Bautzen Bürgerinitiative kündigt Demo gegen Bloggerin an

"Annalena Schmidt muss weg!" Mit dieser Parole will der Republikaner Marco Wruck Leute gegen eine kritische Stimme der Stadt Bautzen mobilisieren. Das geht selbst Rechtskonservativen zu weit.

Es ist noch nicht so lange her, als sich eine politische Debatte über die Situation in Bautzen gleichsam in ein Tribunal über die Bloggerin und Demokratiepreisträgerin Annalena Schmidt verwandelte. Für einige hat die aus Hessen zugezogene Frau zu oft den Finger in die Wunde gelegt, weil sie Rassismus und Rechtsextremismus in der Stadt immer wieder beim Namen nennt. Andere zollen ihr genau dafür Respekt und Annalena Schmidt wird auf der Liste der Grünen für den Stadtrat kandidieren.

Demo gegen die Stadtratskandidatur

"Gehen Sie wieder", forderte eine Bürgerin bei der Gesprächsrunde am 8. Februar in einer Bautzener Kirche vor Hunderten Zuhörern Annalena Schmidt auf. Der ehemalige NPD-Politiker Marco Wruck fühlte sich nach dieser Aussage berufen und ist aktiv geworden. Wruck, der sich inzwischen der rechten Splitterpartei Die Republikaner angeschlossen hat, will eine Demo gegen Annalena Schmidt anmelden. Das bestätigte er auf Anfrage von MDR SACHSEN. Angekündigt ist die Demonstration bereits auf der kürzlich erstellten Facebookseite "Bürgerinitiative Wir sind Sachsen". Ein erster Post, der wörtlich die Ausbürgerung von der Bautzenerin forderte, wurde inzwischen gelöscht. Geblieben ist der Aufruf: "Annalena Schmidt muss weg!" und die Ankündigung, in den nächsten Tagen eine Demo zu veranstalten, um ihre Kandidatur als Stadträtin zu verhindern.

Sympathiebekundungen für "Schmanle"

Im Netz wurde der Aufruf vor allem von den Republikanern mehrfach geteilt. Außerdem gibt es eine Menge an Sympathiebekundungen für Annalena Schmidt alias Schmanle. "Demokratie und Kritik helfen, um Staat und Gesellschaft weiterzuentwickeln. Auch deshalb gehört @Schmanle zu uns in #Sachsen !", postete etwa Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen via Twitter. Am Donnerstagabend griff Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Telefon und sprach mit Annalena Schmidt über die Situation in Bautzen.

"Ich bin schockiert", sagte der Bautzener Andreas Thronicker MDR SACHSEN bezüglich des Demo-Aufrufs. Thronicker geht selbst gegen Annalena Schmidt als "Nestbeschmutzerin" hart an. Er sei gegen ihre Kandidatur, aber der Demo-Aufruf gehe zu weit. Via Facebook erklärte auch der frühere AfD-Landesvorstand Arvid Samtleben der frisch gegründeten "Bürgerinitiative Wir sind Sachsen" gleich zweimal, das selbst einer "Frau Schmidt ein Recht auf das freie Wort" zusteht.

Annalena Schmidt sieht die gegen sie angekündigte Demo entspannt. "Das zeigt das Demokratieverständnis einiger Leute in Bautzen", erklärte sie im Gespräch mit MDR SACHSEN. Auf jeden Fall werde sie das nicht von ihrer Stadtratskandidatur abhalten.

Quelle: MDR/ma

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.02.2019 | ab 5.30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 10:16 Uhr

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