt. Jetzt formiert sich Widerstand in Bautzen. Hier ist Ares auf einer AfD-Kundgebung am Münchner Odeonsplatz im April 2016 zu sehen. Ares soll aus dem Landkreis Ebersbach bei München stammen. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat bei der Stadtratssitzung Gerüchte bestätigt, wonach der als rechtsextremistisch eingestufte Rapper Christoph Aljoscha Zloch (28 Jahre, "Chris Ares") einen Treffpunkt in Bautzen einrichten will. Die Stadtverwaltung habe am Dienstag über eine Gewerbeanmeldung von den Plänen erfahren. Offensichtlich wurden für das Vorhaben Gewerberäume in einer Immobilie angemietet.

Ahrens gab gleich zu Beginn der Stadtratssitzung eine Erklärung ab, in der er sich klar gegen die Pläne positionierte. Die Stadt toleriere keine Rechtsextremen, sagte Ahrens. Man werde mit allen rechtsstaatlichen Mitteln versuchen, dieses Vorhaben zu verhindern. Da es sich aber um einen Gewerbemietvertrag mit einem privaten Vermieter handele, seien die Möglichkeiten begrenzt.

Alexander Ahrens
Alexander Ahrens will das vom rechten Rapper Chris Ares geplante Jugendzentrum nicht in Bautzen. Bildrechte: MDR/Benno Scholze

Klares "Nein" auch von Stadträten

Ein klares "Nein" zu den Plänen des als rechtsextrem geltenden Rappers kommt auch von verschiedenen Stadträten. "Ich kann es nur unterstützen, was Oberbürgermeister Ahrens da gesagt hat. Ich stehe für ein klares Nein zum Rechtsextremismus und hege keine Toleranz gegen Rassismus und Antisemitismus", erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Fleischer. "Wir wollen keinen Treffpunkt für Rechtsextremisten, die in unserer Stadt versuchen, Jugendliche einzufangen." Umso mehr habe er sich über die klare Kante des Oberbürgermeisters gefreut.

Roland Fleischer, Kreisrat Bautzen
Roland Fleischer ist Fraktionsvorsitzender der SPD Bautzen. Bildrechte: Roland Fleischer

Ich fordere in diesem Zusammenhang Polizei, Verfassungsschutz, Jugendhelfer, Streetworker und auch die Öffentlichkeit auf, sich gegen die Ansiedlung eines Jugendzentrums des rechtsextremen Rappers Chris Ares einzusetzen.

Roland Fleischer Fraktionsvorsitzender der SPD Bautzen

Bischofswerda hat Rapper abblitzen lassen

 "Diese Truppenteile sind in Bautzen nicht willkommen", erklärte CDU-Stadtrat Tobias Schilling MDR SACHSEN. "Ich hoffe, dass der Stadtrat da ein deutliches Zeichen setzen wird, wie das die Kollegen in Bischofswerda schon gemacht haben."  Ursprünglich wollte der Rapper sein "patriotisches Jugendzentrum" in Bischofswerda errichten. Doch dort stellten sich nicht nur der Bürgermeister und der Landrat gegen das Vorhaben, sondern auch der Bischofswerdaer Stadtrat - inklusive AfD-Fraktion.

Vor der Stadtratssitzung in Bischofswerda protestierten junge Leute gegen das geplante rechte Jugendzentrum des rechtsextremen Musiker Chris Ares.
Vor der Stadtratssitzung in Bischofswerda protestierten junge Leute gegen das geplante rechte Jugendzentrum des rechtsextremen Musiker Chris Ares. Bildrechte: MDR/Rocci Klein

Auch Bautzen plant Erklärung des Stadtrats

Jetzt plant auch der Bautzener Stadtrat eine Erklärung gegen die geplante Ansiedlung des Rechtsrapper-Jugendzentrums. Das erklärte CDU-Stadträtin Monika Vetter MDR SACHSEN. Ihr Vorschlag, sich dem Bürgermeister anzuschließen, sei von den Fraktionsvorsitzenden nach der Sitzung diskutiert worden. "Wahrscheinlich sieht es so aus, dass wir uns der Erklärung des Oberbürgermeister anschließen", erklärte Vetter. Ob sich die AfD wie in Bischofswerda anschließe, sei noch nicht klar. Vorerst habe es eine Ablehnung gegeben mit dem Verweis 'Wir sind sowieso gegen Extremismus, wie müssen uns dazu nicht äußern'.

AfD-Bischofswerda: "Bürgern und Wählern vor Ort verpflichtet"

Laut einem Medienbericht des Nachrichtenportals "Tag 24" hatte sich die AfD Bischofswerda gegen den Rapper gestellt, mit dem Verweis, sich "vor allen den Bürgern vor Ort verpflichtet zu fühlen". "Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht, als uns Leute aus den gebrauchten Bundesländern die Welt erklären wollten", zitierte Tag 24 die AfD Anfang Juli. Der Eintrag der AfD Regionalgruppe Bischofswerda ist heute auf dessen Facebook-Seite nicht mehr zu finden. Nach der Absage der AfD Bischofswerda soll es Zoff im rechten Spektrum gegeben haben.  

Ares soll aus Ebersberg bei München kommen

Der Rapper Chris Ares soll einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge nicht aus Sachsen, sondern aus dem Landkreis Ebersbach, östlich von München stammen. Dort, so heißt es, ist er nicht nur mit der "Identitären Bewegung" vernetzt, sondern auch im "Bund Deutscher Patrioten" aktiv.

Rapper hatte neuen Laden am Sonntag per "Telegram" angekündigt

Ares hatte am Sonntag per Nachrichtendienst "Telegram" angekündigt, im September im Raum Bischofswerda einen ersten Laden zu eröffnen. Dort solle sowohl ein Tattoo-Studio Platz haben als auch ein Medienraum sowie ein Laden, in dem CDs, Klamotten und weitere Produkte von dem Rapper verkauft werden. Außerdem soll Platz sein "für heimatverbundene Menschen, die zusammenkommen möchten."

Der Bayrische Verfassungsschutz stuft den Rapper Chris Ares als "Rechtsextremisten" ein. Er gilt als der erste offen rechte Rapper, dessen Musik es in die Amazon-Charts geschafft hat. Mittlerweile sollen Spotify und Amazon seine Songs gelöscht haben.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.07.2020 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

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