23.01.2020 | 14:36 Uhr VVO erklärt sich beim Sonderstadtrat in Kamenz

Eine halbe Stunde hat in Kamenz zu viel Frust und Ärger geführt: Um eine halbe Stunde hatte der VVO die Abfahrtszeit der Regionalbahn in Kamenz seit dem Fahrplanwechsel im Dezember verschoben. Für viele Berufspendler, Schüler und Studenten verschlechterte sich so ihre Anreisezeit mit dem öffentlichen Nahverkehr. Wartezeiten bei den Umstiegen zwischen Bus und Bahn sind zu lang und bei dem Wechsel in die Fernzüge ab Dresden extrem knapp bemessen. Am Mittwoch war das Thema in einem Sonderstadtrat.

Der Regionalzug RB34 am Bahnhof von Kamenz
Der Regionalzug RB34 am Bahnhof von Kamenz fährt seit dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr zur vollen sondern zur halben Stunde. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Linke-Stadtrat Jens Fichte ist selbst Betroffener. Er pendelt seit zehn Jahren mit den Öffentlichen nach Dresden. "Wenn ich jetzt mit dem Bus am Bahnhof ankomme, muss ich 40 Minuten warten", sagte er auf der Sondersitzung. Die Unzufriedenheit unter den Pendlern sei groß. Frank Barchmann aus Deutschbaselitz beklagte die längere Reisezeit mit Bus und Bahn von seinem Ort aus. "Die Anbindung an den ländlichen Raum hat sich deutlich verschlechtert", schimpfte der Rentner.

VVO: Informationsbedürfnis unterschätzt

Schon im Dezember, als bekannt wurde, dass sich die Fahrtzeiten der Linie RB34 zwischen Kamenz und Dresden ändern, hatte die Stadtratsfraktion "Stadt-Land-Frau" einen Dringlichkeitsantrag formuliert. Darin wurden die "erheblichen Verschlechterungen" für Zugreisende kritisiert und eine Verbesserung der Anbindung an Dresden noch vor der Neuvergabe des Dieselnetzes gefordert. Zudem sollte dargelegt werden, warum die Bahn seit dem Fahrplanwechsel weiter nur stündlich und nicht im Berufsverkehr im viel versprochenen Halbstundentakt fährt.

Burkhard Ehlen Geschäftsführer VVO
VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

VVO-Chef Burkhard Ehlen erklärte beim Sonderstadtrat persönlich die - auch aus Sicht des VVO - unglückliche Situation: Man habe als VVO das Informationsbedürfnis wegen des Fahrplanwechsels unterschätzt, entschuldigte sich zunächst der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes. Auch kämpfe man immer noch mit den Folgen der Insolvenz der Städtebahn im vergangenen Jahr. Auf die veränderte Abfahrtzeit habe man sich mit dem Verkehrsverbund Zvon geeinigt, der die Anbindung nach Zittau und Görlitz verbessern wollte. Der Halbstundentakt für Kamenz sei bisher an der Finanzierung gescheitert. Und die bisher schlechten Anschlüsse an den Fernverkehr resultierten aus einer Gleisbaustelle in Radebeul. An dieser Stelle hatte Ehlen dann auch eine gute Nachricht: Die Anschlüsse der Züge von Görlitz, Zittau und Kamenz an die Fernzüge ab Dresden werden nach dem Ende der Bauarbeiten ab Mai dieses Jahres klappen. Auch habe man bereits an den Stellen, wo es möglich war, bei den Anschlüssen zwischen Bus und Bahn nachjustiert, so Ehlen. Nach den Winterferien werde es da noch einmal Anpassungen im Fahrplan geben.

Halbstundentakt nach Kamenz frühestens in zwei Jahren

Dies bestätigte die 2. Beigeordnete Birgit Weber, die für das Landratsamt Bautzen vor Ort war. "Wir versuchen natürlich zu reagieren, wenn es zu Engpässen bei den Kapazitäten und Anschlussverbindungen kommt. Da sind wir gerade dabei." Vieles sei schon umgesetzt, anderes werde noch angepasst. Im Moment überplane der Landkreis Bautzen das gesamte Busnetz, mit dem Ziel, 2022 einen neuen Fahrplan zu haben, so Weber.

