Sorbian Street Style Wie aus sorbischen Trachten Alltagsmode wird

Sorbische Trachten machen die Lausitz einzigartig. In Beruf und Freizeit sind sie aber wenig praktikabel. Darum hat das Sorbische Museum in Kooperation mit der Volksbank Bautzen und dem Sächsischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft Anfang des Jahres den Designwettbewerb "Sorbian Street Style" ausgelobt. Am Mittwoch war die Preisverleihung.

Sorbian Street Style
Christiane Dögel und Alexander Gaertner haben für ihre Kollektion den zweiten Platz und ein Preisgeld von 2.000 Euro bekommen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Sorbische Trachten für jedermann straßentauglich zu machen - so die Aufgabe. Gelungen war das in den Augen der Jury Jan Lorenz. Der gebürtige Bautzener hatte eine Kollektion für den Mann entworfen. Dafür hatte sich der 33-Jährige mit Sagengestalten der Oberlausitz wie den Krabat und die Mittagsfrau und mit slawischen Symbolen beschäftigt.

Sorbian Street Style
Jan Lorenz überzeugt mit seiner Modekollektion für Männer und belegte den dritten Platz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"Ich habe mich vor allem für Wolfszähne entschieden - das sind Dreiecke -und Sonnensymbole", sagte Lorenz. "Diese stehen für das Leben und den Schutz des Lebens." Die Symbole verwendete der Designer in seinen Kreationen teils sparsam als Ornamente und teils als großflächige Muster.

Traditionalisten wollen Haube

Preisgekrönt wurde auch die Kollektion von Alexander Gaertner und Christiane Dögel. Die jungen Designer aus Berlin hatten lange bei den sorbischen Mustern recherchiert und sich schließlich von der Osterbemalung inspirieren lassen. "Um das aber nicht eins zu eins zu kopieren, haben wir die Grundelemente frei interpretiert", sagte Gaertner. So wurde der typische Pinselstrich, der an einer Stelle breiter ist, als Tropfenform wiedergeboren. Aus den Tropfen entstanden dann neue Muster.

Sorbian Street Style
Der Nachwuchspreis ging an die Studentinnen Saskia Trute, Gisa Bigl, Marilena Stock und Lara-Marie Lipp. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Kleidungsstücke der Berliner Designer sind extravagant und weit entfernt von Trachtenmode. Bei ihnen gibt es auch keine Hauben. Doch die ist für Traditionalisten des sorbischen Brauchtums besonders wichtig. Vier Studentinnen von der Fachhochschule in Dresden machten sich lange Gedanken, wie man die Trachtenhauben in ein cooles Accessoire für den Alltag verwandelt. Und fanden eine flippige Lösung. "Wir haben die Hauben umgedreht und haben daraus so einen Visor gemacht", erklärte Marilena Stock. Visoren seien gerade sehr modern, die finde man häufig im Streetstyle.

16 Entwürfe und Kollektionen sind bei dem Wettbewerb eingereicht worden. Die Leiterin des Sorbischen Museums Christina Bogusz sieht darin eine Initialzündung, an dessen Ende vielleicht ein Label für die Lausitz stehen könnte. "Tragbare Mode, die unsere Herkunft und unserer Wurzeln widerspiegelt"

Ab 22. September werden die Kreationen der Designer im Sorbischen Museum ausgestellt. Einzelteile können sogar gekauft werden. Außerdem hoffen die Initiatoren, dass bald die eine oder andere Kollektion hier in der Lausitz produziert werden könnte.

Preisträger des Sorbian Street Style: 1. Platz Lea Kelm , 2. Platz Alexander Gaertner und Christiane Dögel, 3. Platz Jan Lorenz

Blick in eine Kollektion

Sorbian Street Style Kollektion
Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
Sorbian Street Style Kollektion
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Stoffe
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Kleid mit Schmuck
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Sorbian Street Style Kollektion
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Stoffe
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Sorbian Street Style Kollektion
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Schmuck
Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.06.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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