Mit diesem will der VVO ebenfalls den Eisenbahnverkehr verbessern. Bis dahin aber wird sich die Forderung nach einem Halbstundentakt zwischen Dresden und Kamenz nicht umsetzen lassen, bedauert Ehlen. Erst in der neuen Ausschreibung für den Eisenbahnverkehr, die ab 2022 wirkt, sei die Option für den Halbstundentakt bis Kamenz mit vorgesehen. "Wir haben große Hoffnung, dass durch das Strukturstärkungsgesetz, das für die Kohleregion in der Diskussion ist, sich finanzielle Möglichkeiten eröffnen, diesen Takt zu verdichten", sagte der VVO-Chef. Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz bat zumindest zu prüfen, ob man wegen der vollen Züge zu Stoßzeiten nicht mehr Wagen einsetzen könne.

In der Ausschreibung, die wir für den Eisenbahnverkehr vorbereiten, und die ab 2022 dann wirkt, haben wir die Option vorgesehen - soweit unsere Finanzmittel ausreichen - tatsächlich auch den Halbstundentakt in der Hauptverkehrszeit bis Kamenz anbieten zu können.

Burkhard Ehlen Geschäftsführer VVO

Abgehängt sehe er seine Stadt durch die Taktverschiebung nicht gleich, auch sei der Sonderstadtrat unnötig gewesen, sagte Oberbürgermeister Dantz im Nachgang der Sitzung. Aber er sei für die Informationen seitens des VVO sehr dankbar. "Natürlich wollen wir die Versprechen zum Halbstundentakt eingelöst sehen", betonte er. Die Menschen der Region benötigten ihn und nur mit guten Angeboten im ÖPNV könne Kamenz wachsen. "Ich denke, dass die Signale an die Staatsregierung aus der heutigen Beratung heraus sehr deutlich und gut waren", so Dantz.

Fraktion "Stadt-Land-Frau" zieht Antrag zurück

Stadträtin Anne Hasselbach in Kamenz
Stadträtin Anne Hasselbach von "Stadt-Land-Frau". Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Bei einem Signal blieb es am Mittwoch. Die Fraktion "Stadt-Land-Frau" sah mit der einberufenen Sondersitzung ihr Ziel erreicht und zog ihren Antrag zurück. Man wolle in der Sache weiter im Gespräch bleiben und Druck ausüben, sagte Stadträtin Anne Hasselbach von "Stadt-Land-Frau". "Wie soll man das den Leuten erklären", fragt sich indessen nach der Stadtratssitzung Gabriele Maschke vom Kamenzer Büdchen. Sie erlebt die Fahrgäste tagtäglich beim Ticketverkauf. Alle hätten mit dem Halbstundentakt nach Dresden gerechnet. Die Stimmung auf dem Bahnhof sei schlecht.

Eine Anfrage von MDR SACHSEN an das Sächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) ergab, dass man auch hier die Notwendigkeit des 30-Minuten-Taktes auf der Strecke nach Kamenz sieht. Das dafür benötigte zusätzliche Geld müsse aber durch den Landtag erst einmal im nächsten Doppelhaushalt 2021/22 eingestellt werden, erklärte Referent Christian Adler. Man sei auch bemüht, eine frühere Lösung zu finden, so Adler.

Im Jahr 2020 stehen den Zweckverbänden laut SMWA insgesamt rund 477 Millionen Euro zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs und darüber hinaus zusätzlich 50 Millionen Euro zur Finanzierung des Busgrundnetzes aus Plus- und Taktbus-Linien sowie des Schülerfreizeit- und Azubi-Tickets zur Verfügung.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.01.2020 | ab 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2020, 14:36 Uhr

2 Kommentare

Dynamo vor 4 Wochen

Guten Morgen, MDR.de-RED, im Radio MDR-Sachsen wurden in den Morgennachrichten vom 23.01.2019 die "Ergebnisse" dieser Sondersitzung verkündet. In den nächsten 2 (zwei) Jahren wird sich am jetzigen Zustand der Bahnverbindung Dresden - Kamenz NICHTS verändern. Was soll man da noch sagen. "Sächsische Zeitung" von heute, Dresdner Ausgabe, Seite 13, "Dresden erwartet im Jahr 2020 600 Flüchtlinge". Noch ein Beispiel aus dem vorigen Jahr, Abriss einer Asylunterkunft in Dresden-Johannstadt, die nie genutzt wurde, die aber über Jahre hinweg von einem Wachdienst überwacht wurde. Kostenpunkt: 8 (acht) Millionen Euro plus die Abrisskosten. Und da soll man glauben, dass die Steuergelder nach Bedarf der Menschen verteilt werden ?

Dynamo vor 4 Wochen

Was wird das Ergebnis dieser Sondersitzung sein ? Kurzfristig ist keine andere Lösung möglich. Schließlich können die Macher dieser Umstrukterierung nicht pausenlos ihre Pläne ändern.

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